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Trend zum fertigen Haus

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Architekt Gerhard Heidacker spricht im FR-Interview über die veränderten Wünsche von Bauherren und seine Beiträge zum Tag der Architektur am Wochenende.

Herr Heidacker, Sie sind mit zwei Objekten beim "Tag der Architektur" vertreten, darunter eine Mehrfamilienvilla in Wiesbaden. Beim Stichwort Architektur denken viele Menschen an Sportstadien, Kongresscenter und eben solche Häuser für Reiche. Können sich also nur Wohlhabende einen Architekten leisten?

Grundsätzlich muss jedes Gebäude geplant werden - ob Villa oder Reihenhaus. Auch Standardreihenhäuser werden von einem Architekten entworfen, dann aber mehrfach dupliziert. Ein Häusertyp ist so immer wieder zu finden, in Neubausiedlungen lässt sich das oft beobachten. Dass jemand individuell für sich planen und bauen lässt, kommt wirklich immer seltener vor.

Weil es zu teuer ist?

Eine individuelle Planung kostet Zeit und Geld. Also entscheiden sich viele Käufer für ein fertiges Reihenhaus. Das steht schon da. Das Prinzip ist wie beim Autokauf: Man geht zum Händler, wählt aus, zahlt und fertig. Bei einem individuellen Haus kann es zu Verzögerungen kommen, etwa wegen des Wetters. Auch die Kosten können nach den Handwerker-Ausschreibungen je nach Konjunktur teurer werden als ursprünglich erwartet. Der wahre Preis zeigt sich erst dann. Und heute arbeiten viele Bauherren aus Zeitgründen kaum noch selbst mit, können also nur wenig Geld sparen.

Bedauern sie diese Entwicklung?

Sicherlich ist es für einen Architekten schade, dass er nicht mehr oft die Gelegenheit hat, individuelle Wohnhäuser zu entwerfen. Aber diese Arbeit ist auch sehr aufwendig und wenig lukrativ. Ein Architektenbüro könnte von Einfamilienhäusern allein nicht leben.

Also hat sich das Berufsbild des Architekten gewandelt?

Ja. Der Trend geht seit Jahren eindeutig in Richtung gewerbliche Architektur, eben zur Planung von Kongresscentern, Schulen und anderen öffentlichen Gebäuden. Auch Planungen für Umbauten und Restaurierungen nehmen zu. Schließlich ist in den Städten inzwischen so gut wie alles zugebaut, es gibt kaum noch Freiflächen, auf denen Neues entstehen kann.

Was erhoffen Sie sich vom Tag der Architektur?

Wir wollen damit das Bewusstsein der Allgemeinheit für Architektur wecken. Schließlich gestalten und prägen wir mit unserer Arbeit die Umwelt jedes Einzelnen. Natürlich hat der Tag auch einen Werbeeffekt für uns Architekten. Wir präsentieren uns so der Öffentlichkeit. Und die wiederum hat die Möglichkeit, einmal in Objekte hineinzuschauen, in die sie sonst nie einen Blick werfen könnte.

Interview: Sonja Jordans

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