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Touristikbahn droht Pleite

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Was nützen die schönsten und gepflegtesten Museumszüge, wenn sie nicht mehr dampfen und schnaufen können, um damit dann Geld in leere Vereinskassen einzufahren? Die Loks und Wagen der nassauischen Touristikbahn (NTB) könnten das zwar, stehen aber still, weil eine beschädigte Eisenbahnbrücke über die Flachstraße in Dotzheim nicht wieder hergestellt wird. Der Brückenbau verzögert sich jetzt erneut bis in den Sommer 2012.
Was nützen die schönsten und gepflegtesten Museumszüge, wenn sie nicht mehr dampfen und schnaufen können, um damit dann Geld in leere Vereinskassen einzufahren? Die Loks und Wagen der nassauischen Touristikbahn (NTB) könnten das zwar, stehen aber still, weil eine beschädigte Eisenbahnbrücke über die Flachstraße in Dotzheim nicht wieder hergestellt wird. Der Brückenbau verzögert sich jetzt erneut bis in den Sommer 2012. © Michael Schick

Die Verschiebung des Brückenbaus in Wiesbaden-Dotzheim ins Jahr 2012 wirft den Eisenbahner-Verein der NTB aus den Finanz-Gleisen. Der Notruf hat die SPD im Stadtparlament aufgerüttelt.

Von Michael Grabenströer

Was nützen die schönsten und gepflegtesten Museumszüge, wenn sie nicht mehr dampfen und schnaufen können, um damit dann Geld in leere Vereinskassen einzufahren? Die Loks und Wagen der nassauischen Touristikbahn (NTB) könnten das zwar, stehen aber still, weil eine beschädigte Eisenbahnbrücke über die Flachstraße in Dotzheim nicht wieder hergestellt wird. Der Brückenbau verzögert sich jetzt erneut bis in den Sommer 2012.

"Die vorerst letzte Ansage! Das ist für uns der Weg in den Ruin", stellt Marcus Giebeler vom Vorstand des Vereins Nassauische Touristik Bahn fest.

Ein Notruf, der auch die SPD im Stadtparlament aufgerüttelt hat. "Wir sind geschockt, dass die Brücke über die Flachstraße nun nicht vor 2012 gebaut wird", meldete sich der verkehrspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Dennis Volk-Borowski, zu Wort und zieht die Schlußfolgerung: "Das bedeutet, dass die Nassauische Touristikbahn einpacken kann, wenn die Stadt nicht in die Bresche springt". Volk-Borowski wirft der Stadt vor, "ihre Zusage zum Brückenbau nicht eingehalten" zu haben und schlägt vor, die Strecke Aartalbahn möglichst schnell in den Besitz einer gemeinsamen Gesellschaft von Wiesbaden und dem Rheingau-Taunus-Kreis zu überführen, um sie zunächst der touristischen Nutzung zu übergeben.

Wiesbadens Oberbürgermeister Helmut Müller(CDU) hatte im Mai nach einem Treffen mit Vertretern der Deutschen Bahn verkündet: "Die Eisenbahnbrücke der Aartalbahn über die Flachstraße in Dotzheim kann neu gebaut werden."

Müller schilderte ein kompliziertes Vertragswerk: Gestattungsvertrag der Deutschen Bahn mit der Eswe-Verkehrsgesellschaft, Bau der Brücke durch Eswe-Verkehr auf dem Grundstück der DB Netz AG. Die Brücke bliebe im Eigentum der Eswe-Verkehr. Über den Baubeginn machte Müller keine Angaben. "Schnellstmöglich" hieß es dazu nur in seiner Erklärung.

Der nun von der Eswe-Verkehr genannte Termin im Jahre 2012 lässt die NTB-Aktiven bangen, grausen und zittern. Der neue Termin bringt den Verein in arge Bedrängnis, heißt es in einer Erklärung des Vereins. Schon 2005 habe er nach dem Unfall eines Lastwagens mit der Brücke anderthalb Jahre auf Einnahmen verzichten müssen. Nun wiederholte sich der Schaden im November 2009 mit einem erneuten Lastwagenunfall, der die Standsicherheit der Brücke wanken ließ.

Nun wackelt auch die schon ausgezehrte finanzielle Basis des Vereins bedenklich. Vorstandsmitglied Giebeler zur FR: Wenn wir keine "finanzielle Unterstütztung von privater oder öffentlicher Hand erhalten, bleibt uns nur noch der Gang zum Insolvenzrichter." Will heißen: Wenn die Züge nicht bald wieder dampfen, steht der Verein vor der Pleite. Und das fahrende Material wäre das letzte einzusetzende Kapital.

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