1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Wiesbaden

Tierquälerei im Weihnachtscircus?

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Christina Franzisket

Kommentare

Viele Länder verbieten die Haltung von Tigern im Zirkus.
Viele Länder verbieten die Haltung von Tigern im Zirkus. © REUTERS

Hat die Stadt Wiesbaden eine „tierschutzwidrige Veranstaltung“ zugelassen? Werden die Tiger im Weihnachtzirkus, der derzeit in Wiesbaden gastiert, gequält? Die Tierschutzorganisation Peta rügt die Stadt.

Auf dem Gibber Kerbeplatz in Biebrich gibt es dieser Tage echte Tiger zu sehen. Seit dem Freitag gastiert dort wieder einmal der Weihnachtscircus, was für Kritik sorgt. Die Tierschutzorganisation Peta fordert die Stadt auf, ein Wildtierverbot zu erlassen.

Mit dabei ist Christian Walliser, nach Angaben des Veranstalters „Deutschlands bekanntester Raubtier-Dompteur, Star-Trainer und Raubtierflüsterer“ mit seinen neun Tigern und fünf Löwen. Für die Nummer mit den Raubtieren wird in der Manege ein Käfig aufgebaut. Darin sitzen dann die majestätischen Tiere auf silbernen Podesten und machen Männchen, wenn Herrchen mit der Peitsche knallt.

Der Käfig ist nötig zum Schutz der Zuschauer vor den Raubkatzen. Dass ein Prankenhieb oder ein Biss dieser Tiere lebensbedrohlich sein kann, hat Christian Walliser bereits am eignenen Leib erfahren. Als er 2009 während einer Show in Hamburg bei seiner Nummer mit seinen Tigern stolperte, griffen ihn die Tiere an und verletzten ihn so schwer, dass er an seinen Verletzungen beinahe gestorben wäre.

Nun ist er mit seinen Tieren in Wiesbaden zu Gast, was die Tierschutzorganisation Peta dazu veranlasst, die Stadt scharf zu kritisieren. Die Wiesbadener Stadtverwaltung habe eine „tierschutzwidrige Veranstaltung“ zugelassen, heißt es in einer Mitteilung von Peta an die Presse. „Zirkusvorstellungen mit Tieren sind immer mit kläglicher Tierhaltung verbunden“, sagt Peter Höffken, Fachreferent für Wildtiere im Zirkus bei Peta. Aus diesem Grund hätten bereits Länder wie Österreich, Belgien, Mexiko und jüngst auch die Niederlande die Haltung von Wildtieren im Zirkus verboten. „Aber auch in Deutschland lehnen viele Städte Tiere im Zirkus ab“, sagt Höffken. Dazu gehörten etwa Heidelberg, Köln oder Hofheim am Taunus.

Vorwurf: Oft helfen nur Schläge

Höffken erklärt, dass besonders Wildtiere unter der Haltung in einem Zirkus litten. „Sie haben ein ausgeprägtes Instinktverhalten und besondere Ansprüche, auch wenn sie in Gefangenschaft aufgewachsen sind.“ Tierschutzgesetz und Richtlinien des Bundeslandwirtschaftsministeriums lassen bislang eine zumindest fragwürdige Haltung von Tieren im Zirkus zu.

Demnach müssen zwei Tiger in einem Käfig von wenigstens zwölf Quadratmetern gehalten werden und einen täglichen Auslauf von vier Stunden in einem Gehege mit wenigstens 50 Quadratmetern bekommen. Rechtlich eingegriffen werden darf erst, wenn die Wildtierhaltung nachweislich „unter erheblichen Schmerzen, Leiden oder Schäden“ erfolgt. „Zwei Tiger in einen Käfigwagen mit zwölf Quadratmetern zu sperren ist Tierquälerei“, sagt Höffken.

Quälerei sei nicht nur die Haltung, sondern auch das Training und die Vorstellung in der Manege. „Das Training läuft oft brutal ab“, sagt Höffken. Die Tiere ließen sich einen Willen nicht aufzwingen. „Hinter den Kulissen wird oft zugeschlagen“, sagt der Tierschützer. Aus diesen Gründen fordert die Tierschutzorganisation Wiesbaden auf, ein kommunales Wildtierverbot für Zirkusbetriebe zu erlassen. „Die Tiere bezahlen einen hohen Preis für das zweifelhafte Vergnügen der Zirkusbesucher“, mahnt Höffken. Neben Peta sprechen sich auch die Bundestierärztekammer und der Bundesrat für ein Verbot von Wildtieren, wie Elefanten, Affen oder Tiger im Zirkus aus.

Auf Anfrage bei der Stadt, teilte das Veterinäramt mit, dass eine Besichtigung des Zirkus‘ durch Fachleute des Amts stattgefunden habe. „Zum Zeitpunkt der Kontrolle wurden keine Beanstandungen festgestellt, die zu einer Untersagung der Zurschaustellung führen“, heißt es in einem Schreiben. Weitere Auskünfte, etwa wie groß die Käfige und Auslaufgehege der Tiere tatsächlich sind, wurden nicht erteilt.

Auf die Frage, ob es moralisch zu vertreten sei, einen Zirkus mit Wildtieren in Wiesbaden zu zulassen, wollte das Veterinäramt sich nicht äußern. „Für eine Beantwortung moralischer Fragen sind die Stadtverordneten zuständig, für die Zulassung des Zirkus‘ das Ordnungsamt“, hieß es. Das Dezernat von Ordnungsdezernent Oliver Franz (CDU) war am Freitag bis Redaktionsschluss nicht zu erreichen.

Auch interessant

Kommentare