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Straßenfest trotzt Sturmwarnung

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Von: Steffen Herrmann

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Blick über das Bowling Green bei der Fahrt mit dem Riesenrad.
Blick über das Bowling Green bei der Fahrt mit dem Riesenrad. © Michael Schick (Michael Schick)

250 Stände bei 40. Auflage in der Wilhelmstraße. Polizei zieht positives Fazit.

Hoffentlich geht’s bald weiter“, dröhnt es von der Bühne, „falls nicht, kommen Sie gut nach Hause.“ Kaum eine Stunde ist vergangen, seit Oberbürgermeister Sven Gerich (SPD) das 40. Wiesbadener Wilhelmstraßenfest eröffnet hat. Wolken schieben sich über Riesenrad und Kettenkarussell, Wirte klappen hektisch Sonnenschirme zusammen – Sturmwarnung. Dann geht es los: Heftiger Regen treibt die Menschen nach Hause oder unter das Dach der Stände.

Nicht der beste Start für eine Geburtstagsfeier. Trotzdem wird der 40. Geburtstag des Festes zu einem großen Fest. Neben 130 Ständen mit Kunsthandwerk gibt es 120 Stände mit Honig aus Sizilien, Wurst aus Frankreich oder deutscher Wildschweinpfanne. Auf fünf Bühnen spielen Bands, dazu stolzieren Clowns auf Stelzen und Musikkapellen durch die Besuchermassen.

Angefangen hatte es als „Theatrium“. 1977 sollte das kleine Fest die Wiedereröffnung des Staatstheaters feiern. „Das Theatrium hat sich seit 1977 längst zu einem Klassiker entwickelt“, sagt Sven Gerich. Kurz vor dem Gewitter verteilt er noch eine große Jubiläumstorte an das Publikum vor der Bühne.

Nach einer Stunde ist das Gewitter vorbei und der Festplatz füllt sich wieder. Auf dem Bowling Green vor Kurhaus und Theater gibt es viel zu entdecken: Händler aus ganz Deutschland verkaufen Lederhandtaschen, Hüte oder Muschelohrringe. Bei Lara Kornfeld können sich die Besucher ein temporäres Tattoo „stechen“ lassen. „Viele Kinder wünschen sich ein Schmetterlingstattoo“, sagt Lara Kornfeld. Ab 22 Uhr seien Tattoos mit der Silhouette Putins oder Trumps Slogan „Make America Great Again“ beliebt. Die Besucher entschieden sich oft aus einer Bierlaune heraus. „Damit kann man die Mutti schocken oder auf Instagram prahlen“, schmunzelt Lara Kornfeld. Sie ist für ihren Nebenjob auf dem Fest aus Bochum angereist. Natürlich mache sie sich Sorgen wegen der Terroranschläge, trotzdem fühle sie sich sicher.

Die Sicherheitsvorkehrungen sind nicht zu übersehen. Müllabfuhren blockieren die Ein- und Ausgänge zur Feiermeile auf der Wilhelmstraße. Durch die Menschenmassen streifen Sicherheitsdienste. Kameras beobachten schon am Hauptbahnhof, wie Menschen aus den Unterführungen strömen. Die Händler dürfen in der Nacht auf Sonntag erst ab 2 Uhr abbauen, wenn alle Besucher das Festgelände verlassen haben. „Das ist doof für uns Händler, aber verständlich, nach allem, was passiert ist“, sagt Lara Kornfeld.

Ein paar Meter weiter schmückt Quintana Rumohr die Haare einer jungen Amerikanerin mit bunten Nadeln und Federn. Die Terrorgefahr störe sie nicht, das sei schon Routine. „Hauptsache, es gibt nicht noch mehr Regen.“ Die Frisur des Mädchens ist fertig: Ihre Haare sind mit Haarnadeln und bunten Federn hochgesteckt. „Die ‚Putzfrisur‘ ist der Renner“, sagt Quintana Rumohr. Mit einem Wischmopp oder Putzfrauen habe das aber nichts zu tun: „Der Name kommt von ‚herausputzen‘“, lacht Quintana Rumohr.

Ein paar Meter weiter wummert peruanische Volksmusik aus den Boxen. Auch das Publikum des Wilhelmstraßenfestes ist international. „Das ist wirklich ein schönes Fest“, sagt Danica Brooks aus Kalifornien. Es gebe so viel zu entdecken, besonders für die Kinder. Ihrer Tochter habe besonders „Toggo Tour“ gefallen. Dort treffen die jungen und älteren Besucher auf die Helden ihrer Kindheit: Benjamin Blümchen tanzt und trötet gemeinsam mit den Kindern, während die Eltern Fotos machen. Vor dem Kettenkarussell wirft ein Zauberer Süßigkeiten in eine Gruppe von Kindern.

Der Bereich Warmer Damm ist auch dieses Jahr eine alkoholfreie Zone. Bis 2007 feierten hier vor allem Jugendliche, der Weiher glich oft einer Müllhalde. Nun sitzen hier Pärchen im Schatten und sonnen sich, ein Mann liegt auf dem Bauch und liest. „Es ist angenehm ruhig“, sagt Michael Kirsch. Sobald seine Freunde kämen, werde er sich unter die Menschen mischen. Bis dahin genieße er die Ruhe.

Die Polizei meldet am Sonntag: Es blieb ruhig. Seine Kollegen hätten sich vor allem um verlorene Kinder kümmern müssen, sagt Polizeihauptkommissar Andreas Hemmes: „Bei so vielen Zehntausend Besuchern ist das ein toller Erfolg.“

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