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Umzug der Wiesbadener Horst-Schmidt-Kliniken im Herbst

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Von: Diana Unkart

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Julia Zimmer koordiniert den Umzug der Klinik. Im Hintergrund der Haupteingang des Neubaus. Müller
Julia Zimmer koordiniert den Umzug der Klinik. Im Hintergrund der Haupteingang des Neubaus. Müller © Monika Müller

An einem Wochenende werden bei laufendem Betrieb etwa 350 Patienten in den Neubau verlegt. Es geht um Menschenleben, da darf kein Fehler passieren. Projektmanagerin Julia Zimmer kümmert sich um den reibungslosen Ablauf.

Julia Zimmer ist entspannt. „Noch“, sagt sie lachend. Aber ihre Familie wisse schon, dass sie ab dem kommenden Sommer häufiger auf sie verzichten müsse. Dann beginnt die heiße Phase. Im Herbst 2023 werden die Helios Horst-Schmidt-Kliniken (HSK) an einem Wochenende bei laufendem Betrieb in den Klinikneubau nebenan ziehen. Julia Zimmer koordiniert den Umzug.

Die Aufgabe ist hochkomplex. Jedes Detail muss bedacht werden. Ab dem Zeitpunkt, an dem der erste Patient oder die erste Patientin in das neue Gebäude geschoben wird, muss alles reibungslos funktionieren. Es geht um die Gesundheit der Menschen, im Notfall um ihr Leben. Da bleibt keine Zeit für nachträgliche Korrekturen. Seit etwa eineinhalb Jahren bereitet die Projektmanagerin zusammen mit einem kleinen Team, dem Mitarbeiter:innen unterschiedlicher Bereiche angehören, den Umzug vor. Eine Blaupause dafür gibt es nicht. Zwar seien innerhalb des Helios-Konzerns zuletzt mehrere Kliniken in neue Gebäude gezogen, aber die Voraussetzungen seien nicht vergleichbar, sagt Julia Zimmer.

Deswegen gibt es für die Wiesbadener HSK mit ihren rund 950 Betten eigene Pläne. Danach ist der Umzug in drei Phasen gegliedert. Etwa zwei Monate bevor die Patientinnen und Patienten in die neue Klinik verlegt werden, beginnen die Mitarbeiter:innen-Schulungen und Einweisungen. Arbeitsabläufe oder die Bedienung neuer technischer Geräte müssen trainiert werden. Das neue Haus wird über ein Rohrpostsystem verfügen, über das unter anderem Blut- oder Gewebeproben zeitsparend transportiert werden können. So etwas gab es in der alten HSK nicht. Viele medizintechnische Geräte werden neu angeschafft und im Neubau in Betrieb gehen. Auch die Wege auf den Stationen werden sich verändern, denn mit dem Umzug geht eine Umstrukturierung einher. Weil Fachabteilungen zusammengelegt werden, werden die Stationen künftig größer sein und im Schnitt über 80 Betten verfügen.

Aber noch eilen Bauarbeiter durch die langen Flure. Wo Wände und Decken offen sind, bekommen Baustellenbesucher:innen einen Eindruck von der anspruchsvollen technischen Ausstattung des Gebäudes. Unzählige Kabel und Leitungen sind verbaut. Und alles muss tadellos funktionieren. Die technischen Anlagen werden in den kommenden Monaten geprüft und abgenommen.

Das Gesundheitsamt ist involviert, die Feuerwehr oder der TÜV. Einige Gebäudebereiche sind fast fertiggestellt, die Kreißsäle bereits in freundlichen, hellen Farben gestrichen. In manchen Patientenzimmern sind Schränke aufgebaut. Woanders ragt schon medizintechnisches Equipment von der Decke. Nach Angaben des Gesundheitskonzerns Helios wird die neue HSK eine der größten und modernsten Kliniken Hessens sein. Das siebengeschossige 200 Meter lange und etwa 100 Meter breite Gebäude mit einer Fläche von rund 98 000 Quadratmetern wird über insgesamt 3410 Räume für Patienten, Büros und Technik verfügen und Platz für knapp 1000 Betten bieten.

