1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Wiesbaden

Streetworker folgen der Szene

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Arne Löffel

Kommentare

Stigmatisierung ist ein großes Problem von Infizierten.
Stigmatisierung ist ein großes Problem von Infizierten. © Michael Schick

Die Aidshilfe Wiesbaden begrüßt die zunehmende Aufgeschlossenheit der Gesellschaft für Homosexuelle. HIV sei ohnehin schon lange kein reines Schwulen- und Junkie-Thema mehr.

Auf den ersten Blick erscheinen die Zahlen am heutigen Weltaidstag alarmierend: Nach einem Bericht des Europäischen Zentrums für Prävention und Kontrolle von Krankheiten sind im vergangenem Jahr europaweit 142 197 neue Ansteckungen mit HIV registriert worden. 2013 waren es 136 235 registrierte Neuinfektionen. Auch in Deutschland sind die Zahlen gestiegen: um sieben Prozent auf 3500.

Axel Krecik von der Aidshilfe Wiesbaden hat diese Zahlen natürlich auch registriert, interpretiert sie aber positiv. „Wir gehen davon aus, dass insbesondere in Deutschland die tatsächliche Zahl der Neuinfektionen stabil geblieben ist und sich nur mehr Menschen auf das Virus testen lassen“, sagt er der FR. Das sei auf gelungene Aufklärungs- und Präventionsarbeit zurückzuführen.

Krecik und seine vier Kollegen von der Aidshilfe wissen in Wiesbaden von 450 Infizierten, 106 Klienten kommen regelmäßig zur Beratung und Begleitung in die Räume der Aidshilfe. Einen Gutteil der Arbeit macht laut Krecik die Information und Prävention aus. Zum Beispiel betreibt die Aidshilfe in Kooperation mit anderen sozialen Akteuren der Stadt das Beratungstelefon „Bunte Nummer“, und das schwul-lesbische Antidiskriminierungsprojekt „Schlau“.

Weniger reine Schwulentreffs

Das Streetworking hat sich laut Krecik in den vergangenen Jahren verändert. „Insbesondere die schwule Szene ist nicht mehr so stark in sich abgeschlossen, wie das früher einmal war. Das ist an sich ja gut, aber der Schwerpunkt unserer Präventionsarbeit verschiebt sich ein bisschen. Wir arbeiten jetzt häufiger als früher auf Parkplätzen oder anderen Orten, wo schwuler Sex angeboten wird“, berichtet Krecik. Hierfür habe sich 2009 die Beratungsgruppe „MIA – Men In Action“ gegründet, zu der aber auch homosexuelle Frauen gehören.

HIV sei ohnehin schon lange kein reines Schwulen- und Junkie-Thema mehr. „Ungeschützter Geschlechtsverkehr ist nach wie vor die Hauptursache für HIV-Infektionen. Dass man sich bei einem Tätowierer im Ausland oder durch eine Blutkonserve infiziert, ist bei einem Minimum an Verantwortungsbewusstsein wirklich äußerst unwahrscheinlich“, so Krecik.

Ein Schwerpunkt der Arbeit der Aidshilfe sei, der Stigmatisierung der Infizierten vorzubeugen. „Wenn sich jemand als HIV-positiv outet, dann kommt es in der Schule und am Arbeitsplatz auch heute noch zur Ausgrenzung.“ Die Sorge der Ansteckung bei alltäglichen Kontakten bestehe auch heute noch, „obwohl die Menschen wissen, dass das eigentlich Unsinn ist“.

Diese Arbeit kostet Geld. Daher ist die Aidshilfe auch auf den städtischen Zuschuss angewiesen. 92 700 Euro bekommt die Aidshilfe jedes Jahr aus dem kommunalen Sozialetat, dazu noch Zuwendungen vom Land für einzelne Projekte wie zum Beispiel knapp 3000 Euro für die Bunte Nummer.

„Wir sind sehr froh, dass wir von den aktuellen Haushaltskürzungen in Wiesbaden nicht betroffen sind“, betont Krecik. Obwohl der Sozialpädagoge sehr zufrieden mit dem politischen Rückhalt der Aidshilfe in der Stadt ist, so hat er doch einen Wunsch. „Wir würden gern die HIV-Tests ausweiten, die wir in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt anbieten“, sagt er.

Hepatitis, Chlamydien und Syphilis würde die Aidshilfe bei der Blutentnahme gleich mit überprüfen. Vorstöße bei der Stadt seien bisher aber erfolglos gewesen. Aus finanziellen Gründen. Alle zwei Wochen bietet die Aidshilfe die HIV-Tests an. Rund 25 Klienten kommen pro Sitzung zur Blutentnahme, sagt Krecik. Dazu noch mal 15 zum Schnelltest. „Unter den Klienten bei den Tests sind viele Heterosexuelle, auch Paare. Wenn die kommen, machen die bei uns den ,Verlobungstest‘, weil sie in einer längeren Beziehung auf Kondome verzichten wollen.“

Auch immer mehr Frauen kämen zum Test. Schon längst seien die Menschen im Allgemeinen verantwortungsvoller im Umgang mit HIV und den entsprechenden Risiken. „Und das ist ja, wie eingangs gesagt, einer der Gründe, warum in Deutschland die Zahlen der erkannten Fälle steigen.“

Auch interessant

Kommentare