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Auf der Suche nach Erdwärme

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Spezialfahrzeug zur Bodenerschütterung.
Spezialfahrzeug zur Bodenerschütterung. © ddp

Im Osten Wiesbadens vermutet die Stadt heißes Wasser unter der Erdoberfläche. Die Ressource - so sie in ausreichender Menge vorhanden ist und genutzt werden kann - könnte einige Energieproblem lösen.

Von Fabian Siegel

Aus der Ferne sehen sie aus wie große Bulldozer, die sich langsam über den Feldweg zwischen Kostheim und Hofheim schieben. Doch die Fahrzeuge transportieren nicht etwa Schutt und Erde – sie bringen die Erde zum Erschüttern. Mit schweren Rüttlern, die zwischen den Reifen immer wieder auf den Boden stampfen.

Die Fahrzeuge sind auf der Suche nach heißem Wasser unter der Erde, erläutert Umweltamtsleiter Joachim Mengden. Findet sich tatsächlich ein Wasservorkommen, dann könnte es die Stadt nutzen, um ein Tiefengeothermiekraftwerk zu bauen – ein Kraftwerk, das die Erdwärme zu Heizzwecken nutzt oder für die Stromerzeugung.

Schallwellen für ein 3D-Bild

„Durch das Stampfen auf die Erde werden Schallwenden ausgesandt.“ Treffen die in mehreren Kilometern Tiefe auf Felsmaterial, werden sie zurückgeworfen. Und von kleinen Mikrofonen, sogenannten „Geophonen“, aufgefangen. Diese Geophone haben Umweltamt und ESWE überall zwischen Kostheim, Delkenheim, Hofheim und Flörsheim aufgestellt.

Aus den aufgefangenen Schallwellen entsteht ein dreidimensionales Bild, das den Experten einen guten Eindruck gibt, wie es unter der Erde aussieht – und wo es brauchbare Wärmevorkommen gibt. „Die Auswertung der Daten wird ungefähr ein halbes Jahr dauern“, sagt Mengden. Doch die Vermutung, dort Wasser zu finden, sei durchaus konkret – sonst hätte man das schwere und vor allem teure Gerät erst gar nicht angefordert. „Wir gehen davon aus, dass es in drei Kilometern Tiefe 150 Grad heißes Wasser geben könnte“, sagt Mengden. Das könnte das Geothermiekraftwerk direkt fördern.

In einem ersten Schritt haben die Verantwortlichen geologisches Kartenmaterial ausgewertet. Später wurde mit kleinerem Gerät ein zweidimensionales Bild erzeugt. „Wenn wir nicht Schritt für Schritt vorgehen würden, wäre das viel zu teuer“, sagt Mengden.

Keine Angst vor Erdbeben

Deswegen wird das schwere Gerät erst aufgefahren, wenn der Verdacht konkret ist. „Keiner würde einfach so drauflosbohren“, sagt Mengden. Denn eine solche Bohrung nach Geothermiequellen koste mehrere Millionen Euro – eine Pleite dürfe man sich da nicht erlauben.

Erst wenn die stampfenden Bulldozer für Klarheit gesorgt haben, wird tatsächlich der Bohrer ausgepackt. Angst vor erdbebenähnlichen Zuständen müssen die Einwohner der Wiesbadener Ostgebiete nicht haben. „Wenn man fünf Meter von den Rüttlern weit weg steht, merkt man nur noch ein ganz leichtes Brummen – vielleicht ein Vibrieren“, sagt Joachim Mengden.

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