Die neue Klinik

Die Dr.-Horst-Schmidt-Kliniken (HSK) sind nach dem früheren hessischen Sozialminister Horst Schmidt benannt.

Das alte Gebäude wurde zwischen 1976 und 1982 errichtet. Es soll nach dem Umzug in den Neubau abgerissen werden.

Dieser Neubau entsteht seit 2016 auf dem Wiesbadener Freudenberg in unmittelbarer Nachbarschaft zum alten Gebäude. Der Helioskonzern hatte das einst städtische Krankenhaus 2014 von der Rhön-Klinikum AG gekauft. Die Stadt Wiesbaden hält 51 Prozent der Anteile an den HSK.

Bei dem Neubau handelt es sich um ein siebengeschossiges Gebäude mit vier Gebäuderiegeln und einer Bruttogeschossfläche von 98 000 Quadratmetern.

28 Fachkliniken werden nach der Fertigstellung im HSK-Neubau untergebracht sein.

Der Neubau wird über 22 OP-Säle, sechs Kreißsäle, einen Sectio-OP für Notkaiserschnitte, zwei Intensivstationen mit 72 Betten, mehrere Herzkatheter-Messplätze und vier dreistöckige Bettenhäuser mit rund 950 Betten verfügen.

Insgesamt sind im Neubau 3410 Räume untergebracht. Etwa 1500 PC-Arbeitsplätze werden eingerichtet.

Die Technik ist anspruchsvoll. Etwa 900 Kilometer Starkstromkabel und 850 Kilometer Datenkabel werden verlegt.

Die Baukosten belaufen sich nach Angaben von Helios auf etwa 268 Millionen Euro. Rund 200 Millionen Euro investiert Helios. Mit 68 Millionen fördert das Land Hessen den Klinikneubau in Wiesbaden. Zuletzt war über eine Erhöhung der Baukosten auf etwa 300 Millionen Euro spekuliert worden. diu

Vom nahenden Umzugstermin zeugt die enger werdende Taktung der Treffen. Julia Zimmers achtköpfiges Team kommt inzwischen wöchentlich zusammen. In allen Bereichen der Klinik sind Ansprechpartner:innen benannt. Auf der Baustelle geht es voran. „Im Moment läuft es gut“, sagt sie. Wegen der Coronakrise und Lieferengpässen beim Material hatte sich der ursprünglich für 2020 geplante Umzug verschoben.

Bevor in einem dritten Schritt die Patientinnen und Patienten in das neue Gebäude verlegt werden, ziehen zunächst Büros und Ambulanzen um. Dafür sind drei bis vier Wochen veranschlagt. Danach erfolgt an einem Wochenende der Umzug der Patienten.

Dafür wird es zwei besonders fein asphaltierte und witterungsgeschützte Transportwege geben – einen Hauptweg und einen parallel befahrbaren Notfallweg – über die die Patientinnen und Patienten in ihren Betten in das neue Gebäude geschoben werden. Geplant ist, zuerst die Patienten der Intensivstation zu verlegen. Jeder dieser schwerkranken Menschen wird dabei begleitet von einem Arzt beziehungsweise einer Ärztin, einer Pflegekraft und einer Person aus dem Logistikbereich. „Wir wollen die höchstmögliche Sicherheit.“ Diese Anforderung gelte für jede Phase des Umzugs und für jeden Bereich. Zuletzt wird die Zentrale Notaufnahme umziehen.

Damit am Umzugswochenende nicht zu viele Menschen in der Klinik sind, werden planbare Eingriffe verlegt und die OP-Kapazitäten kurz zuvor reduziert. Weihnachten biete dafür einen guten Anhaltspunkt, sagt Julia Zimmer. Vor den Feiertagen verfahre man ähnlich. Dann seien nur etwa 300 bis 350 Patienten in der Klinik. Diese Größenordnung wird für den Umzug angestrebt.

Einige Gebäude neueren Datums bleiben erhalten, darunter das Institut für Pathologie und Zytologie oder die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie. Das alte HSK-Gebäude soll später abgerissen, die Fläche zu einem Park werden.

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