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Unternehmen Eckelmann in Wiesbaden: Eine Krise von vielen

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Von: Madeleine Reckmann

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Manche Bauteile hängen in den Lieferketten fest: Philipp Eckelmann an einer der Maschinen, die die Chips auf die Platinen klebt.
Manche Bauteile hängen in den Lieferketten fest: Philipp Eckelmann an einer der Maschinen, die die Chips auf die Platinen klebt. © Rolf Oeser

Wie sich der Krieg in der Ukraine auf die hiesige Wirtschaft auswirkt: Von hohen Energiepreisen, unterbrochenen Lieferketten und der Angst vor der Deindustrialisierung in Deutschland.

Philipp Eckelmann ist froh, dass er vor einem Jahr entschieden hatte, etwas gegen den Klimawandel zu tun. Der Geschäftsführer des gleichnamigen Unternehmens in Wiesbaden-Erbenheim ließ die Halogenleuchten auf LED umstellen und auf dem Dach eine Photovoltaikanlage installieren. Das spart bei den aktuell gestiegenen Energiepreisen sehr viel Geld. Der Krieg Russlands gegen die Ukraine wirkt sich auf die hiesige Wirtschaft aus. Das Beispiel Eckelmann zeigt, wie vielfältig die Krisen sind.

Gerade hat der 44-Jährige, der das Unternehmen für elektronische Steuerungen 2016 von seinem Vater Gerd übernahm, einen neuen Vertrag mit Eswe-Versorgung zur Stromlieferung ausgehandelt. „Wir haben eine Verdreifachung der Energiekosten, da steht eine halbe Million Euro zusätzlich an“, sagt Eckelmann, ein gebürtiger Wiesbadener. Um weiter Strom zu sparen, wird - wie die Bundesregierung empfiehlt - die Außenbeleuchtung früher ausgeschaltet. Zudem verzichten die 300 Mitarbeiter:innen auf warmes Wasser beim Händewaschen.

Hersteller für Platinen

Die Firma Eckelmann stellt Platinen für elektronisch betriebene Maschinen her. In Erbenheim löten Mitarbeiter:innen mit Hilfe spezieller Maschinen nanometergenau die einzelnen Komponenten auf die grünen Platten. Manchmal sind es Hunderte kleinste Teile, die auf der Platine befestigt werden. Solche Platinen sorgen etwa in Supermärkten dafür, dass genau so viel Kältemittel in die Kühlmöbel gelangt, dass die Tiefkühlpizza nicht auftaut. Sie stecken aber auch in Autos oder Kreuzfahrtschiffen, in landwirtschaftlichen Maschinen und Maschinen, die andere Maschinen produzieren. „Wir verkaufen an Maschinenbauer und die Stahlindustrie“, sagt Eckelmann, „in Deutschland steht die Chance eins zu drei, dass die Elektronik von uns ist.“

Die gestiegenen Energiekosten sind für Eckelmann nicht das größte Problem. Er sieht das mittelständische Unternehmen solide aufgestellt. Dennoch blickt der Unternehmenschef sorgenvoll in die Zukunft. Der Frage nach den Einsparpotenzialen von Strom in seinem Unternehmen schickt er daher den Satz voraus: „Die Energiekrise ist nur die nächste in einer Reihe von Krisen.“ Sie wirke eher indirekt, weil Eckelmann abhängig sei von Kunden aus der energieintensiven Produktion. Überleben sie diese schwere Zeit? Dass Deutschland eine Deindustrialisierung erleben könnte, hält der zweifache Familienvater nicht für ausgeschlossen.

Aktuell relevanter als der teure Strom ist, dass die Platinen in den weltweit ins Stocken geratenen Lieferketten hängen bleiben. Einzelne Bauteile werden von Eckelmann in Deutschland entworfen, aber in Asien von anderen Unternehmen gefertigt. Viele davon stecken auf dem Weg zwischen Asien und Deutschland fest oder konnten aus Mangel an Rohstoffen nicht hergestellt werden. Die Folge ist, dass sich die Chips, die Eckelmann auf die Platinen klebt, aktuell um ein Vielfaches verteuern.

Für einige Platinen muss er inzwischen den vierfachen Preis verlangen. Denn der Preis mancher Halbleiterelemente hat sich um das Hundertfache verteuert, aus Centbeträgen sind Eurobeträge geworden. Andere Elemente kommen nicht bei Eckelmann an. „Wir produzieren jetzt zehn Prozent weniger“, sagt er. Eine der Lötanlagen wird nur noch an drei oder vier Tagen in der Woche angeschaltet. „Früher lief sie an fünf Tagen in der Woche.“ Das spart zwar Strom, denn Lötanlagen verbrauchen viel Energie. Darüber kann sich Eckelmann aber nicht freuen. Manche Kunden muss er jetzt vertrösten.

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