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Stabwechsel bei der FDP

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Von: Arne Löffel

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Rückzug nach vorn, in den Landtag: Florian Rentsch.
Rückzug nach vorn, in den Landtag: Florian Rentsch. © Michael Schick

Nur Helmut Scheidt hielt sich länger im Sattel - Florian Rentsch stellt nach achtjähriger Amtszeit seine Position als Leiter des Wiesbadener Kreisverband der FDP zur Verfügung. Sein Nachfolger ist Norman Gabler.

Florian Rentsch, Jahrgang 1975, ist ein echter Durchstarter. Acht Jahre lang leitete er den Wiesbadener Kreisverband der FDP, nun hat er sein Amt zur Verfügung gestellt. „Ich will mich fortan ganz meinen Aufgaben als Fraktionsvorsitzender im Landtag widmen“, erklärt Rentsch am Montagmorgen in einer Weinbar in der Innenstadt. Es ist der Morgen vor der Jahreshauptversammlung des FDP-Kreisverbands und Rentsch erklärt, warum er am Abend nicht mehr für das Amt des Kreis-Vorsitzenden kandidieren möchte. Beide Positionen seien für sich genommen so anspruchsvoll, dass er sich habe für eine entscheiden müssen.

Es fehlt an Begeisterung

Allein seine achtjährige Amtszeit macht Florian Rentsch im liberalen Kontext der Stadt zu etwas Besonderem: Länger hielt sich nur Helmut Scheidt im Sattel. 69 Tage, um genau zu sein. Seinem Nachfolger hinterlässt Rentsch einen ruhigen Kreisverband, der auch aufgrund des bundespolitischen Trends schon bessere Tage gesehen hat. Gerade mal 360 Mitglieder, die seien aber laut dem ebenfalls scheidenden Schatzmeister Wolfgang Schwarz mit eiserner Zahlungsbereitschaft gesegnet. Außerdem habe der Kreisverband jüngst 30 neue und vornehmlich junge Mitglieder zu verzeichnen.

Mitglieder, „die sich auch für kommunalpolitische Themen begeistern“ können, wie Rentsch sagt. Und an Begeisterung, das räumen auch Rentsch und Schwarz ein, habe es der FDP in Wiesbaden in der jüngsten Vergangenheit an der einen oder anderen Stelle gefehlt.

Das sieht auch Rentschs Nachfolger, der 56-jährige Internet-Unternehmer Norman Gabler, so. Gabler wurde am Montagabend mit 69 von 83 abgegebenen Stimmen zum neuen Kreisvorsitzenden gewählt. „Aber ich muss die Kollegen im Stadtparlament in Schutz nehmen, schließlich sind wir mit drei Stadtverordneten einfach zu wenige im Parlament“, sagt Gabler. Daher sei erklärtes Ziel des neuen Kreisvorstandes, bei der nächsten Wahl die Zahl der FDP-Parlamentarier drastisch zu erhöhen.

Als Thema mit besonders viel Strahlkraft haben Gabler und auch Rentsch die Stadtentwicklung und den Verkehr ausgemacht, was beides im Dezernat von Sigrid Möricke (SPD) zu finden ist. Da bewege sich zu wenig und das, was gemacht werde, sei alles bereits vom abgewählten FDP-Stadtentwicklungsdezernenten Joachim Pös in die Wege geleitet worden.

Die Herausforderung liege laut Rentsch darin, die FDP nun durch schwieriges Fahrwasser zurück zur Regierungsbank zu führen. „Politik für den Papierkorb macht keinen Spaß“, betont Rentsch. Da gibt ihm auch Gabler Recht: „Wir müssen die Glaubwürdigkeit der FDP wieder herstellen, die wir verspielt haben.“ Wer seine Kunden verprelle, müsse viel Mühe in deren Rückgewinnung investieren. Das sei beim Wähler nicht anders. „Wir lassen jetzt Ruhe einkehren und treten dann mit neuen Formaten und einer neuen Mannschaft an die Menschen heran“, so Gabler. „Mir liegt neben den Themen der Stadtentwicklung besonders die Schulpolitik Wiesbadens am Herzen“, so der neue Kreisvorsitzende. Allerdings räumt er ein, dass die derzeitige Dezernentin Rose-Lore Scholz (CDU) da einen guten Job mache.

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