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Streit um 5500 vernichtete Bücher

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Nun löst sich Förderkreis der Niemöller-Schule auf / Direktorin bedauert

Von SABINE MÜLLER

Die Entscheidung für die Auflösung sei am Montagabend gefallen und zwar einstimmig. Das teilen die Vorsitzende Ulrike Teske-Spellerberg und Vorstandmitglied Werner Michel mit. 70 Mitglieder zählte der Verein zuletzt, darunter viele ehemalige Lehrer und Schüler der Oberstufe.

Hauptaufgabe des Kreises war seit der Gründung 1994, die Schulbibliothek zu fördern und das Gehalt der Bibliothekarin zu sichern. Zudem organisierte der Verein Veranstaltungen mit Gästen wie Ignaz Bubis oder Hans Koschnik und förderte Theaterprojekte.

Als Grund für die Auflösung "mit Wehmut" nennt Teske-Spellerberg untere anderem die "deutlich abgekühlten Beziehungen" zu Schulleiterin Elisabeth Waldorff. Dazu beigetragen habe, dass sich vor drei Jahren ein zweiter Förderverein ("Verein der Freunde der Martin-Niemöller-Schule") gegründet habe, mit Waldorffs Ehemann als Schatzmeister. Diese Personalie habe die Schulleiterin dem Förderkreis zunächst verschwiegen. "Das empfinden wir als skandalös", sagt Teske-Spellerberg. Das Vertrauen in die Schulleitung sei untergraben.

Eigentlich sollte sich der zweite Verein um die Förderung des mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterrichtes und Fragen der Suchtprävention kümmern, sagt Teske-Spellerberg. Mittlerweile werbe er schulöffentlich und auch "in offiziellen Mitteilungen der Schulleiterin" um Spenden und Mitglieder. Das sei anders abgesprochen gewesen.

"Versicherung hätte bezahlt"

Der Vorstand des Förderkreises hatte gehofft, dass sich das Verhältnis nach dem Brand der Niemöller-Schule im Dezember bessert. Doch es gab neuen Zoff, diesmal wegen der Schulbibliothek. 6000 Bücher waren durch das Feuer beschädigt. "Die Versicherung hätte die Wiederherstellung bezahlt", sagt Vorstandsmitglied Michel.

Doch die Schulleitung entschied anders: Nur 500 Bücher wurden saniert, der Rest auf den Müll geworfen und stattdessen Geld von der Versicherung eingestrichen, 2,20 Euro pro Buch. "Uns hat von der drastischen Büchervernichtung niemand etwas gesagt", kritisiert Michel. Es ergebe keinen Sinn, für 500 Bücher eine Bibliothekarin zu beschäftigen.

Schulleiterin Waldorff weist die Vorwürfe zurück: Die Bücher in der Bibliothek gehörten der Schule, alle Schulgremien hätten zugestimmt, nur die "wertvollen" zu behalten. Demnächst würden für 30 000 Euro neue Bücher angeschafft und nach dem Umzug in das wiederaufgebaute Gebäude am Moltkering für 20 000 Euro weitere. Die Auflösung des Förderkreises könne sie nicht nachvollziehen, aber sie bedauere ihn. Bibliothek und Bibliothekarin werde es weiterhin geben.

Auch der Verein der Freunde der Niemöller-Schule (rund 30 Mitglieder) versteht nicht, warum sich der Förderkreis aufgelöst hat. "Es ist hier durchaus Platz für zwei Fördervereine", findet Vorsitzender Jürgen Peters. Vielleicht habe es der Förderkreis mit seinen vielen Ex-Lehrern einfach nur verpasst, rechtzeitig für Nachwuchs zu sorgen, mutmaßt er.

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