Wiesbaden

Tagesmütter gesucht

  • Madeleine Reckmann
    vonMadeleine Reckmann
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Wegen der Corona-Krise droht die Warteliste für die Kinderbetreuung bei Tagesmüttern in Wiesbaden noch länger zu werden. Dass der Bildungsträger Evim in die Betreuung einsteigt, könnte für etwas Entspannung sorgen.

Es ist gut möglich, dass die Kinderbetreuung bei Tagesmüttern infolge der Corona-Pandemie noch beliebter wird. Gabriele Bootz vom Amt für soziale Arbeit geht davon aus, dass die Nachfrage nach Betreuungsplätzen für Kinder unter drei Jahren steigt, da Tagesmütter oder -väter nur drei bis fünf Kleinkinder betreuen. Dort ist die Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus geringer als in einer Kindertagesstätte. Das ist auch ein Grund, warum die Kindertagespflege in Wiesbaden nach dem Lockdown einen Monat früher als der Kindergartenbetrieb wieder startete.

U3-Betreuung

3200 Kleinkinder unter drei Jahren werden zurzeit in Wiesbaden außerhalb der Familie betreut. 353 von ihnen verbringen ihre Tage bei Tagespflegepersonen, das entspricht etwa einem Anteil von zehn Prozent. Es gibt 131 bei der Stadt gemeldete Tagespflegepersonen, darunter einen Mann.

Für 37 Prozent der Kinder eines Jahrgangs gibt es Betreuungsplätze in Wiesbaden. Die Stadt möchte jedoch für 48 Prozent der Kinder Plätze zur Verfügung stellen. Um das zu erreichen, müssen noch 900 Plätze eingerichtet werden.

An der Kinderbrücke beteiligen sich 41 Tagesmütter. Die kooperierenden Träger sind der Deutsche Kinderschutzbund und das Kinderhaus , seit 2018 in städtischer Trägerschaft. mre

Die Warteliste für Betreuungsplätze ist allerdings schon jetzt ziemlich lang. Bootz ist daher froh, dass der Evangelische Verein für Innere Mission in Nassau (Evim) in das Tagespflegemodell einsteigt. Evim beteiligt sich auch an der Konzeption Kinderbrücke, das die Stadt Wiesbaden seit den 1990er Jahren als alternatives Angebot zur Kindertagesstättenarbeit betreut.

Die Teilnahme an der Kinderbrücke bietet den Tagesmüttern zusätzliches pädagogisches Knowhow, Hospitationen in der Kita, Kontakte mit anderen Tagesmüttern und regelmäßige Treffen. Ein weiterer Vorteil ist, dass sie für die Teilnahme höher bezahlt werden und maximal drei Kleinkinder aufnehmen. Voraussetzung ist, dass ein sozialer Träger den Raum für die Treffen und die fachliche Betreuung stellt. Dazu hat sich Evim jetzt bereit erklärt.

„Das ist unser erstes Angebot in der Kindertagespflege“, erklärt Gerhard Kopplow, Geschäftsführer von Evim Bildung. Das dezentrale und lokale Angebot ergänze die Kita-Arbeit auf dem Bildungscampus Klarenthal gut.

Kopplow kann sich vorstellen, dass die Tagesmütter und die Kinder gerne auf den Campus kommen, um dort etwa die Hühner zu beobachten oder an Aktionen der Kita teilzunehmen. Die Kinderbrücke führe zur Professionalisierung des Betreuungsmodells, sagt Sozialdezernent Christoph Manjura (SPD).

Mit Jana Grosch von der Evim-Kita, die nach der Montessori-Pädagogik arbeitet, steht die Ansprechpartnerin für die Tagesmütter schon fest. Geplant ist, dass 45 Kleinkinder künftig von Tagespflegepersonen betreut werden. Die müssen allerdings noch gefunden werden. Das Amt für Soziale Arbeit wirbt mit einem Bus in der Stadt dafür, dass sich Frauen und Männer für den Beruf qualifizieren.

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