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Nach der Sperrung der Salzbachtalbrücke stauen sich die Autos im Berufsverkehr auf der A 66.
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Nach der Sperrung der Salzbachtalbrücke stauen sich die Autos im Berufsverkehr auf der A 66.

Salzbachtalbrücke

Staus in Wiesbaden: „Die Brückensperrung ist eine Katastrophe“

  • VonDiana Unkart
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Nach der Sperrung der Salzbachtalbrücke ist Wiesbaden weitgehend vom Zugverkehr abgeschnitten. Wer pendelt, braucht gute Nerven, denn die Strecken rund um die Stadt sind voll.

Die ersten Berichte von Pendlerinnen und Pendlern via soziale Medien am Montagmorgen klangen erfreulich positiv. So viel sei gar nicht los, hieß es. Da war es ungefähr 6.30 Uhr. Eine Stunde später zeigten die Verkehrsdienste vor allem eine Farbe: dunkelrot. Wegen der Sperrung der Salzbachtalbrücke ist es am Montag in Wiesbaden zu Staus und Verkehrsbehinderungen gekommen. Betroffen waren vor allem die Autobahnen 66, 671 und 643 und deren Abfahrten, Straßen im Stadtteil Biebrich und Strecken in der Innenstadt. Die Polizei beobachtete den Verkehr vom Hubschrauber aus.

Die Mainzer Polizei war mit Motorrädern im Einsatz, um die neuralgischen Punkte zu sichern. „Wir hatten die Befürchtung, bestimmte Strecken laufen zu, aber das war nicht der Fall“, sagt Sprecher Rinaldo Roberto. Gegen 8 Uhr habe es nur punktuell einige Verkehrsbehinderungen gegeben. Derzeit wird empfohlen, den Bereich der Salzbachtalbrücke bei Wiesbaden auf der anderen Rheinseite via Mainzer Ring weiträumig zu umfahren.

Die Brücke, die sonst täglich etwa 80 000 Fahrzeuge passieren, und die Straßen darunter waren am Freitag überraschend gesperrt worden, nachdem Betonteile herabgefallen und Risse festgestellt worden waren. Überprüfungen ergaben außerdem, dass sich Teile des Bauwerks gesenkt hatten. Die Autobahn 66, zu der die Brücke gehört, ist eine wichtige Verkehrsachse im Rhein-Main-Gebiet und verbindet Wiesbaden und den Rheingau mit Frankfurt.

Umleitungen

Anzeigetafeln auf der A 66 in beiden Fahrtrichtungen weisen großräumige Umleitungen aus.

Es wird empfohlen, über den Mainzer Autobahnring und seine Autobahnen 60, 671, und 643 auf die andere Rheinseite auszuweichen.

Verkehrsdezernat und Polizei raten davon ab, Schleichwege durch die Stadt zu suchen.

Weitere Umleitungen und Ausweichrouten werden derzeit geprüft und demnächst öffentlich bekanntgemacht.

Von der Sperrung der Brücke ist auch der S-Bahn- und Zugverkehr betroffen, weil Schienen unter der Brücke verlaufen. Der Hauptbahnhof der hessischen Landeshauptstadt ist vom Bahnverkehr nach wie vor weitgehend abgekoppelt. „Wegen der gesperrten Autobahnbrücke können auch Züge den Wiesbadener Hauptbahnhof nicht anfahren“, sagte eine Bahnsprecherin in Frankfurt.

Auf ihrer Internetseite teilte die Bahn mit, dass unter anderem bis auf weiteres keine ICE-Züge im Wiesbadener Hauptbahnhof halten – es kommt zu Umleitungen und Verspätungen. Derzeit verkehren nach Angaben der Bahn auch keine Regionalzüge und S-Bahnen, mit Ausnahme der Regionalzüge Wiesbaden–Niedernhausen–Limburg (Lahn).

Ein Krisenstab arbeitet an einem Gesamtkonzept, um den schienengebunden Nahverkehr und den städtischen Nahverkehr aufeinander abzustimmen. „Wir versuchen für Wiesbaden alles, um die Folgen abzumildern“, sagt Christian Giesen, Sprecher des städtischen Verkehrdienstleisters Eswe Verkehr. Übers Wochenende sei ein Schienenersatzverkehr eingerichtet worden, es gebe Verstärkerfahrten unter anderem auf der Linie 6 zwischen Wiesbaden und Mainz und Überlegungen, Linien zu verlängern oder Linienführungen zu ändern. Das Unternehmen habe sich auf Krisenfälle vorbereitet. Zehn bis 20 Busse könnten flexibel eingesetzt werden. Es gebe auch immer Busfahrer:innen in Bereitschaft. Probleme bereiteten die wegen der Umleitungen um bis zu 30 Minuten längeren Fahrzeiten, die die Fahrpläne durcheinanderbrächten.

Für die Wirtschaft in der Region „ist die Brückensperrung eine Katastrophe“, sagt Friedemann Götting, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK). Nicht nur Wiesbaden sei abgeschnitten, sondern auch der Rheingau, wo Beherbergungs- und Gastronomiebetriebe nach monatelangem Lockdown auf Gäste gehofft hätten. Unternehmen müssten nun mit Mehrkosten und Wettbewerbsnachteilen rechnen.

Nach der Sperrung der Schiersteiner Brücke zwischen Mainz und Wiesbaden im Jahr 2015 habe die IHK auf alternative Verkehrs- und Mobilitätskonzepte gedrungen, damit der Ausfall einer Straße oder Brücke die Stadt nicht noch einmal ins Chaos stürzt. Damals hatte sich bei Brückenarbeiten ein Pfeiler verschoben. In der Folge war die Fahrbahn der vorgelagerten Brücke auf Mainzer Seite um 30 Zentimeter abgesackt. Die gesamte Brücke musste für zwei Monate gesperrt werden, was zu langen Staus in der Region führte. Nach vielen Jahren Bauzeit sollten die Arbeiten Ende des Jahres abgeschlossen sein. Ob die Schiersteiner Brücke tatsächlich Ende des Jahres fertig ist, sei aber nicht sicher, sagte eine Sprecherin der Autobahn Gesellschaft am Montag. Friedemann Götting sagt: „Wir brauchen einen Plan B. Jetzt ist Aufwachen angesagt.“

Die Salzbachtalbrücke.

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