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Auf der Suche nach neuen Attraktionen

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Die Broschüre „12 gute Gründe, Wiesbaden zu besuchen“ ist für 2012 aktualisiert

Von Gesa Fritz

Könnte man die Zeit doch nur 600000 Jahre zurückdrehen. Dann müssten sich die Wiesbadener keine Gedanken mehr darüber machen, wie Touristen für die Stadt gewonnen werden können. „Heißa Safari“ würde dann der Lockruf lauten. Durch das Stadtzentrum zögen Geparden, Löwen und Säbelzahnkatzen, gefolgt von Jeeps voller Touristen mit gezückten Kameras. Mit etwas Glück könnten die Gäste im Schiersteiner Hafen gar ein Steppenmammut beim Trinken ablichten.

Doch leider zeugen heute nur noch Fossilien aus den Mosbacher Sanden von der vergebenen Tourismus-Chance. Und Wirtschaftsdezernent Detlev Bendel (CDU) muss sich etwas überlegen, um den Besucherstrom nicht versiegen zu lassen. Immerhin tragen die Tagestouristen laut Bendel Jahr für Jahr die stolze Summe von 450 Millionen Euro in die Stadt.

Deshalb gibt die Stadt eine Broschüre heraus mit dem vielversprechenden Titel „12 gute Gründe, Wiesbaden zu besuchen“. Dahinter verbirgt sich eine Liste verschiedener Veranstaltungen im Jahr 2012.

Die Broschüre ist nicht mehr die jüngste, sie erscheint bereits in der siebten Auflage. Und die angepriesenen Inhalte sind mit kleinen Variationen immer die gleichen: Stadtfest, Weinwoche, Oldtimer- Rallye, Ironman oder Sternschnuppenmarkt haben einen Stammplatz.

Bei den Reisewilligen scheint die Auswahl anzukommen. Rund 12,4 Millionen Menschen steuern laut Bendel die Stadt jedes Jahr für einen Tagesausflug an.

Aber da müsste es doch exklusivere Gründe für einen Besuch in der Landeshauptstadt geben. Vielleicht ließen sich mit etwas ausgefalleneren Argumenten ganz neue Zielgruppen gewinnen. Für die Freunde ungewöhnlicher Tierpopulationen wäre schnell etwas gefunden. So gibt es auch in Wiesbaden verhaltensauffällige Weberknechte, die seit fünf Jahren immer wieder beim Schloss Freudenberg gesichtet werden. Jeweils mehrere Hunderte der Spinnen rotten sich zu einem etwa handflächengroßen Knäuel zusammen und beginnen zu zittern, wenn sich Menschen nähern.

Aber auch für Liebhaber warmer Quellen hätte die Stadt touristisch brachliegende Angebote: Sprudeln aus der Quelle am Kranzplatz doch täglich viele Liter warmes Wasser. Mit einer Schöpfkelle ausgerüstet, könnten Tagesgäste hier öffentliche Dusch-Happenings feiern. Allerdings sollten sie eine Vorliebe für die Duftmarken „Schwefel“ mitbringen.

Rechtliche Fragen müsste das Wirtschaftsdezernat wohl noch klären, bevor man eine weitere potenzielle Besuchergruppe anspricht: die der Heiratsschwindler. Steht die altehrwürdige Stadt doch im Ruf, Heimat zahlreicher sehr reicher Damen fortgeschrittenen Alters zu sein. Ein ideales Pflaster für Männer mit klammen Finanzen und zwielichtigen Absichten. Sie könnten dann die Damen dazu animieren, üppig Geld in den Wirtschaftskreislauf einzubringen.

Ach, denkt sich da der Bürger und lässt den Blick über das Tal hinauf zu den Hügeln schweifen. Was für eine Stadt, was für ein Potenzial! Und vielleicht lässt auch das Wirtschaftsdezernat 2013 neue touristische Lockrufe erklingen.

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