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Tafel stößt an Kapazitätsgrenze

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Von: Ute Fiedler

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Die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer der Wiesbadener Tafel verteilen Essen auf dem Mauritiusplatz.
Die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer der Wiesbadener Tafel verteilen Essen auf dem Mauritiusplatz. © Michael Schick

Schutzsuchende erhöhen die Nachfrage / Personal und Essen wird knapp

Sie bezeichnet sich selbst als „eine der größten sozialen Bewegungen unserer Zeit“. Als Grundsatz gilt: „Die Tafeln helfen allen Menschen, die der Hilfe bedürfen“. So steht es auf der Homepage des Bundesverbandes der Tafeln. Doch diesem Grundsatz scheint die Wiesbadener Einrichtung derzeit nicht mehr gerecht werden zu können.

Die steigende Anzahl der Flüchtlinge stellt auch die Wiesbadener Tafel vor Herausforderungen, wie die Leiterin Ruth Friedrich-Wurzel auf Anfrage erläutert. Ausweise, mit denen Hilfsbedürftige bei der Tafel einkaufen gehen können, würden in Flüchtlingsunterkünften prinzipiell nicht verteilt. Es fehle an Kapazität und vor allem an Waren, sagt sie. „Wer aber unser Aufnahmeverfahren versteht und telefonisch Glück hat, bekommt einen Ausweis. Das waren im letzten Jahr sehr viele Flüchtlinge.“ So könne es durchaus vorkommen, dass Nachbarn in Gemeinschaftsunterkünften mal Kunden seien und mal nicht und dass es ab und an zu Unverständnis und Neiddebatten komme, weiß sie. Doch das sei derzeit nicht zu ändern.

Ansgar Robel von der Stadtteilinitiative Lebenswertes Westend ist diese „Ungleichbehandlung“ wie er sagt, ein Dorn im Auge. Er fordert, dass allen Asylbewerbern Zugang zum Angebot der Tafel gewährt werde. Er weiß, dass die Wiesbadener Tafel nicht allen Bedürftigen helfen könne, da deren Zahl seit Jahren steige und sich die Anzahl der Flüchtlinge vergrößert habe. „Hierbei aber die Gruppe der Flüchtlinge gegenüber den anderen Gruppen zu benachteiligen, halten wir für inakzeptabel“, sagt er.

Flüchtlinge sollten sich ohne Einschränkung wie alle anderen Bedürftigen bei der Wiesbadener Tafel anmelden dürfen und dann ohne Benachteiligung der Reihe nach mit allen anderen aufgenommen werden. „Dadurch vergrößern sich natürlich die Wartezeiten“, sagt er. Eine andere Möglichkeiten sei, dass Bedürftige nur alle 14 Tage Lebensmittel erhalten und in Wiesbaden eine zweite Tafel entstehe. Zudem könnten Verteilaktionen in den Gemeinschafts-Unterkünften wie der an der Mainzer Straße zu starten gestartet werden – eine Idee, die auch Friedrich-Wurzel umtreibt.

Derzeit scheint es unmöglich, alle Flüchtlinge in das Programm aufzunehmen

Genehmigt sei das Pilotprojekt in einer Flüchtlings-Unterkunft bereits vom Sozialamt, doch auch für dieses Unterfangen fehlten die Waren-Kapazitäten. „In den vergangenen Jahren disponieren die Märkte enger“, erläutert Friedrich-Wurzel, weist aber darauf hin, dass die Wiesbadener Tafel mit 150 Lieferanten durchaus noch gut dran sei. „Andere Tafeln haben weitaus weniger Spender. Die Landeshauptstadt ist mit einer hohen Dichte an Märkten gesegnet.“

Friedrich-Wurzel konstatiert, dass das Angebot nicht auf alle Bedürftigen ausgeweitet werden kann. „Wir tun, was wir können, aber alle Flüchtlinge aufnehmen, geht eben nicht“, sagt sie. Sie sehe viel Elend, was sie manchmal verzweifeln lasse. Ab und zu werde sie auch mit Kommentaren wie „Gell, das geht jetzt alles an die Flüchtlinge?“ konfrontiert. „Zum Glück nur sehr selten“, sagt Friedrich-Wurzel, die dann ein offenes, klärendes Gespräch sucht. „Alle unsere Kunden werden gleich behandelt.“

Die Leiterin der Wiesbadener Tafel sieht das Problem in der Struktur, die an vielen Stellen noch fehle. Tafeln nähmen dem Sozialstaat seit Jahren viel Arbeit ab und sähen sich nun mit dem Vorwurf der Ungleichbehandlung konfrontiert. Sie fordert, Flüchtlinge nicht nur mit finanziellen Mitteln auszustatten, sondern beispielsweise auch mehr Hot Spots für kostenfreies Wlan anzubieten. So könnten Flüchtlinge finanziell entlastet werden, es bliebe mehr Geld für Lebensmittel und entlaste die Tafeln.

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