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Der große Saal des Walhalla in den Jahren 1975 bis 1978, als das hessische Staatstheater dort residierte.
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Der große Saal des Walhalla in den Jahren 1975 bis 1978, als das hessische Staatstheater dort residierte.

Theater in Wiesbaden

Staatstheater könnte ins Walhalla ziehen

  • Madeleine Reckmann
    VonMadeleine Reckmann
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Eine Initiative greift eine alte Idee auf, um den Erhalt des Variététheaters Walhalla in Wiesbaden zu sichern. Doch darauf sind auch andere schon gekommen.

Conny Froboess ist dort aufgetreten, Otto Sander hat auf der Bühne gestanden sowie James Last, der sich damals noch Hans Last nannte, und auch die Komikerin Claire Schlichting, Großmutter der heute bekannten Schauspieler Ben und Meret Becker, wurde vom Walhalla-Theater kurz nach dem zweiten Weltkrieg für Auftritte engagiert. 

Das geht aus dem Gästebuch des Theaters von 1950 und 1951 hervor, das eine Mitarbeiterin des Hotels Oranien kürzlich im Fundus ihrer Familie entdeckt hatte und den Vertretern der Initiative „Walhalla Studios“ aushändigte. Deren Mitglieder, der Designer Michael Müller und der Architekt Martino La Torre, präsentieren es stolz. 

Schließung aus Brandschutzgründen

Es ist ein großes Buch mit ledernem Einband, in das die Stars und Sternchen der Zeit nicht nur ihre Unterschrift setzten, sondern auch Herzchen malten und einen knallroten Kussmund hineindrückten. Müller, La Torre und ihre Mitstreiter sehen das Gästebuch als Beleg dafür, dass das Walhalla-Theater seine ehemalige Bedeutung für Kunst und Unterhaltung wiedererlangen sollte. Im vergangenen Jahr war das 1897 erbaute Theater im neobarocken Stil aus Brandschutzgründen geschlossen worden. 

Seitdem ist offen, was mit dem Gebäude passieren soll. Die Leute der „Walhalla Studios“ haben zwar Ideen - eine Mischung aus Events, Konzerten, Gastronomie und Kino schwebt ihnen vor.

Aber das Haus gehört der städtischen Holding WVV, die gerade dabei ist, den Zustand der Bausubstanz festzustellen. Da sich die Stadt nicht definitiv zur Zukunft des Theaters äußert, ist die Gruppe misstrauisch – und hartnäckig. Jetzt greift sie begeistert die Nachricht auf, dass das hessische Staatstheater ebenfalls erhebliche Brandschutzmängel aufweist und nur mit Brandwachen bespielt werden darf. Das Walhalla war in seiner Geschichte bereits zweimal Ausweichquartier für das Staatstheater, kurz nach dem Zweiten Weltkrieg und in den 1970er Jahren. Könnte es da nicht zum dritten Mal dem Staatstheater als Übergangsspielstätte dienen?

„Das wäre doch eine Performance besonderer Güte“, sagt Müller. Das Geld für die Brandwachen könnte sich die Stadt dann sparen und ins Walhalla stecken, gibt der Architekt Dirk Hoga zu bedenken. Zudem müsse das Land dann etwas zuschießen, denn das Staatstheater ist Landesangelegenheit.

Auf diese Idee sind auch schon andere gekommen. Andreas Guntrum, Geschäftsführer der kommunalen SEG, die mit der Projektsteuerung der Sanierungsarbeiten am Walhalla beauftragt ist, sagt, dass ein Umzug des Staatstheaters ins Walhalla für eine Übergangsphase eine denkbare Variante sei, über die schon lange gesprochen werde. In diesem Punkt sind sich Stadt und Initiative also einig. 

Die beiden Theater haben ein gemeinsames Schicksal: Beide wurde Ende des 19. Jahrhunderts gebaut, beide haben Probleme mit dem Brandschutz, wobei das Walhalla sicherlich baulich schlechter dasteht. Für die Brandschutzwachen im Staatstheater gab die Stadt 2017 820 000 Euro aus, geschultes Personal, das im Brandfalle zu reagieren wisse, bestätigt Kulturdezernent Axel Imholz (SPD) auf Nachfrage. Die Lüftungsanlage entspreche nicht mehr den Vorschriften. Nun sei ein Gutachten in Auftrag gegeben worden, das Aufschluss über die Kosten für die Instandsetzung geben solle. Ob das Theater seinen Spielbetrieb ins Walhalla verlegen könnte, sei reine Zukunftsmusik, sagt Imholz. Denn erst müsse das Walhalla saniert werden. Aber die Idee gerate nicht in Vergessenheit, bekräftigt er.

Das Walhalla ist da schon einen Schritt weiter. Die im Auftrag der WVV-Wiesbaden-Holding erarbeiteten Gutachten zum Bauzustand ergaben einen erheblichen Sanierungsbedarf. Summen von bis zu 27 Millionen Euro stehen im Raum. „Die Gutachten liegen der Landesdenkmalpflege vor, die sich dazu positionieren wird“, sagt Guntrum zum aktuellen Stand. Nachdem die Sanierungskosten bewertet seien, werde es eine europaweite Ausschreibung über die kulturelle Nutzung geben. In dieser kämen die Leute des „Walhalla Studios“ gerne mit ihrem Nutzungskonzept zum Zuge.

Die Gruppe plädiert dafür, das Theater lediglich so zu ertüchtigen, dass Sicherheit und Funktionalität gewährleistet seien. Der morbide Charme des Vergänglichen solle unbedingt erhalten werden. Der dringendste Wunsch ist jedoch, dass das Walhalla als Spielstätte nicht verloren geht. Und vielleicht wieder so viel Glamour hat wie anno 1950. 

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