Bald auch in Wiesbaden: Um Blacky trauern können.
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Bald auch in Wiesbaden: Um Blacky trauern können.

Tote Tiere

Tierfriedhof öffnet erst später

  • Ute Fiedler
    vonUte Fiedler
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1. November war Termin, jetzt müssen all die, die ihren "besten Freund", das Haustier, zur letzte Ruhe betten wollen, doch noch etwas länger warten. Das Areal für Wiesbadens Tierfriedhof in der Nähe des Krematoriums braucht noch eine neue Zufahrt.

1. November war Termin, jetzt müssen all die, die ihren "besten Freund", das Haustier, zur letzte Ruhe betten wollen, doch noch etwas länger warten. Das Areal für Wiesbadens Tierfriedhof in der Nähe des Krematoriums braucht noch eine neue Zufahrt.

"Die Eröffnung am ersten November ist geplatzt“, sagt Henriette Hackl, Vorsitzende des Wiesbadener Tierschutzvereins. „Ganz so schlimm wie der Berliner Flughafen wird es nicht. Und teurer als erwartet auch nicht. Nur der Termin verschiebt sich eben um ein paar Monate.“

Hackl spricht über das Projekt, das sie seit gut einem Jahr beschäftigt: In Eigenregie will der Verein einen Tierfriedhof auf den Feldern hinter dem Krematorium einrichten. Doch da die Tierschützer zwar bei Vierbeinern und Co. Experten, bei Bauvorhaben jedoch Laien sind, wird es nun nichts mit der Eröffnung am 1. November 2012.

Das Projekt ist ehrgeizig: Auf 4000 Quadratmetern Fläche sollen Fifi, Minka und Co. ihre letzte Ruhe finden. Nur größere Nutztiere wie Pferde oder Kühe werden dort nicht bestattet – „wir müssen uns an das Seuchenschutzgesetz halten“, sagt Henriette Hackl.

Viele Urnengräber

Geplant sind rund 2400 Gräber, darunter viele Urnengräber. Denn auch auf Tierfriedhöfen hat sich die Bestattungskultur verändert. „Viele wollen ihre Tiere verbrennen lassen. Das ist eine saubere Lösung und das Grab ist nicht mehr so groß“, sagt Hackl. Der Tierbesitzer spart Kosten und Zeit, weil er die Ruhestätte nicht aufwendig pflegen muss.

Einen Kooperationspartner hat der Verein nach eigenen Angaben auch bereits gefunden. Ein Wiesbadener Tierbestatter wird die Tiere abholen, vorbereiten und dann ins Tierkrematorium nach Wesel fahren. „Eines in der Nähe gibt es leider nicht“, sagt Hackl.

Frankfurt als Vorbild

Die Preise pro Grab stehen noch nicht fest. Doch der Verein orientiert sich am Modell des Frankfurter Friedhofs. Auch dieser wird vom Tierschutzverein betrieben. „Der in Mainz ebenfalls“, erklärt Hackl, „doch um sein Tier dort beerdigen lassen zu können, muss man Mitglied im Verein sein. Das ist bei uns nicht der Fall.“

Tierbesitzer werden in Wiesbaden voraussichtlich zwischen 230 und 330 Euro pro Grab zahlen müssen. „Urnengräber kosten vermutlich 230. Eine anonyme Beisetzung eines kremierten Tieres zwischen 60 und 120 Euro“, sagt Hackl. Gepachtet werden muss die Fläche mindestens für drei Jahre. Mietet jemand das Grab länger, dann werde es günstiger.

Gutes Geld könnte der Verein mit dem Platz der letzten Ruhe verdienen und dennoch will er den Tierbesitzern, die um ihren geliebten Mitbewohner trauern, nicht das Geld aus der Tasche ziehen. „Es gibt einen Markt und wenn man das professionell aufzieht, könnte man schon gut Geld machen“, sagt die Vorsitzende des Tierschutzvereins.

Geld fürs Tierheim

Die Stadt hatte das Angebot eines privaten Investoren vorliegen. Aber nachdem der Tierschutzverein sich bereiterklärt hatte, den Friedhof zu betreiben, sagte sie dem Investor ab. „Das ist auch vernünftig, sonst müssen Tierbesitzer viel mehr Geld bezahlen.“

Was eingenommen wird, soll dem Tierheim zugutekommen – und der Finanzierung des Projektes. Henriette Hackl rechnet mit Ausgaben von mindestens 70000 Euro, die der Verein aus eigener Tasche bezahlt.

"Wir sind Laien"

Aber warum ist der Eröffnungstermin am 1. November denn nun geplatzt? „Weil wir Laien sind und nicht wussten, was alles bei einem solchen Vorhaben berücksichtigt werden muss“. erklärt Hackl. Und weil der Teufel oft im Detail stecke. In diesem Fall im Boden des zukünftigen Tierfriedhofareals. Denn dort liegen Versorgungsleitungen, die jederzeit zugänglich sein müssen, so dass der Architekt umplanen musste. Der betonierte Feldweg, der eigentlich als Zufahrt gedacht war, darf nicht benutzt werden, ein neuer Anfahrtsweg muss her.

Henriette Hackl nimmt es mit Humor, schließlich brauche gut Ding eben Weile. „Ich habe während dieser Zeit viel dazugelernt“, sagt sie und lacht. Sie sei guter Dinge, dass es demnächst ein großes Stück vorangehe. Nur wann, das verrät sie nicht. „Den Fehler, einen Termin zu nennen, mache ich nicht noch einmal. Man weiß ja nie, was noch alles passieren wird.“

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