wi-Stadtbild_011020
+
Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) appelliert an die Verantwortlichen der Landeshauptstadt, alles daran zu setzen, dass der Bürgerentscheid am 1. November zugunsten der Citybahn ausgeht.

Wiesbaden

Umwelthilfe droht Wiesbaden mit Fahrverboten

  • Madeleine Reckmann
    vonMadeleine Reckmann
    schließen

Ein Entscheid für die Citybahn könnte Einschränkungen für Autofahrer verhindern. Gelenkbusse sind wegen Lieferengpässen kein Ersatz für das Schienenprojekt.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) appelliert an die Verantwortlichen der Landeshauptstadt, alles daran zu setzen, dass der Bürgerentscheid am 1. November zugunsten der Citybahn ausgeht. Sollte die Straßenbahn nicht gebaut werden können, könnte dies drastische Einschnitte in den Autoverkehr und ein Dieselfahrverbot zur Folge haben.

Im Februar 2019 hatte Wiesbaden bundesweit für Furore gesorgt, weil die Stadt die erste war, die eine DUH-Klage für ein Dieselfahrverbot erfolgreich abwenden konnte. Nun liest der Umweltverein in einem Brandbrief an Wiesbadens OB Gert-Uwe Mende (SPD) der Stadt die Leviten. DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch kritisiert die verzögerte Umsetzung der versprochenen Maßnahmen zur Luftreinhaltung.

Anstatt der 56 Elektro-Busse, die für 2020 im Linienverkehr angekündigt waren, rollen nur zehn in den Straßen. Dass es bei der fristgerechten Auslieferung Probleme gebe, sei nicht Wiesbadens Verschulden. Die Hersteller könnten insbesondere die 18 Meter langen Gelenkbusse auch in Zukunft nicht ausreichend produzieren, sagte DUH-Projektleiter Robin Kulpa der FR.

Eine verspätete Inbetriebnahme würde aber die Luftqualität verschlechtern. Im September habe der Stickstoffdioxidwert an der Ringkirche wieder bei 44 und an der Schiersteiner Straße bei 42 Mikrogramm über dem Grenzwert gelegen. Umso unverständlicher sei es laut Kulpa, dass „einige Bedenkenträger in der Stadt“ bei den Maßnahmen zögerten, deren Umsetzung sie in der Hand hätten.

Gemeint sind die durchgehenden Umweltspuren auf dem ersten Ring für den Bus- und Radverkehr, die eigentlich bis Jahresende vollständig eingerichtet sein müssten. Noch fehle ein Viertel der Strecke.

Die Citybahn, die wegen des Bürgerentscheids nicht im gerichtlich festgelegten Maßnahmenpaket zur Luftreinhaltung enthalten war, sei eine einmalige Chance für eine bessere Luftqualität, schreibt Resch. Da emissionsfreie Busse wegen der Herstellerprobleme nicht als Ersatz taugten, sei die Straßenbahn als Rückgrat eines emissionsfreien öffentlichen Nahverkehrs die bessere Lösung. Mit ihr könne ein Dieselfahrverbot „auf absehbare Zeit“ verhindert werden.

Verkehrsdezernent Andreas Kowol (Grüne) räumt die Probleme mit den Bussen ein. Bis März wolle Mercedes-Benz aber zehn bis 20 Stück liefern. Und die Umweltspuren würden „fast bis Jahresende fertig“.

Die DUH gibt der Stadt bis 20. November Zeit zu erklären, wie sich die Luft in Wiesbaden künftig bessern könne. Sollten die Vorschläge aus Sicht der DUH nicht ausreichen, würden juristische Schritte ergriffen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare