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Tempo 30 für mehr Nachtruhe

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Von: Arne Löffel

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Eine maximal erlaubte Geschwindigkeit von 30 Stundenkilometern soll Anwohnern nachts mehr Ruhe bringen. Die Stadtverwaltung will 22 Straßen beim Regierungspräsidium anmelden.

Anwohnerinnen und Anwohner besonders stark befahrener Straßen können schon bald auf Erleichterung hoffen: Zumindest nachts, also von 22 bis 6 Uhr, will die Stadtverwaltung Wiesbaden auf insgesamt 22 Straßen eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 30 Kilometern pro Stunde einführen, um die Lärmbelastung der Anwohner zu reduzieren. „Das entspricht in der Lärmreduktion einer Abnahme des gesamten Verkehrsaufkommens um 50 Prozent“, erklärt Christiane Döll. Leiterin de Fachbereichs Luft und Lärm beim Umweltamt der Stadt Wiesbaden, bei einer Pressekonferenz im Rathaus.

Das Umweltamt habe sich die Straßen nach zwei Faktoren ausgesucht: Die Straßen müssen stark befahren sein und es muss eine relevante Anzahl an direkten Anwohnern geben. „Wie laut eine Straße ist, hängt auch vom Verkehrsaufkommen und der Zusammensetzung zwischen Lastwagen, Bussen und Autos ab, aber die gefahrene Geschwindigkeit ist ein wichtiger Faktor dabei“, so Döll.

Die Stadt habe in einem ersten Schritt zehn Straßen beim Regierungspräsidium (RP) zur Überprüfung angemeldet. „Diese Straßen sind bereits im Lärmminderungsplan der Stadt enthalten und die Obere Straßenverkehrsbehörde beim RP prüft gerade, ob wir hier Tempo 30 in der Nacht einführen können“, berichtet Umweltdezernent Arno Goßmann (SPD). Die bereits gemeldeten Straßen (siehe Infokasten) befinden sich hauptsächlich im Stadtteil Biebrich.

Weitere zwölf Straßen, vornehmlich in der Innenstadt und den Vororten Amöneburg, Kastel und Kostheim, seien in der Abstimmung bei den Ortsbeiräten. „Bisher hat sich aber kein Ortsbeirat ablehnend geäußert oder aus seinem Kreis bereits Ablehnung signalisiert“, so Goßmann. Sollte ein Ortsbeirat eine Straße ablehnen, so werde diese im nächsten Schritt auch nicht beim RP zur Überprüfung vorgelegt. Bis Herbst, so hofft Goßmann, könnten die ersten Tempo-30-Schilder angebracht werden. Insbesondere im Sommer, wenn man gern mit geöffneten Fenstern schläft, könnte die Neuregelung Linderung verschaffen. Wichtig sei, dass der Verkehr auch vom Ordnungsamt überwacht wird.

Wie laut es derzeit an welcher Straße ist, hat die Stadtverwaltung übrigens nicht gemessen, sondern stützt sich bei der Bestimmung der besonders lauten Straßen auf Berechnungen des Landes, die in einer Lärmkartierung festgehalten wurden. „Laut dieser vom RP veröffentlichten Lärmkarte sind 57 000 Wiesbadener stark von Straßenlärm beeinträchtigt und müssen nachts einen Dauerschallpegel von mehr als 50 Dezibel ertragen“, sagt Döll.

Als „starke Belästigung“ gelten ihrer Aussage nach alle Werte zwischen 55 und 60 Dezibel; das betrifft immer noch gut 23 000 Wiesbadener. „Wären das Straßenneubauten, hätten die Anwohner ein Recht auf Schallschutz. Weil es sich aber um Bestand handelt, wir aber die Belastung klar kennen, wollen wir mehr tun, als der Gesetzgeber verlangt“, erklärt Döll. Weil es sich bei stark befahrenen Straßen aber meist um Land- und Bundesstraßen handele, liege die Entscheidung über Tempo 30 nicht in den Händen der Stadt.

Auch andere Städte wie Mainz, Darmstadt und Frankfurt experimentieren bereits im Verbund mit dem RP mit Tempo 30 in der Nacht. Und das mit überwiegendem Erfolg. „In Frankfurt an der Höhenstraße wurde nach der Einführung von Tempo 30 gegenüber Tempo 50 eine Lärmminderung um 4,5 Dezibel gemessen“, berichtet Döll. Das sei ein erstrebenswerter Erfolg – auch wenn sich manche Anwohner darüber beschweren, dass Autos mit lauter Musik jetzt zu langsam am Schlafzimmer vorbeifahren.

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