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Fenna Martin hat Marielotte und Richard Kilian aus Wiesbaden am Dienstag die erste von zwei Impfdosen gespritzt.
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Fenna Martin hat Marielotte und Richard Kilian aus Wiesbaden am Dienstag die erste von zwei Impfdosen gespritzt.

Impfen

Start in den Impfzentren

  • vonDiana Unkart
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Termine, die bis jetzt vereinbart wurden, sollen bestehen bleiben, auch wenn in den kommenden Wochen weniger Impfstoff als geplant geliefert wird.

Eine halbe Stunde nach der Eröffnung füllt sich der Beobachtungsbereich langsam mit älteren Menschen, die eben ihre erste Impfung gegen Covid-19 bekommen haben. Andreas Kleber, der zusammen mit Marc Dieroff das Wiesbadener Impfzentrum leitet, steht am Rand der Halle Nord im Rhein-Main-Congress-Center (RMCC), dort, wo die acht Impfstraßen aufgebaut sind, und sagt: „Ich bin topzufrieden.“ Der Start sei ohne Probleme verlaufen. In Hessen sind am Dienstag die ersten sechs der insgesamt 28 Impfzentren in Betrieb gegangen. Die restlichen sollen am 9. Februar folgen.

Keine zwei Meter entfernt spricht Wolfgang Schulte, 80 Jahre, aus Schlangenbad im Rheingau-Taunus-Kreis in die Mikrofone. Er hat eine der ersten Spritzen im Wiesbadener Impfzentrum bekommen und schwärmt von der Professionalität und Freundlichkeit des Personals. Hat’s wehgetan? „Überhaupt nicht.“ Der Sohn habe den Termin vereinbart, online, und sei etwas genervt gewesen, weil die Seite immer wieder abgestürzt sei, erzählt seine Frau. Sie ist als Begleitperson mitgekommen. Weil sie jünger als 80 ist, darf sie sich erst zu einem späteren Zeitpunkt impfen lassen.

Etwa 400 000 Menschen ab 80 Jahren waren vom Land zur Impfung eingeladen worden, rund 60 000 haben nach Angaben des hessischen Innenministeriums bis 8. Februar einen Termin in den sechs Impfzentren bekommen. Die Termine sollen trotz Lieferkürzungen beim Impfstoff bestehen bleiben.

„Flaschenhals“ Impfstoff

„Der Flaschenhals“, sagt Wiesbadens Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD), „ist der Impfstoff“. Die Mengen reichen nicht aus. Bis zu 1500 Menschen könnten im Zweischichtbetrieb im RMCC geimpft werden. In den nächsten Wochen werden es aber nur 288 pro Tag sein. Sechs der acht Impfstraßen bleiben geschlossen. Verabreicht wird der Impfstoff des Mainzer Unternehmens Biontech. Von dem zweiten zugelassenen Vakzin des US-Herstellers Moderna hat Hessen bislang 4800 Dosen bekommen. Eine Lieferung in ähnlicher Größenordnung wird für kommende Woche erwartet. Die Dosen dienen als Reserve, sollte der Biontech-Impfstoff nicht für die bislang terminierten Schutzimpfungen ausreichen.

In Wiesbaden wird zunächst im Einschichtbetrieb von Montag bis Sonntag, 9 bis 18 Uhr, gearbeitet. Die mobilen Teams, die Bewohner:innen in Alten- und Pflegeheimen impfen, werden weiterhin unterwegs sein. Auch wenn es derzeit noch holpert, Wiesbadens Gesundheitsdezernent Oliver Franz (CDU) gibt sich zuversichtlich: Der Beginn der Impfungen werde der Einstieg in den Ausstieg aus der Corona-Pandemie sein.

Darauf hofft auch ein 80-jähriger Mann, der seinen Namen nicht nennen möchte. Die vergangenen Wochen seien furchtbar gewesen. „Die vielen Einschränkungen“, sagt er. Nichts habe man unternehmen können: keinen Theaterbesuch, kein Treffen mit Freunden. Trotz der Impfung werde er aber zunächst weiter mit Einschränkungen leben müssen. „Es sind ja noch nicht so viele geimpft.“ Vor dem Termin habe er sich sehr gründlich informiert und deswegen auf ein ärztliches Aufklärungsgespräch verzichten können. Für das Personal und die Organisation findet auch er nur lobende Worte.

„Menschlichkeit und Verständnis sind wichtig“

„Menschlichkeit und Verständnis sind wichtig“, sagt Impfzentrumsleiter Kleber. „Für die alten Menschen ist das eine extreme Situation.“ Die Ersten finden sich vor dem RMCC ein, als es draußen noch dunkel ist. „An so einem Tag will man nicht zu spät kommen“, sagt eine ältere Dame und lacht. Immer wieder werden die Seniorinnen und Senioren, viele in Begleitung von Partnern, Kindern oder Enkel:innen, gefragt, ob sie aufgeregt seien. Die meisten verneinen.

In den hell erleuchteten Hallen herrscht eher so etwas wie freudige Erwartung. Die rund 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten routiniert, obwohl es Routine an Tag eins noch gar nicht geben kann. Das Team aus Mitarbeiter:innen der Stadtverwaltung, des RMCC, Soldaten der Bundeswehr und Freiwillige, die sich für die Arbeit im Impfzentrum beworben haben, ist frisch zusammengestellt worden.

Hinter Marc Dieroff, Andreas Kleber und den unzähligen Helferinnen und Helfern liegen harte Wochen. „Es musste etwas aufgebaut werden, für das es keine Blaupause gab“, sagt Dieroff. Der Umgang mit dem empfindlichen Impfstoff, der bei minus 70 Grad Celsius gelagert werden muss, sei zudem eine große logistische Herausforderung gewesen. Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) und sein Kabinettskollege, Sozialminister Kai Klose (Grüne), haben am Dienstag bei einem Besuch des Darmstädter Impfzentrums von einem „historischen Kraftakt“ gesprochen. Vor etwa einem Jahr sei der erste Rückkehrflug aus Wuhan in Frankfurt gelandet, jetzt habe man in Deutschland verfügbare Impfstoffe, sagte Klose.

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