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Monika Rubbel ging schon einmal in Ruhestand. Danach baute sie ein neues Amt auf.
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Monika Rubbel ging schon einmal in Ruhestand. Danach baute sie ein neues Amt auf.

Wiesbaden

„Ungeduld ist eine Tugend“

  • VonDiana Unkart
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Monika Rubbel hat über Jahrzehnte Neuerungen in der Wiesbadener Stadtverwaltung angestoßen, von denen viele Menschen profitiert haben.

Diesmal soll es ein Abschied ohne Rückkehr sein. Der erste Versuch im Dezember 2019, in Ruhestand zu gehen, endete nach kurzer Zeit. Monika Rubbel, inzwischen 69, kehrte zurück in die Wiesbadener Stadtverwaltung, um ein neues Amt aufzubauen: eines für Digitalisierung, Innovation und Organisation. In mehr als 30 Jahren in der Stadtverwaltung hat sie bisweilen unkonventionelle Modernisierungsprojekte angestoßen. Dass Wiesbaden die erste Stadt bundesweit ist, in der das Aufgebot wegen der Pandemie online bestellt werden kann oder es demnächst die Wi-Box, eine Art Packstation, geben wird, an der amtliche Dokumente rund um die Uhr abgeholt werden können, geht auf Initiativen von Monika Rubbel und dem Team im Standesamt zurück.

Als Rubbel 1973 ihre Ausbildung zur mathematisch-technischen Assistentin begann, heute würde man Informatikerin sagen, füllten Großrechner noch Hallen und Speicherplatinen wurden selbst gelötet. Digitale Entwicklungen und Vernetzung haben die Arbeit verändert. In den Verwaltungen vielleicht nicht in so rasantem Tempo wie anderswo.

Einfach anfangen: Monika Rubbels Arbeitsmotto ist so simpel wie pragmatisch: Wer in einem trägen Apparat etwas verändern will, und seien es nur Kleinigkeiten, darf sich nicht auf Bedenken fokussieren. Ungeduld sei eine Tugend, findet sie. Aber sie könne auch sehr geduldig sein. Dann vor allem, wenn sie etwas erreichen möchte. Seit sie 1987, nach einem Studium der Soziologie, in der Stadtverwaltung anfing, erzählt Monika Rubbel, sei ihr bei vielen Projekten aufgefallen, dass die Verwaltung zwar sehr sorgfältig, aber oft auch sehr aufwendig arbeite.

Ihr Büro hat sie schon ausgeräumt. Nur eine gerahmte Urkunde steht noch auf dem Fensterbrett. Ende des vergangenen Jahres ist Rubbel mit dem Gold-Award des Women-in-IT-Netzwerkes für das „Team Online-Rathaus“ ausgezeichnet worden. Bei dem Projekt arbeiten Nachwuchskräfte aus verschiedenen Bereichen gemeinsam an Themen wie Verwaltungsinnovationen. „Wenn wir modernisieren wollen, müssen wir junge Leute beteiligen.“

Verwaltungen müssen moderner werden. Nicht nur, weil Gesetze sie dazu verpflichten. Sie müssen es auch, weil sich Erwartungen der Menschen an sie als Dienstleisterin und Arbeitgeberin verändert haben. Die Pandemie hat diese Prozesse noch beschleunigt.

Als Monika Rubbel vor einigen Jahren ins Standesamt wechselte und dessen Leiterin wurde, sei das eine glückliche Fügung gewesen. Abseits politischer Interessen, in einem Bereich, dessen Medium und Werkzeug bis dato ausschließlich Papier war, habe es genügend Möglichkeiten gegeben zu testen, was Verwaltung kann: zuerst einmal ohne Papier auszukommen. Wiesbaden sei auch lange Zeit das einzige Standesamt gewesen, in dem Kinder vor der Geburt angemeldet werden konnten. Das spare den Eltern in der stressigen Zeit nach der Geburt viele Wege. Inzwischen nutzten 70 bis 80 Prozent der werdenden Eltern dieses Angebot.

Ein Projekt habe ihr besonders am Herzen gelegen. Als Register mit Hilfe eines neuartigen Verfahrens digitalisiert wurden, mussten Zehntausende Seiten überprüft werden. Aber wie? Monika Rubbel erinnerte sich an eine Dokumentation über einen Jungen mit Asperger-Syndrom, dessen außerordentliche Fähigkeiten, begann zu recherchieren und stieß auf die Firma Auticon in Frankfurt. Die internationale IT-Beratung beschäftigt ausschließlich Menschen im Autismus-Spektrum. Die Zusammenarbeit wurde zum Erfolg.

Monika Rubbels Ruhestand wird wohl kein Zustand der Ruhe werden. „Womöglich mache ich was Neues, aber nicht hier.“ In der Stadtverwaltung wird die Modernisierung indes weiter vorangetrieben. Da tue sich viel – angefangen beim Aufbau eines Innovationslabors bis zum Einsatz künstlicher Intelligenz. „Flexibilität und öffentlicher Dienst – vielleicht gibt es diese Konnotation irgendwann einmal“, sagt sie und lacht.

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