+
Verabschiedete sich nicht ohne Lacher auf eigene Kosten: Sven Gerich.

Zug

Sven Gerichs letztes Helau in Wiesbaden

  • schließen

Ohne Träne im Knopfloch verteilt der Noch-OB Orden an Fastnacht.

Oje, dem Mann bleibt wirklich nichts erspart. Jetzt will ihn das bunte Narrenvolk sogar vor der Zeit aus dem Rathaus werfen und auf seine eigene närrische Art dort wenigstens ein paar Tage regieren. Da kann er noch so viel und mit vollen Händen Golddukaten auf die Menschen da unten am Fuß der Treppe werfen, die wahren Narren zeigen sich beim Sturm auf den Stadtpalast unbestechlich.

Im Gedränge auf der breiten Freitreppe vor dem querliegenden Krokodil mit dem zehn Meter langen Luftballonschwanz geht der Oberbürgermeister unter. Irgendwann haben sie ihm wohl auch das Mikro abgenommen, mit Beginn des Glockengeläuts von der Marktkirche am Samstagnachmittag ist von Sven Gerich nichts mehr zu sehen und zu hören.

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Am Ende war auch das nur noch heiser ausgestoßene ungefähr hundertste „Dreifach dankbar donnernde Helau“ mit schwingendem Arm für all die bunten vorbeiziehenden Karnevalisten im Umzug der Kinder zu wenig, um die Haut des OB auf Abruf beim Sturm auf das Rathaus noch zu retten. Gut hat er sich gemacht da oben auf der Treppe, der Sven Gerich. Als Stimmungsmacher, als Animateur und Taktgeber, vom bunten Schal umschlungen und mit Orden behängt, die ihm keiner mehr abnehmen wird. Hat selbst Orden um freudig vorgestreckte Hälse gelegt, dem Jugendprinzenpaar Sophia I. und Robin I. etwa. Für die beiden Nachwuchs-Karnevalisten ein Alleinstellungsmerkmal auf ewig. Nach ihnen wird kein Prinzenpaar mehr bei einem Foto-Shooting dieser Art mit Sven Gerich posieren.

Der Mann hat seinen Spaß, das sieht man deutlich. Einmal noch richtig einen raushauen, bevor schon bald die neue Zeit beginnen wird. Seriös scheinende Herren im Narrenkleid mit Schellenkappe, das von hohem Rang zeugt, munkeln in trauter Runde ganz ohne Lachen und Fröhlichkeit, der baldige Ex-Oberbürgermeister arbeite schon an seiner neuen Karriere. Ganz bescheiden im Flößerkostüm mit Blaumannjacke und schwarzer Kappe, wie sie die Schiffer in Kostheim tragen. „Des hat der immer an“, murmelt eine Frau ohne jegliche Emotion. Also an den tollen Tagen jedenfalls.

Der Mann hat seinen Spaß, und er kann der wahren Narretei im Tun und im Lassen frönen und den Narrenspiegel in alle Richtungen drehen. Ein freundliches, nur unterschwellig leicht hämisches „Uiuiuiuiuiuiuiauauauauau“, die ironische Mitleidsbekundung auf Narrenart, ist ihm gewiss, als er sich nicht scheut, en passant die Geschichte mit der städtischen Kreditkarte fast unverpackt ins Spiel zu bringen. Sie wissen schon, als die Narretei aus dem Ruder lief, der Kater immer heftiger wurde und nur noch der Rückzug möglich war. Deswegen hat er die Karte trotz Anraten seiner Berater beim Rathaussturm auch nicht gezückt und lieber mit Golddukaten geworfen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare