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Stadt Wiesbaden macht Druck beim Bau der Salzbachtalbrücke

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Von: Diana Unkart

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Zehntausende Tonnen Schutt und Sand sind beseitigt. Der Bau der neuen Brücke hat begonnen. M. Schick
Zehntausende Tonnen Schutt und Sand sind beseitigt. Der Bau der neuen Brücke hat begonnen. M. Schick © Michael Schick

Straßenstücke werden freigegeben und auch der Hauptbahnhof soll kommende Woche wieder ans Schienennetz angebunden werden. Doch die Verkehrsprobleme bleiben. Es gibt nur eine Lösung, sagt der Oberbürgermeister.

Bevor das Absperrband kameratauglich durchschnitten wird, kommt der Kehrminator zum Einsatz. Die imposante Kehrmaschine fegt noch einmal einen Straßenabschnitt, der vor wenigen Stunden noch Baustelle war. Dann wird die Mainzer Straße, die Bundesstraße 263, Richtung Innenstadt freigegeben. Am Hang nebenan beginnt derweil nach der Sprengung hör- und sichtbar der Neubau der Salzbachtalbrücke. Wenn die Arbeiten wie geplant verlaufen, soll sie 2023 fertig sein. Am besten schon im ersten Halbjahr, wenn es nach den Wünschen der Stadt geht. Derweil hat die Autobahn GmbH auf ihrer Homepage das Gutachten zur Havarie der Brücke veröffentlicht. Ihr war vorgeworfen worden, das Schriftstück trotz des hohen öffentlichen Interesses zurückzuhalten.

Vier unabhängige Gutachter waren beauftragt worden zu untersuchen, welche Ursachen zu den massiven Schäden geführt haben, in deren Folge die A66-Brücke und die darunter liegenden Straßen und Schienen im Juni gesperrt werden mussten. Das Gutachten nennt mehrere Ursachen: „Grundsätzlich zeigt sich, dass die Konstruktion bereits bei der Inbetriebnahme große konstruktive Schwächen aufwies und über ein hohes Gefährdungspotenzial verfügte. Neben dem anfälligen Lagerungssystem sind hier vor allem der inhomogene Baugrund sowie die Sensibilität des Tragwerks hinsichtlich Temperaturbeanspruchung durch die exponierte Lage des Südüberbaus zu nennen.“ Alterungsprozesse, eine stetig zunehmende Zahl von Fahrzeugen und letztlich die hohen Temperaturen an jenem Tag haben laut Gutachtern schließlich zur Havarie geführt.

Taxi zum Bahnhof

Die Stadt Wiesbaden hat ein Pilotprojekt organisiert und bezuschusst seit Montag bis zum Start des Schienenverkehrs am 22. Dezember Taxifahrten zwischen den Bahnhöfen Wiesbaden Ost beziehungsweise Biebrich und den Haltestellen Hauptbahnhof, Platz der Deutschen Einheit und Dernsches Gelände.

Ein Sonderpreis von drei beziehungsweise vier Euro gilt immer dann, wenn ein Weg in direktem Zusammenhang mit einer Bahnfahrt steht. Er gilt also für ÖPNV-Fahrgäste. diu

Seither versucht die Stadt, die Folgen abzumildern. Aber für 80 000 Fahrzeuge, die einst die Brücke passierten, gibt es keine adäquaten Umleitungsmöglichkeiten. Deswegen macht die Stadt Druck. Es sei mit der Mainzer Straße ein wichtiges Stück Infrastruktur aufgebaut worden, sagt Wiesbadens Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD). „Aber die Verkehrsprobleme werden sich leider nicht auflösen.“ Eine für die Stadt zufriedenstellende Lösung sei erst erreicht, wenn die Südbrücke wieder aufgebaut sei.

Matthias Hannappel, der den Geschäftsbereich Bau und Erhaltung in der Niederlassung West der Autobahn GmbH leitet, nennt dafür das Jahr 2023, aber noch kein konkretes Datum. Wiesbadens Verkehrsdezernent Andreas Kowol (Grüne) sagt: „Wir haben Hoffnung, dass die Brücke in der ersten Jahreshälfte 2023 wieder befahrbar sein wird.“ Dieses Ziel sei sportlich, aber dennoch realistisch. Im Januar tagt dazu eine größere Runde. Möglichkeiten, den Bau zu beschleunigen, würden geprüft, informiert Hannapel. Je nachdem, welche Vorhaben dann umgesetzt werden, kostet der Brückenbau mehr Geld. Derzeit sind insgesamt 145 Millionen Euro veranschlagt.

Ab 22. Dezember fahren auch wieder Züge den Hauptbahnhof an. Bis auf eines sollen an diesem Tag wieder alle Gleise in Betrieb gehen.

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