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Stilvoll nur mit Korsett: Wie sich Hessens Mode in sechs Jahrhunderten verändert hat

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Von: Madeleine Reckmann

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Áuch die zierlichen Ballschuhe mit Schleifchen aus den 1920er Jahren werden im Staatsarchiv aufbewahrt.
Áuch die zierlichen Ballschuhe mit Schleifchen aus den 1920er Jahren werden im Staatsarchiv aufbewahrt. © Peter Jülich

Eine Ausstellung im Hauptstaatsarchiv in Wiesbaden zeigt hessische Mode aus sechs Jahrhunderten.

Das linke Bein in rotem Stoff, das rechte in gestreiftem, genauso zweigeteilt sieht die Jacke aus, links einfarbig rot, rechts gestreift. So wollte Landgraf Wilhelm von Hessen 1498 seine Vasallen eingekleidet sehen, wenn sie Frohndienste für ihn leisteten.

Die Ausstellung

Lifestyle im Archiv – Hessische Mode aus sechs Jahrhunderten“ ist bis 23. September montags bis freitags im Hessischen Hauptstaatsarchiv, Mosbacher Straße 55 in Wiesbaden, zu sehen. Der Eintritt ist frei.

Zur Finissage am 23. September, um 18.30 Uhr hält Elisabeth Hackspiel-Mikosch den Vortrag: „Allzu menschlich, was Hofarchive über fürstliche Kleidung verraten“.

Führungen sind nach Vereinbarung jeweils am ersten Freitag im Monat möglich: wiesbaden@hla.hessen.de

Im Anschluss ist „Lifestyle im Archiv“ im Hessischen Staatsarchiv Darmstadt, Karolinenplatz 3, zu sehen.

Die Zeichnung, die im Wiesbadener Hauptstaatsarchiv in der Wanderausstellung „Lifestyle im Archiv – Hessische Kleidung aus sechs Jahrhunderten“ zu sehen ist, ist wohl die früheste Modezeichnung in den Beständen des hessischen Landesarchivs. Sie dokumentiert, dass Kleidung mehr ist als Stoff, der den Körper warm hält. „Kleidung zeigt, wie gelebt und gedacht wurde und welche äußeren Einflüsse es gab. Man kann in die Köpfe reingucken“, sagt Jochen Lenhardt, stellvertretender Leiter des Referats Nutzung im Wiesbadener Hauptstaatsarchiv. Kleidung sei von jeher Symbol für den Rang in der Gesellschaft. Ganz auffällig ist dies bei der französischen Hofmode des 17. Jahrhunderts, die vom hessischen Adel nachgeahmt wurde. Johann Jakob Hahnenstein aus Rehe im Westerwald bewahrte 1791/1798 in seinem Hausbuch Zeichnungen davon auf: In der Taille eng geschnürte und kunstvoll geschmückte Kleider und prachtvolle Hüte. Das Darmstädter Unternehmen Wella macht sich auf einer Postkarte lustig über die aus heutiger Sicht albernen Hochfrisuren des Rokoko: Der Friseur steigt für seine Arbeit auf eine Leiter. Ohne Korsett lassen sich die Damen selten blicken – auch im 20. Jahrhundert nicht: Ein Mieder mit Strumpfhalter von 1925 zählt zu den Ausstellungsstücken, sowie ein Sommerkleid, wie es im 19. Jahrhundert üblich war, und vieles mehr.

Die Ausstellung trägt zusammen, was in den drei hessischen Archiven Wiesbaden, Darmstadt und Marburg über Mode in Akten und Schriftgut entdeckt wurde: Zeichnungen, Stoffproben und polizeiliche Verordnungen, in denen festgelegt wurde, was getragen werden darf. Die Waldeckische Ordnung von 1720 etwa verbietet verschwenderische Trauerkleidung. Zusammengestellt wurde die Ausstellung von Rouven Pons, der inzwischen das Darmstädter Staatsarchiv leitet.

Bluse und Rock - diese Mode kommt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf.
Bluse und Rock - diese Mode kommt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf. © Peter Jülich

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