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Unerbittliche Sphinx

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Katsura Funakoshi vor einer Skizze der Sphinx.
Katsura Funakoshi vor einer Skizze der Sphinx. © Landesmuseum

Das zentrale Werk des japanischen Bildhauers Katsura Funakoshi ist im Landesmuseum zu sehen. Die Besucher erhalten dabei einen Eindruck von der Unerbittlichkeit der Sphinx.

Von Peter H. Eisenhuth

Lange hatte sie darauf warten müssen, an die Öffentlichkeit zu gelangen. 2005 vom Museum Wiesbaden erworben, lagerte die „Sphinx“ des japanischen Bildhauers Katsura Funakoshi acht Jahre im Depot, bis sie den ihr zugedachten Platz bei den Alten Meistern im Kirchensaal einnehmen konnte. Jetzt aber erhält „A Tale of the Sphinx“, wie die Skulptur mit vollem Namen heißt, eine eigene Ausstellung: Insgesamt sieben Werke und zehn Zeichnungen des Künstlers sind von diesem Freitag an bis zum 14. Februar kommenden Jahres zu sehen.

Die Sphinx stelle im Leben von Katsura Funakoshi ein ganz wesentliches Thema dar, erläutert Jörg Daur, der Kurator für moderne und zeitgenössische Kunst des Landesmuseums. Seit den frühen 2000er-Jahren befasse der Japaner sich in seinen Arbeiten ganz intensiv mit dieser Figur, „und die Ausstellung kreist tatsächlich um unsere Skulptur“.

Dabei geht es nicht um die antike Darstellung der Sphinx als Grabwächter, sondern um jene Sphinx, die in Novalis‘ frühromantischem Roman „Heinrich von Ofterdingen“ die Hürde auf dem Weg zum Erkenntnisgewinn bildet.

Augen aus Marmor

Wer hier den nächsten Raum betreten will, muss sich den Fragen der Sphinx stellen. Im Landesmuseum darf man zwar von Raum zu Raum schreiten, ohne schlaue Antworten parat haben zu müssen, gleichwohl erhalten die Besucher einen Eindruck von der Unerbittlichkeit der Sphinx.

„Dieses Novalis-Element nimmt Funakoshi auf“, erklärt Kuratorin Rebecca Krämer, „die Rolle der Sphinx als Befragende drückt er durch ihre Augen aus.“ Die sind aus Marmor gefertigt und nehmen keinen direkten Blickkontakt zum Betrachter auf, suchen aber doch einen Kontakt, sagt Jörg Daur.

Abgesehen von den Augen verwendet Funakoshi als Werkstoff ausschließlich wohlriechendes Kampferholz. Gerade bei der in Wiesbadener Besitz befindlichen Skulptur ist zu erkennen, wie der Bildhauer sich an der Skulptur abgearbeitet, wie er sich hochgearbeitet hat. Im unteren Bereich des Torsos hat er das Holz grob belassen, an den oberen Regionen hat er intensiver gewerkelt, Nase und Augen sind fein herausgebildet.

Die Anzahl der Exponate mutet bescheiden an, räumt Daur ein. „Aber die Figuren brauchen Raum, man muss sie atmen lassen“, sagt er. „Ich wüsste nicht, wo wir noch mehr unterbringen sollten.“ Zudem sei die Ausstellung in ihrem Ausdruck so heftig, dass er sich nicht vorstellen könne, 30 solcher Skulpturen zu sehen. „Man braucht Kraft, um ihr zu begegnen.“

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