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Starke Worte, wenig Debatte

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Wie soll’s weitergehen im historischen Ensemble des Alten Gerichts an der Moritzstraße?
Wie soll’s weitergehen im historischen Ensemble des Alten Gerichts an der Moritzstraße? © privat/Grischa Kerstan

Bei einer Podiumsdiskussion über die mögliche Zukunft des Alten Gerichts sind sich die Teilnehmer einig. Der historische Bau muss Heimat des Stadtmuseums werden.

Von Peter H. Eisenhuth

Der Gedanke, den Jörg Sobek zu fortgeschrittener Stunde äußerte, war schlicht, aber offenbar noch nicht jedem der Anwesenden in den Sinn gekommen. „Es gibt andere Bürger, die haben andere Schwerpunkte“, sagte der Spitzenkandidat der Piraten für die Kommunalwahl beim Podiumsgespräch zur Zukunft des Alten Gerichts. Beifallsstürme ließen sich damit nicht ernten, nicht bei diesem Publikum: Im Saal der Casino-Gesellschaft saßen fast ausschließlich kulturbeflissene Wiesbadener, deren Antwort auf die Frage „Wohnen oder Visionen – private oder öffentliche Nutzung?“ eindeutig ausfällt: Der historische Bau muss Heimat des Stadtmuseums werden.

Je nach Referent schwankte die Beurteilung des Verhaltens der Rathauskoalition in dieser Frage irgendwo zwischen „unverständlich“ und „skandalös“. Die Debatte trete auf der Stelle, weil die Stadt sich für dieses im Besitz des Landes befindliche und seit sechs Jahren leerstehende Gebäude nicht zuständig fühle. Die Idee der Nassauischen Heimstätte, hier 50 Wohnungen zu schaffen, hält die Initiative „Haus der Stadtkultur und Stadtgeschichte“ (HDSK) für absurd. Aber, donnerte Gerhard Obermayr in den Saal: „Wir lassen uns keine Denkverbote auferlegen“ – für solche Sätze donnerte der Applaus zurück.

Aus den Berechnungen, die der Leiter der gleichnamigen Privatschule präsentierte, ging hervor, dass sich die Umbaukosten unter anderem durch die Vermietung von Räumen in den beiden oberen Geschossen beispielsweise an Künstler, Kreativwirtschaft oder die Volkshochschule innerhalb von 35 Jahren amortisierten. „Das heißt, ein Teil hier im Raum würde es gerade so noch erleben“, sagte Obermayr.

Das Projekt sei weitaus günstiger umzusetzen als es der geplante, Neubau in der Wilhelmstraße war; letztlich müsse die Stadt jährlich lediglich rund 560 000 Euro für das Stadtmuseum aufbringen – eine Summe, für die Alt-Oberbürgermeister Achim Exner sogar den „Ball des Sports“ opfern würde, „wenn wir ein Stadtmuseum hätten, in das Tausende Menschen strömten“.

Für Alexander Klar, spricht nicht nur nichts dagegen, ein Museum in einem alten Gebäude unterzubringen (das Alte Gericht wurde in der Zeit des Historismus erbaut und 1897 fertiggestellt) – „es spricht sogar alles dafür“, betonte der Leiter des Landesmuseums und verwies auf Städte wie Dresden, Nürnberg oder Köln, wo dies so gehandhabt worden sei. „Das Stadtmuseum in Paris ist ein Gebäude aus dem 18. Jahrhundert, es ist nicht modern, aber die Räume haben eine besondere Aura. Die Geschichte ist eingebaut.“

Kritischen Fragen aus dem Kreis der Zuhörer musste sich Heinz Wionski, Hauptkonservator am Landesamt für Denkmalpflege, stellen. Er redete nicht einer Nutzung des Alten Gerichts als Stadtmuseums das Wort, sondern stellte fest, dass aus Sicht seiner Behörde auch eine „teilöffentliche Nutzung“ des Gebäudes denkbar sei. Beispielsweise könne der mittlere Trakt das Museum beherbergen, derweil in den Seitenflügeln Wohnungen geschaffen würden. „Das Alte Gericht wird auch durch Wohnnutzung nicht massakriert.“ Selbst die vorgesehenen Balkone („Das war für mich eine Horrorvorstellung“) erforderten lediglich moderate bauliche Eingriffe. „Das geht.“

Der Mainzer Architekt und Hochschullehrer Emil Hädler mochte Wohnnutzung nicht per se ausschließen, wies aber darauf hin, dass sich öffentliche und private Nutzung nicht miteinander vertragen. „Private Nutzung beinhaltet Intimsphäre – und bei Quadratmeterpreisen von 14 Euro hat man eine streitbare Kundschaft...“

Weil die CDU mit Verweis auf eine Fraktionssitzung keinen Vertreter geschickt hatte, erläuterte alleine Christoph Manjura die Position der Rathauskoalition. Der SPD-Fraktionschef verwies unter anderem auf die Notwendigkeit ausgeglichener Haushalte, nachdem 2012/13 ein Loch von 60 Millionen im Etat geklafft hatte. „Trotzdem müssen wir auch Aufgaben wie den Ausbau der Kinderbetreuung und der Schulsanierung stemmen.“

Hartmut Bohrer (Linke) unterstützte die HDSK-Forderungen. „Wir halten es zwar auch für erforderlich, viele neue Wohnungen zu schaffen – aber preiswerte.“

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