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Tohuwabohu um Maiswaffeln

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Von: Christina Franzisket

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Bei der Probe des neuen Stücks „Maiswaffelgeschichten“ gab es ein lustiges Knäuel aus Schauspielern zu sehen.
Bei der Probe des neuen Stücks „Maiswaffelgeschichten“ gab es ein lustiges Knäuel aus Schauspielern zu sehen. © Michael Schick

Das Handicap-Theater „Franz“ feiert Premiere seiner zehnten Produktion im Thalhaus. Das Stück „Maiswaffelgeschichten“ ist ein Mix aus verschiedenen Geschichten, in denen Frauen vom Himmel fallen, Simon und Klara zusammenziehen und die Milch umfällt.

Vor der Leinwand mit dem großen Rhinozeros hocken drei Hofdiener des Königs. Genüsslich beißen sie in ihre Reiswaffeln und knuspern. „José, du musst auch in deinem Buch lesen“, ruft Regisseur Armin Nufer in die Probe hinein. José, einer der 14 Schauspieler bei „Franz das Theater“, öffnet eine grüne Brotdose und holt ein Büchlein heraus. „Und jetzt Stellungswechsel“, schreit Regisseur Nufer, der gleichzeitig auch Schauspieler ist.

Mit einem Buch in der Hand wirft sich Nufer auf den Boden und José springt auf Nufer oben drauf, drei weitere Schauspieler tun das gleiche. Ein Knäuel aus kostümierten Schauspielern wälzt sich auf dem Boden, Armin Nufer ächzt unter der Last und lacht.

Die Probe der Theatergruppe, in der alle Mitwirkenden ein Handicap haben, ist ein wahres Tohuwabohu. Genauso wie das neue Stück, das die Gruppe gerade einstudiert. „Maiswaffelgeschichten“ heißt es und es feiert schon am morgigen Freitag, 16. Januar, im ausverkauften thalhaus Premiere. Das Theater der Lebenshilfe Wiesbaden präsentiert mit „Maiswaffelgeschichten“ bereits seine zehnte Produktion. „Ein Jahr ein Stück“, fasst Nufer, der das Theater von Beginn an leitet, zusammen.

Ein Jahr lang probt die Gruppe nun auch schon an der neuen Produktion. Einmal die Woche treffen sich die Schauspieler normalerweise, aber jetzt, kurz vor der Premiere, üben sie seit zwei Wochen jeden Tag. „Ganz schön anstrengend“, sagt Andreas Torke, der nochmal seinen gesamten Text herunter betet, um ihn sich besser einprägen zu können.

Die meisten Schauspieler sind schon seit Jahren im Ensemble und kennen sich sehr gut. Deshalb kommt Schauspielerin Hanna Bienefeld beim Szenenwechsel auch sofort an und nimmt Andreas Torke, der nicht sehen kann, bei der Hand, um ihn zu führen.

Hanna Bienefeld ist Meisterin im Auswendiglernen von Texten. Wo sie hinschauen soll, wenn sie ihren Monolog hält, muss Nufer ihr aber noch ab und zu sagen. „Zum Publikum“, ruft er ihr zu. Die 19-Jährige dreht sich zu den leeren Stuhlreihen. Sie spielt eine Hofdienerin und trägt ein purpurnes Gewand. „Sie Lügner, Sie Schwindler“, ruft sie laut. Dann betritt der Hofnarr, gespielt von Willy Smith, die Bühne. Er trägt einen Reim vor und hat seine Aufgabe, gruselig zu lachen, perfektioniert.

„Die Rollen hat Armin, unser Chef, verteilt“, sagt Schauspieler Michael Wendt. Nufer hat offenbar ein Händchen dafür, seinen Schützlingen passende Rollen zu geben. Je nach Fähigkeiten und Vorlieben verteilt er sie. Bei den Proben ist der Regisseur geduldig, mal laufe es gut, mal weniger, sagt er.

Hanna Bienefeld hat schon oft als Schauspielerin auf der Theaterbühne gestanden, „es macht einfach Spaß“, sagt sie. Das besondere sei das „Kribbeln im Bauch“, wenn sie vor Publikum spiele. Lampenfieber habe keiner beim Theater Franz, da sind sich alle einig. „Es macht einfach Spaß“, sagt Michael Wendt und alle anderen jubeln.

Das Stück Maiswaffelgeschichten ist ein Mix aus verschiedenen Geschichten, in denen Frauen vom Himmel fallen, Simon und Klara zusammenziehen und die Milch umfällt. Außerdem geht das Ensemble wagemutigen Fragen auf den Grund. Etwa ob Amerika wirklich entdeckt wurde. Das neue Stück verspricht, wie das Ensemble selbst, ein kunterbuntes, unterhaltsames und fröhliches Chaos zu werden.

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