1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Wiesbaden

Stadt ignoriert Jubiläum

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Feiern kostet zu viel im Rathaus.
Feiern kostet zu viel im Rathaus. © Michael Schick

Der Wiesbadener Magistrat wird zum Party-Pooper, finden die Stadtparlamentarier. Zum 125. Jubiläum der Eröffnung des neuen Rathauses 1887 soll es keine Feier geben. Zu teuer, meinen die Stadtoberen.

Von Gaby Buschlinger

Der Fraktionsvorsitzende der Bürgerliste, Michael von Poser, ist entsetzt: Die Rathausspitze hat ein wichtiges Jubiläum einfach sausen lassen. Vor 125 Jahren, am 18. Oktober 1887, wurde das neue Rathaus nach drei Jahren Bauzeit eingeweiht. Und obwohl Oberbürgermeister Helmut Müller (CDU) und Bürgermeister Arno Goßmann (SPD) in dem repräsentativen, ehrwürdigen Bau ihre Büros haben, ignorierten sie dieses Jubiläum. Weil, so Goßmann, angesichts der angespannten Haushaltslage Feierlichkeiten für nicht angebracht gehalten worden seien.

Von Poser ist zwar auch gegen das Geldverplempern. Hier werde aber an der falschen Stelle gespart. Das Rathaus als „Zentrum der Macht in Wiesbaden“ hätte es wahrlich verdient, gefeiert zu werden, sagt der Fraktionschef. Nachdem eine offizielle Feier abgelehnt worden war, regte die Bürgerliste an, das Jubiläum wenigstens mit einem Tag der offenen Tür zu würdigen. Doch auch dieses „Minimalprogramm“, das keine Unsummen verschlungen hätte, sei nicht auf Gegenliebe bei den Rathaushauptnutzern gestoßen, so von Poser weiter.

"Für Gag-Kunst ist Geld da"

Das Argument des Geldmangels hält er ohnehin für vorgeschoben: „Man wollte nichts machen.“ Denn für die Feierlichkeiten zu 50 Jahren Fluxus seien „mühe- und klaglos 200.000 Euro locker gemacht“ worden. „Und mit dem Geld wurde in Erinnerung an die Anfänge dieser Kunstform unter Jubel noch einmal ein Flügel zerstört“, ärgert sich von Poser und spricht abfällig von „Gag-Kunst“. An solchen Details sehe man, was der Verwaltung wichtig sei und was nicht. „Für Gag-Kunst sind immer Gelder da, das solide Rathaus hat es nicht verdient, gefeiert zu werden.“

Tatsächlich gehört das neue Rathaus zu den schönsten und auch wichtigsten Gebäuden der Stadt. Stadtführer erwähnen es bei ihren Rundgängen und wundern sich ebenfalls über die Ignoranz der Stadtoberen. Erbaut wurde es 1884 bis 1887 nach den Plänen des Architekten Georg von Hauberrisser, eingeweiht von dem damaligen Oberbürgermeister Carl von Ibell. Nach schweren Bombentreffern im zweiten Weltkrieg wurde es 1951 mit schlichterer Fassade wieder aufgebaut und 1987 saniert. Das Gerüst und die Schutzplanen hielten die damalige Stadtregierung nicht davon ab, für den steinernen Jubilar, der aussah wie vom Künstler Christo verhüllt, eine 100-Jahr-Feier zu organisieren.

Auch interessant

Kommentare