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Störche

Treu für einen Sommer

Störche kommen aus dem Winterquartier zurück nach Schierstein / 1000. Jungtier erwartet

Von Fabian Siegel

Ein bisschen kalt ist es noch um die nackten Beine. Denn einrichten konnte sich das junge Paar in seiner neuen Bleibe noch nicht. Gerade erst sind die beiden in Wiesbaden angekommen. Aus Afrika. Vielleicht aber auch aus Spanien oder Portugal. Noch sitzen sie nur so auf dem Pfosten auf dem Schiersteiner Wasserwerksgelände rum – doch schon bald werden die Störche damit beginnen, Äste für ein Nest zu sammeln, Eier zu legen und Kinder großzuziehen.

„In etwa zwei Wochen wird da oben schon ein beachtliches Nest sein“, sagt Hubertus Krahner, Vorsitzender der Schiersteiner Storchengemeinschaft. Wie die beiden Neuankömmlinge machen es über 50 Tiere pro Jahr. „Bis jetzt sind 23 Paare aus ihrem Winterquartier zurückgekehrt, 18 Tiere haben sogar den Winter hier verbracht.“

Die anderen haben tausende von Flugkilometern zurückgelegt. Sie kommen aus Mauretanien, Marokko, Portugal oder Südfrankreich. „Einer fliegt sogar Jahr für Jahr die Ostroute nach Israel“, sagt Krahner. Die Storchengemeinschaft kann das anhand von Erkennungsringen verfolgen, die am Bein der Störche angebracht werden. Storchenfreunde und Behörden in anderen Ländern lesen diese ab und melden den Aufenthaltsort an die staatliche Vogelschutzwarte in Frankfurt.

Störche sind ortsverbunden

Doch egal, wo die Störche ihren Winter auch verbringen, nach Schierstein kommen sie offenbar alle gerne zurück. „Wir haben Tiere, die Jahr für Jahr zu uns zurückkommen“, sagt Krahner. Nicht immer zum gleichen Nest – der Einfachheit halber werde auch einfach mal die Bleibe eines Vorgängers ausgebaut. Und auch nicht mit dem gleichen Partner – denn für ihren aktuellen Partner würden die Störche zwar buchstäblich um die halbe Welt fliegen, von langer Dauer sei die Beziehung aber nie. „Störche sind treu für einen Sommer“, erklärt Hubertus Krahner.

Haben sich Männchen und Weibchen gefunden, legen sie oftmals viele tausend Flugkilometer gemeinsam zurück, bauen zu zweit ihr Nest und ziehen die Jungen groß. Im nächsten Jahr wird ein neuer Partner gesucht.

1972 hat die Storchengemeinschaft angefangen, den Storch wieder in Schierstein anzusiedeln. „Damals gab es hier keinen einzigen mehr“, sagt Krahner. Mit Unterstützung des Wasserwerks, auf dessen Gelände die Vogelfreunde ihrem Hobby nachgehen dürfen, stellte der Verein mehrere Pfosten auf, auf denen die Störche ihre Nester bauen konnten. „So kamen im Laufe der Jahre immer mehr.“ Inzwischen sind die bis zu einem Zentner schweren Nester überall: Auf Bäumen, Schornsteinen – sogar auf einem der Werksgebäude sollen sich schon einmal Jungvögel eingenistet haben.

Bislang alles friedlich

In ihren Nestern werden die Vögel in Ruhe gelassen. Aktiv in die Brut eingreifen will die Storchengemeinschaft nicht – nur verletzte Tiere pflegen die Vogelfreunde wieder gesund. „Ansonsten lassen wir der Natur ihren Lauf“, sagt Krahner. Mit Erfolg: In diesem Jahr erwartet der Verein den tausendsten in Schierstein geborenen Jungstorch.

Trotz geschütztem Gebiet und ruhiger Lage: Auch in Schierstein ist das Storchenleben nicht immer ein Zuckerschlecken. Gerade in trockenen Jahren überstünden viele ihre ersten Lebensmonate nicht. „Wenn es wie im zurückliegenden Sommer sehr trocken ist, finden die Tiere einfach zu wenig Nahrung.“ Auch bei den Kämpfen um Nistplätze gehe es nicht immer glimpflich zu. „Im vergangenen Jahr ist ein Storch bei einem solchen Kampf sogar abgestürzt und umgekommen“, berichtet der Storchenkenner.

Gerade landet eine neue Gruppe Störche auf einer der grünen Wiesen. Krahner blickt durch sein Fernglas. Das Gefieder der Störche ist dreckig, ein Zeichen, dass die Tiere noch unterwegs sind. „Wohl auf der Durchreise“, schätzt er. Nicht jeder Storch weiß offenbar das Schiersteiner Vogelparadies zu schätzen.

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