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Auch das Stück „Und dann gab’s keines mehr“ wurde zu einem Erfolg.
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Auch das Stück „Und dann gab’s keines mehr“ wurde zu einem Erfolg.

Wiesbaden

49 Stücke und kein Ende in Sicht

Seit 1988 spielt im Igstadter Scheunentheater eine hochmotivierte Gruppe. Besondere Aufmerksamkeit erhält die weit über die Grenzen der Stadt bekannte Theaterinitiative in den Jahren 2013 und 2014, als sie das Schicksal der Igstadter Juden aufarbeitet.

Von Irmela Heß

Als 1988 im Igstadter Gemeindezentrum der Beifall aufbrandet – zu Ende gegangen ist grade das Ritterspektakel Blut und Liebe –, denken weder Schauspieler noch Publikum an die Zukunft und haben keine Ahnung davon, dass in der Pfarrscheune auch noch in 28 Jahren Theater gespielt wird.

Die Initialzündung für die Geschichte des Igstadter Scheunentheaters, das im vergangenen Jahr mit dem „Wiesbadener Bühnensiegel“ ausgezeichnet wurde, ist im damaligen Tanzkreis der evangelischen Kirche zu suchen: Jemand hatte die Idee, ein Theaterstück aus der Schulzeit erneut aufzuführen.

Normalerweise bleibt es beim Einfall, aber nicht in diesem Fall: Engagierte und theaterbegeisterte Menschen, unter ihnen der Pfarrer Konrad Ohly, Ruth und Eberhard Lichtenheldt, brachten tatsächlich das Ritterdrama auf die Bühne der umgebauten Pfarrscheune. Und weil alle Beteiligten soviel Spaß hatten, wurde die Theaterarbeit fortgesetzt – zunächst als „Theatergruppe der Evangelischen Kirchengemeinde“, später dann als Igstadter Scheunentheater.

Bis heute hat die Gruppe 49 Inszenierungen mit weit über 200 Aufführungen auf die Bühne gebracht und damit knapp 20 000 Zuschauer unterhalten. In Vorbereitung ist bereits das 50. Stück: „Der tolle Tage oder die Hochzeit des Figaro“, eine Mischung zwischen Oper und Musical nach Pierre A.C. de Beaumarchais, Arbeitstitel: „Operal“.

Lockte man in den ersten Jahren das Publikum mit komödiantischen Schwänken, so stieg nach und nach der Anspruch: an die Stücke, aber auch an Inszenierung, Regie und Probenarbeit. Werke von beziehungsweise nach Ephraim Kishon, Curt Goetz und Loriot wurden aufgeführt, von Berthold Brecht oder Molière, später kamen Dramen von Shakespeare, Kleist und Goethe sowie Musicals hinzu. Auch die Ton- und Lichttechnik wurde im Laufe der Jahre immer aufwendiger.

Nachwuchsprobleme gab und gibt es nicht. Immer wieder stießen auch jüngere Menschen zur Theatergruppe und brachten ihre Vorlieben ein. Anlässlich des 25-jährigen Bestehens im Jahr 2013 wurde folgende Zahl ermittelt: Insgesamt waren bis dahin rund 140 begeisterte Menschen auf, vor und hinter der Bühne für das Scheunentheater aktiv.

Zurzeit gehören rund 25 Mitglieder zum Scheunentheater, das jüngste ist 13, das älteste 66 Jahre alt. Und immer ist es ein engagiertes Team, das sich um Probenarbeit und Musik, Bühnenbild, Technik, Kostüme, Organisation und Finanzen kümmert.

Apropos Finanzen: Die Gruppe finanziert sich weitgehend aus den Einnahmen des Kartenverkaufs und dem jährlichen Projektzuschuss des Kulturamtes. Möglich ist das, weil nicht nur der Proberaum unentgeltlich genutzt werden darf, sondern die Pfarrscheune inklusive Gemeindesaal mit Foyer und Küche kostenlos für Aufführungen zur Verfügung steht. Und weil alle Beteiligten für ihre teilweise sehr aufwendige Freizeitbeschäftigung mit Spaß und Applaus, nicht aber mit Geld belohnt werden.

Besondere Aufmerksamkeit erhielt die weit über die Grenzen der Stadt bekannte Theaterinitiative, als sie in 2013 und 2014 das Schicksal der Igstadter Juden aufarbeitete.

Im Herbst 2015 bekam die Gruppe dann das neu ausgelobte Wiesbadener „Bühnensiegel“. In der Erklärung der Stadt heißt es zur Begründung unter anderem: „1988 aus einer Laune heraus entstanden, hat sich das Igstadter Scheunentheater im Laufe der Jahre zu einer festen Größe in der Wiesbadener Kleinkunstszene entwickelt. Die mittlerweile halbjährlich wechselnden Inszenierungen zeichnen sich durch eine gelungene Stückauswahl und hohe technische und künstlerische Qualität aus.“ Da wundert es nicht, dass die Aufführungen immer ausverkauft sind.

Weitere Informationen und Kontaktdaten gibt es im Internet unter www.scheunentheater.de

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