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Studierende in Wiesbaden

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Von: Fabian Scheuermann

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Aktionstage in der nächsten Woche

Erst ist es ein ungläubiger Blick, dann ein amüsiertes Schmunzeln und schließlich ein unmissverständliches „Nein!“. Erkundigt man sich unter Wiesbadener Studierenden, ob sie ihre Stadt für eine Studierendenstadt halten, bekommt man immer wieder die gleiche Antwort zu hören. Auch in der Woche vor Beginn der „Studentenfutter“-Aktionstage für Studierende lautet der Tenor: Wiesbaden ist vieles, aber mit Sicherheit keine Studierendenstadt.

„Wiesbaden wirkt halt wie eine Kurstadt für alte Leute“, so drückt es Theresia Graupner aus, die an der Hochschule Rhein-Main (HSRM) Soziale Arbeit studiert. Vor allem was das Nachtleben angehe müsse sie öfter als gewollt nach Frankfurt oder Mainz ausweichen. Im Vergleich mit Mainz schneidet Wiesbaden was das studentische Leben angeht sowieso eher schlecht ab. Einer Umfrage des Geographischen Institutes an der Johannes Gutenberg-Universität aus dem Jahr 2011 zufolge finden Mainzer Studierende ihren Wohnort sympathischer, bildungsfreundlicher und weltoffener als dies bei Wiesbadener Studierenden der Fall ist.

Glänzen kann Wiesbaden allerdings in puncto Flair. Vom Campus Kurt-Schumacher-Ring etwa ist es nur ein Klacks bis ins stuckverzierte Westend – studiert man „Unter den Eichen“, so ist man schnell mitten im Wald, wo man Ruhe und frische Luft genießen kann. „Dank dieser Ruhe hat man in Wiesbaden viel Zeit zum Lernen“, findet Yenal Celik. „In einer Partystadt wie Köln“, so der International-Business-Student, „würde mir das sicher schwerer fallen“.

Doch Idylle und gute Lernatmosphäre allein machen noch keine Studierendenstadt aus. Für Jonna Kullik ist diese Ruhe sogar ein Indiz dafür, dass Wiesbaden „eine Spießerstadt“ sei. „Überhaupt“, so beschwert sich die aus Kiel stammende Architekturstudentin, fühle sich die Stadt nicht studentisch an: „Hier fahren ja noch nicht einmal Fahrräder.“ Auch vermisst Kullik Angebote wie kostenlose Theatertickets oder spezielle Rabatte in der Gastronomie. Dem stimmt auch ihr Kommilitone Mario Wolf zu. Seiner Meinung nach gehe die Stadt generell nicht genug auf die Belange der Studierenden, wie etwa bezahlbaren Wohnraum, ein. Zwar wurde erst zu Beginn des Wintersemesters ein neues Wohnheim fertiggestellt – jedoch ohne jeden öffentlichen Zuschuss.

Mit den vom 6. bis 8. November stattfindenden „Studentenfutter“-Aktionstagen will die Stadt nun auf die Studierenden zugehen und für sich als lebenswerte Studierenden- und Wissenschaftsstadt werben. Gemeinsam mit den Partnern aus dem „Netzwerk der Wissenschaft“ – zu denen auch die HSRM und die European Business School (EBS) gehören – wurde ein vielseitiges Serviceprogramm für Studierende gestrickt, das von der Job-Beratung bis hin zum Fußballturnier reicht.

EBS-Studierendensprecher Felix Schröder hat positive Töne für die Aktionstage parat: „Das Projekt wird sicherlich ein Anknüpfungspunkt für weitere Veranstaltungen mit Mehrwert für Studenten“. Mark Schulze vom AStA der HSRM hingegen findet es zwar „schön, dass die Stadt auf die Studenten zugeht“. Wenn Wiesbaden sich aber langfristig als Studierendenstadt verkaufen wolle, so Schulze, dann müsse die Stadt auch stärker auf die Bedürfnisse der Studierenden – wie bezahlbaren Wohnraum – eingehen.

Informationen zu den „Studentenfutter“-Aktionstagen gibt es unter facebook.com/studentenfutter.wiesbaden.

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