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Das Stromnetz soll stabil bleiben, selbst wenn zeitgleich viele Leute ihr Auto aufladen.
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Das Stromnetz soll stabil bleiben, selbst wenn zeitgleich viele Leute ihr Auto aufladen.

Wiesbaden

Stromnetz in Wiesbaden wird fit gemacht für die Elektromobilität

  • VonDiana Unkart
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An Strom wird es in Wiesbaden nicht mangeln, auch wenn in ein paar Jahren deutlich mehr E-Autos unterwegs sein werden. Die Herausforderung ist eine ganz andere.

Peter Lautz und sein Team haben eine schwierige Aufgabe. Sie müssen heute die Zukunft vorbereiten. Oder, wie er es formuliert: „Die Lebensqualität von morgen wird heute gestaltet.“ Lautz ist Geschäftsführer der Stadtwerke Wiesbaden Netz, kurz Sw Netz. Deutschland vollzieht – politisch gewollt – eine Energiewende: weg von fossiler und Kernenergie hin zu einer nachhaltigen Versorgung mit erneuerbaren Energien in den drei energiebeanspruchenden Sektoren Elektrizität, Wärme und Verkehr.

Unsicherheit für Netzbetreiber

Die Elektrifizierung des Verkehrssektors wird – neben der Zunahme dezentraler Wind- und Photovoltaikanlagen, dem Einsatz von immer mehr Wärmepumpen und der Neuausrichtung der energieintensiven Industrie – einen erheblichen Effekt auf die Netze haben. Für die Netzbetreiber ist sie aber mit hoher Unsicherheit verbunden. Wie sich die Elektromobilität entwickeln wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab: dem technischen Fortschritt zum Beispiel oder dem Aufbau der Ladeinfrastruktur. Welchen Einfluss politische Entscheidungen haben, lässt sich aus den Daten lesen. Die Zahl der Elektroautos hat in Wiesbaden deutlich zugenommen: von 106 Autos im Jahr 2015 auf 1144 im vergangenen Jahr. Dass es 2020 die bislang höchsten Zuwächse gegeben hat, dürfte auch an der nochmals erhöhten Förderung beim Kauf liegen. Beliebt sind sogenannte Plug-In-Hybride, die mit Elektro- und Verbrennungsmotor ausgestattet sind und ebenfalls an der Steckdose geladen werden können. 2015 gab es in Wiesbaden 95 davon, 2020 schon 1372. Trotzdem rangierten die Verbrenner mit 136 558 Fahrzeugen 2020 mit großem Abstand auf Platz eins.

In den kommenden Jahren könnte der Abstand jedoch kleiner werden. Prognosen sagen für die Stadt etwa 16 400 E-Fahrzeugen im Jahr 2030 voraus. Der Strombedarf wird dadurch von rund 1300 Megawattstunden im Jahr 2020 auf mehr als 36 000 Megawattstunden im Jahr 2030 steigen. „Wir müssen uns auf den Hochlauf der Elektromobilität vorbereiten“, sagt Peter Lautz.

Strom ist genug da

An Strom wird es wohl aber auch künftig nicht mangeln. Fachleute gehen davon aus, dass selbst dann, wenn alle rund 45 Millionen Fahrzeuge in Deutschland elektrisch fahren würden, nur gut 100 Terrawattstunden pro Jahr nötig wären – das entspricht einem Sechstel dessen, was Deutschland pro Jahr insgesamt an Strom verbraucht. Die Herausforderung ist eine andere: Was passiert, wenn die meisten Autos nach der Arbeit gegen 18 oder 19 Uhr am Auflader hängen? „Die Gleichzeitigkeit ist das Problem“, sagt Peter Lautz. Sie ist auch ein entscheidender Parameter für die Auslegung der Infrastruktur des Netzes. Er verweist auf Hochrechnungen. Demnach käme es ohne Netzausbau ab einer E-Auto-Quote von 30 Prozent zu Netzüberlastungen. Der Netzausbau ist in Wiesbaden und anderswo deshalb längst im Gange. Sw Netz investiert in den kommenden fünf Jahren einen hohen zweistelligen Millionenbetrag nicht nur in die Instandhaltung und Erschließung, sondern rund die Hälfte des Geldes in den Ausbau im Hochspannungsnetz. Der historisch gewachsene Netzaufbau würde den absehbaren Anforderungen nicht mehr gerecht, heißt es.

Um trotz der Unsicherheiten bedarfsorientiert planen zu können, beteiligt sich Sw Netz an einem Forschungsprojekt des Fraunhofer-Instituts für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik und testet Lösungen für die Praxis. Der Fokus liegt auf der Entwicklung einer steuerbaren Ladeinfrastruktur. Ziel ist es, die Wünsche der Autobesitzer:innen mit einem netzdienlichen Laden in Einklang zu bringen. Die eine Lösung für die Aufgaben der Zukunft gebe es nicht, sagt Lautz. Die Herausforderung bestehe in einer Kombination von intelligenter Technik mit konventioneller Netzverstärkung, „so viel smarte Steuerung wie möglich, so viel Netzausbau wie nötig“.

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