Wiesbaden

Stadt gibt Geld für die Verkehrswende frei

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Die Stadtwerke-Holding soll die Mehrkosten ausgleichen. Erste E-Busse werden Ende 2019 geliefert. Aber das Ziel, bis 2022 die erste Stadt mit emissionsfreiem Nahverkehr zu sein, ist nicht zu halten.

Die neuen Elektro-Busse werden zwar stark von der öffentlichen Hand bezuschusst. Dennoch bleiben 20 Prozent der Mehrkosten im Vergleich zu herkömmlichen Dieselbussen an der Stadt hängen. Auch das digitale Parkraummanagement kostet Geld. Das flächendeckende Car-sharing, die Mobilitätsstationen und die Nachrüstung mit Filtersystemen für 100 Dieselbusse - all das, was die Landeshauptstadt zur Vermeidung des Dieselfahrverbots beschlossen hat, muss bezahlt werden.

Verkehrsdezernent Andreas Kowol (Grüne) ist froh, dass der Magistrat die Mehrkosten am Dienstag genehmigt hat. „Wir nehmen hier einen großen Schluck aus der Pulle“, sagte er, „so wird sich die Luftqualität 2019 und 2020 verbessert haben.“ Bemerkbar machen sich die Investitionen beim ständig wachsenden Defizit im Wirtschaftsplan der Verkehrsgesellschaft Eswe. 2019 umfasst es 34,5 Millionen Euro, 2018 waren es noch 25,7 und 2017 20 Millionen Euro. Ausgleichen wird den Verlust die Wiesbaden Holding WVV, eine 100-prozentige städtische Tochter, die seit Jahren mit den Gewinnen aus den städtischen Wohnungsbaugesellschaften und dem Energiedienstleister Eswe den öffentlichen Nahverkehr unterstützt.

Für Jörg Gerhard, Geschäftsführer der Eswe Verkehr, ist dies gut investiertes Kapital. Der öffentliche Nahverkehr wächst. 2018 beförderte die Eswe Verkehr 7,5 Prozent mehr Kunden als im Vorjahr; sie bot auch 7,5 Prozent mehr Busverbindungen an. Im Wirtschaftsplan 2019 sind 2,8 Millionen Euro für die geplante Citybahn von Mainz über Wiesbaden nach Bad Schwalbach im Wirtschaftsplan enthalten. Ihr Anteil soll bis 2023 auf sechs Millionen Euro wachsen. Um die zahlreichen Projekte zu stemmen, hat zudem Eswe Verkehr hundert neue Mitarbeiter eingestellt, berichtet Geschäftsführer Frank Gäfgen.

Trotz der Anstrengungen wird sich das ambitionierte Ziel, 2022 die erste deutsche Stadt mit einem emissionsfreien öffentlichen Nahverkehr zu sein, nicht halten lassen, gibt er zu. Das Ziel sei möglicherweise erst einige Monate später zu erreichen. Grund für die Verzögerung ist, dass die Industrie nicht schnell genug Elektrobusse und die passende Infrastruktur liefern könne. Demnächst werde der Auftrag für 120 E-Busse vergeben, das Ausschreibeverfahren laufe noch. Die ersten E-Busse sollen 2019 eingesetzt werden, allerdings weniger als die vorgesehenen 56 Stück. „Unsere Vision für einen emissionsfreien Nahverkehr hat uns auf die Pole Position bei den Fördermitteln gebracht“, berichtet Gäfgen. Da die Stadt planerisch vornedran sei, räume sie die Fördertöpfe leer. Die WVV Holding möchte indes nicht unbegrenzt die wachsenden Mehrkosten tragen. WVV-Geschäftsführer Rainer Emmel sagte auf Anfrage, dass alles, was von 2020 an über 35 Millionen Euro Verlustausgleich hinausgehe, über den städtischen Haushalt finanziert werden müsse.

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