OB-Wahl

Wiesbaden: Auf der Suche nach einem neuen OB-Kandidaten

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Nach dem Rückzug Sven Gerichs gibt sich die SPD kämpferisch und möchte die Wahl gewinnen.

Am Ende gab es sogar eine kämpferische Stimmung, die SPD-Mitglieder möchten mit einem neuen Kandidaten die Wahl gewinnen“, beschreibt der Wiesbadener SPD-Chef Dennis Volk-Borowski den Parteitag am Donnerstagabend. Die Genossen hatten eigentlich ihren Oberbürgermeister Sven Gerich (SPD) zum OB-Kandidaten wählen wollen. Am Morgen jedoch hatte Gerich überraschend erklärt, wegen der „Schmutzkampagne“ im Zusammenhang mit den Skandalen um Bestechung und Vorteilsnahme nicht mehr antreten zu wollen. Der SPD ist somit plötzlich ihr Kandidat abhanden gekommen. Gerich galt bis zu Beginn der Vorwürfe als Erfolgsgarant der SPD.

„Bei Lichte betrachtet, ist die Ausgangslage für einen SPD-Kandidaten jetzt gar nicht mehr schlecht“, erklärt Volk-Borowski der FR auf Anfrage. Schließlich wäre ein neuer Kandidat völlig unbelastet. Sechs Wochen bleibt den Sozialdemokraten nun Zeit für die Suche. Die Frist zur Anmeldung der Bewerber läuft am 18. März aus. Auf der Mitgliederversammlung am 16. März soll der neue Kandidat oder die neue Kandidatin präsentiert werden. „Wir sind nicht alleine. Die Hessen-SPD hilft uns, jemanden zu finden“, sagt Volk-Borowski. Es werde jetzt in alle Richtungen gedacht, einen Namen habe aber noch niemand parat.

Die Nachricht von Gerichs Verzicht hat laut Volk-Borowski 250 Mitglieder zum Besuch des Parteitags bewegt. An anderen Parteitagen seien es oft nur um die 100. „Die SPD Wiesbaden wäre geschlossen mit Gerich in den Wahlkampf gezogen“, erklärt der Stadtverordnete und ehemalige Bundestagskandidat Simon Rottloff auf Anfrage. Gerich, der den Parteifreunden seine Gründe noch einmal darlegte, genieße die „absolute Solidarität“ der Basis. „Viele sind aufgestanden und haben applaudiert“, erzählt der Stadtverordnete Gerhard Uebersohn, „aus Achtung vor Gerichs Privatsphäre.“ Gerich hatte seinen Rückzug auch damit erklärt, dass er seine Familie vor weiteren anonymen Drohungen schützen wolle. Bis zur Wahl am 26. Mai wäre der OB, der nun bis zum 1. Juli 2018 im Amt bleibt, wohl noch einige Male mit Vorwürfen konfrontiert gewesen. Der frühere Geschäftsführer der Wiesbaden Holding, Ralph Schüler, hatte angekündigt, weitere kompromittierende Details zu veröffentlichen, wenn sich Gerich nicht zurückziehe.

Nun zeigt sich Schüler zufrieden. „Das war bestimmt nicht einfach, aber Gerich hat gemerkt, dass es eng wird“, sagte er auf FR-Anfrage. Der OB habe bei seiner Transparenzoffensive im Sommer 2018 nicht alles offengelegt. Er habe in Kauf nehmen müssen, dass Details ans Licht kommen.

Die SPD sieht Gerich als Opfer einer Kampagne. „Ich habe ein paar der Gerüchte über weitere Aufenthalte Gerichs in irgendwelchen Ferienhäusern überprüft“, sagt SPD-Fraktionsvorsitzende Nadine Ruf, „da war aber nichts dran.“ Gerich behauptet, nie korrumpierbar gewesen zu sein.

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