Unsozial undungerecht

Zur Gebührenerhöhung für die Kinderbetreuung, FR vom 22. Dezember

Die Erhöhung der Kita-Gebühren in Wiesbaden benachteiligt Berufstätige. Mein mittlerer Sohn (fast fünf Jahre alt) ist ebenso wie viele andere Kinder durch die von der Koalition beschlossenen Gebührenerhöhung betroffen.

Allerdings kann ich eine Gebührenerhöhung um das Fünffache nicht nachvollziehen: Mein Sohn ist bislang beitragsfrei (abgesehen von einem Zuschuss von 30 Euro für den Ganztagsplatz) und zahlt nun für den Ganztagsplatz 160 Euro. Das ist eine Gebührenerhöhung von monatlich 130 Euro! Kinder, die einen Halbtagsplatz haben, zahlen hingegen nichts. Das ist sozial unausgewogen und bevorzugt diejenigen Eltern, die in einer klassischen „Hausfrauenehe“ leben, da diese auf einen Betreuungsplatz, der auch den Mittag und Nachmittag abdeckt, nicht angewiesen sind.

Der Krippenausbau ist wichtig und notwendig, kann aber nicht nur von denjenigen Eltern finanziert werden, die beide berufstätig sind, sondern muss paritätisch von allen Eltern getragen werden. Da jedoch etwa 30 Prozent der Eltern aufgrund von städtischen Zuschüssen gar keine Gebühren zahlen und die Halbtagsplätze gebührenfrei sind, führt dies nunmehr dazu, dass eine Minderheit der Eltern den Ausbau der Krippenplätze für alle finanziert. Das kann nicht richtig sein!

Eine interessengerechte Lösung hätte zum Beispiel dadurch erreicht werden können, dass der Halbtagsplatz nicht komplett kostenfrei gestellt wird oder zumindest die Ganztagsplätze zu einem Teil bezuschusst werden, indem der Halbtagsplatz – wie bisher – angerechnet wird. Aufgrund der neuen Regelung werden aber nun einseitig die Eltern der Ganztagskinder belastet. Vor allem Eltern, die mehrere Kinder in einer Einrichtung haben, werden von einem auf den anderen Monat zur Kasse gebeten. Welches Familienmodell soll damit gefördert werden? Svenja Usener, Wiesbaden (Mutter von drei Kindern)

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