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Mathias Lück (li.) und Martin Kraft von der BI vor einem Baum, der gefällt werden müsste – die Alleebäume dahinter bleiben stehen. 

Wiesbaden

Über tausend Bäume bleiben trotz Citybahn stehen

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Bürgerinitiative für das Schienenprojekt räumt mit Fake News auf. Nur wenige Fällungen entlang der Trasse notwendig.

Die beiden Platanen neben dem Fußgängerübergang an der Bushaltestelle Fischerstraße in der Biebricher Allee müssten gefällt werden, sollte die Citybahn gebaut werden. Auch die etwa zehn Bäume auf dem Mittelstreifen bis zum ersten Ring müssten weg. Mathias Lück von der Bürgerinitiative Pro Citybahn hat die Bäume an der geplanten Strecke dokumentiert und die aktuellen Entwurfspläne zum Streckenverlauf der Citybahn mit seinem Baumkataster verglichen.

Lück kommt zu einem erfreulichen Ergebnis: „Von den 436 Bäumen in der Biebricher Allee etwa müssten nach derzeitigem Entwurfsstand nur 42 fallen“, sagt er. Die Linden auf beiden Seiten der Allee dürften bis an den Herzogsplatz am anderen Ende stehen bleiben. „Bäume sind ein emotionales Thema. Wir versuchen, mehr Sachlichkeit in die Debatte zu bekommen“, sagt Vorstandsmitglied Lück. In Wiesbaden laufen Politik und Stadtgesellschaft zum Thema Citybahn gerne heiß. Es gibt einen Akteneinsichtsausschuss, der sich mit der Auftragsvergabe zu Machbarkeitsstudien und Kommunikation befasst; zwei Bürgerinitiativen gegen die Citybahn, Rücktrittsforderungen an den Geschäftsführer der Citybahn-Gesellschaft Hermann Zemlin und ein Gerichtsverfahren für ein Bürgerbegehren gegen die Citybahn, obwohl das Parlament versprochen hatte, die Bürger im Frühsommer abstimmen zulassen. Die Pläne, von Mainz nach Wiesbaden und später nach Bad Schwalbach eine Straßenbahn zu bauen, mögen in anderen Städten pragmatisch diskutiert werden; in der Landeshauptstadt liefern sie Sprengstoff. „Das Thema ist toxisch aufgeladen“, sagt BI-Vorsitzender Martin Kraft. Bürger, die Verbesserungsvorschläge zum Streckenverlauf machten, würden Opfer gezielter Kampagnen der Gegner. Auch ihm werde vorgeworfen, er sei von der Stadt und der Verkehrsgesellschaft Eswe gekauft. „Das ist absurd“, sagt er.

Die Citybahn
Die Citybahn ist eine Straßenbahn, die von Mainz über Wiesbaden nach Bad Schwalbach führen soll. Der genaue Streckenverlauf steht noch nicht fest.

Hinter dem Projekt stehen die Gesellschaften Mainzer Mobilität, Eswe Verkehr, die Rheingau-Taunus-Verkehrsgesellschaft und der Rhein-Main-Verkehrsverbund.

Das Projekt steckt derzeit in der Entwurfs- und Genehmigungsplanung. Im Winter 2021 soll das Genehmigungsverfahren beginnen. Die Bauarbeiten könnten 2023 starten. Im Rheingau Taunus-Kreis wird die Vorplanung zum Jahresende abgeschlossen. In Mainz ist die Vorplanung technisch abgeschlossen.

Die BI Pro Citybahn möchte sich von Anfeindungen und falschen Behauptungen nicht kirre machen lassen. Ihr Ziel ist es, mit einer neuen Verkehrsinfrastruktur eine gesündere und lebenswertere Stadt zu schaffen. Die Citybahn soll das Rückgrat des öffentlichen Nahverkehrs bilden. Die Teilnehmer sammeln technische Informationen und klären Schritt für Schritt über das Projekt auf. „Es sind viele Fake News im Raum“, sagt Kraft. Gegner der Citybahn hatten anfangs behauptet, dass an der Biebricher Allee alle Bäume fallen und insgesamt Zehntausende der Bahn zum Opfer fallen müssten. „Das hat sich in den Köpfen festgefressen“, sagt Kraft. Die Wahrheit ist eine andere. Lück hat herausgefunden, dass entlang der gesamten Wiesbadener Strecke eine vierstellige Zahl an Bäumen stehen bleiben dürfe und nur eine kleine Zahl fallen müsste. „Es geht uns nicht um die exakte Zahl der Fällungen“, sagt Lück, „sondern darum, die Schwerpunkte zu benennen.“ Von den 178 Bäumen in der Rheinstraße stünden etwa nur sechs der Citybahn im Weg. Lediglich in der Klarenthaler Straße müssten alle Bäume weg, würden dort aber neu gepflanzt. In den anderen Straßen treffe es nur vereinzelte Bäume.

Mehr Platz auf den Straßen

Die Aufklärungsarbeit trägt laut Kraft erste Früchte. 2018 wies die BI nach, dass die Herstellerangaben zur Fahrgastzahl in Bussen nicht stimmen. Sie lud zum Versuch ein, diese hohe Zahl an Menschen in einen Bus zu stopfen – was nicht funktionierte. Die Citybahngegner hatten aufgrund der Herstellerangaben behauptet, dass anstatt der Straßenbahn auch Busse das gewachsene Fahrgastaufkommen bewältigen könne, was somit widerlegt war. „Die Gegner der Citybahn spielen das Thema jetzt nicht mehr“, sagt Kraft.

Der BI geht es nicht nur um die Citybahn. „Wir wollen den Straßenraum neu aufteilen“, sagt Lück. Die Bauarbeiten für die Bahn sollten als Chance begriffen werden. Wenn der Untergrund schon aufgebaggert werden müsse, sollte dies genutzt werden, um die Leitungen im Boden so zu verlegen, dass mehr Bäume gepflanzt werden könnten und Fahrradfahrer und Fußgänger mehr Platz erhielten.

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