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Tausend Euro extra für Personal des Wiesbadener Verkehrsunternehmens

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Von: Madeleine Reckmann

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Wer die Busse lenkt, muss sich oft Unverschämtheiten der Fahrgäste anhören. Geld soll trösten.
Wer die Busse lenkt, muss sich oft Unverschämtheiten der Fahrgäste anhören. Geld soll trösten. © Renate Hoyer

Die Sondervergütung soll Beschäftigten über die schwierige Zeit bei dem Dienstleister helfen. Aber die Opposition wollte noch mehr Geld für sie bereitstellen.

Die Beschäftigten des Wiesbadener Verkehrsdienstleisters Eswe erhalten eine einmalige Prämie von 1000 Euro brutto. Den Weg dafür hat die Stadtverordnetenversammlung freigemacht, in dem sie 1,35 Millionen Euro zur Verfügung stellt. Ein Weihnachtsgeschenk wird das Geld aber nicht. Voraussichtlich landet es im Januar auf den Konten des Eswe-Personals.

Wegen Fahrermangels Fahrplan ausgedünnt

In den Genuss der Prämie kommen nicht nur Busfahrer:innen, sondern auch die Menschen, die in der Werkstatt, der Leitstelle oder anderen Abteilungen arbeiten. Geschäftsführer und außertarifliche Führungskräfte sind von der Prämie ausgenommen. Die von der Rathausmehrheit von Grünen, SPD, Linken und Volt unterstützte Sondervergütung begründet Verkehrsdezernent Andreas Kowol (Grüne) mit der aktuell schwierigen Konsolidierungsphase im Unternehmen. Wegen Fahrermangels musste der Fahrplan ausgedünnt werden, was viele Fahrgäste gegen die Busfahrer:innen aufbringt. Zudem erschütterten im vorigen Jahr Skandale das Unternehmen.

Neue Unternehmenskultur

Gegen die früheren Geschäftsführer Hermann Zemlin und Jörg Gerhard ermittelt die Staatsanwaltschaft. Ihnen wird vorgeworfen, ein System von Günstlingswirtschaft aufgebaut zu haben. Seit einem Jahr bemühen sich die neuen Geschäftsführer Jan Görnemann und Martin Weis mit dem Betriebsrat um eine angemessene und gerechte Entlohnung und eine neue Unternehmenskultur.

Wertschätzung gegenüber ÖPNV

„Die Herausforderungen der Beschäftigten wollen wir honorieren – nicht nur mit Worten, sondern auch mit einem merkbaren Plus auf dem Konto“, sagt Kowol. „Unser Ziel ist, dass das Geld schnellstmöglich ausbezahlt werden kann. Ich werde daher kurzfristig eine Sondersitzung des Aufsichtsrats einberufen.“ Die Betriebsvereinbarung zwischen Betriebsrat und Eswe-Geschäftsführung sei schon unterzeichnet. Görnemann sieht die Prämie als Wertschätzung gegenüber dem öffentlichen Nahverkehr in Wiesbaden.

Anreizsystem wird abgelehnt

FDP, CDU und die Fraktion BLW/ULW/BIG überraschten im Parlament mit einer Tischvorlage, in der sie 2,5 Millionen Euro für ein monatliches Bonussystem für Busfahrer:innen vorschlugen. Das sieht vor, Fahrer:innen im geteilten Dienst mehr Geld als den anderen zu zahlen. Geteilte Dienste werden morgens und mit einer Pause nachmittags gefahren. Dieses von ihnen genannte Anreizsystem lehnte die Mehrheit im Parlament ab.

„Wir wollen keine leistungsabhängigen Zahlungen mehr“, sagt Silas Gottwald (SPD), „sonst kommen die Leute krank zur Arbeit.“ Statt auf monatliche Zuzahlungen hofft die Kooperation auf die Tarifverhandlungen im Jahr 2023. „Es darf nicht bei der Prämie bleiben, entscheidend ist ein besserer Tarifvertrag“, sagt Gottwald. Allerdings darf sich die Stadt nicht ins Tarifsystem einmischen.

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