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Staatsanwalt ermittelt

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Von: Ute Fiedler

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Verdacht auf Verunreinigung des Rheins / Unfall im Industriepark

Alles wieder sauber, teilt das Regierungspräsidium (RP) Darmstadt mit. Vor fast genau zwei Jahren, am 19. März 2010, war ein Teil des Rheinbodensatzes, sogenanntes Rheinsediment, im Bereich des Industrieparks Kalle-Albert durch einen Betriebsunfall der Firma Cytec Surface Specialities verunreinigt worden.

Der Schaden ist zwar mittlerweile behoben. Doch für die Firma, die Phenolharze und Kautschuk etwa für die Gummi- und Reifenindustrie entwickelt und produziert, wird der Vorfall vielleicht noch ein Nachspiel haben. Denn die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts auf Gewässerverunreinigung, sagt Sprecher Hartmut Ferse.

Demnächst würden die polizeilichen Ermittlungen beendet, dann erhielten die Verantwortlichen Gehör. Im Falle einer Verurteilung müssen die Betroffenen mit einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe rechnen. Wird ihnen Vorsatz nachgewiesen, kann eine Haftstrafe bis zu fünf Jahren verhängt werden. Bei Fahrlässigkeit liegt die Höchststrafe bei drei Jahren.

Ermittelt wird laut Eugen Thielen vom RP Darmstadt, weil das Detektionssystem der Firma, das im Falle eines Unfalls greift, scheinbar nicht auf den zu kontrollierenden Stoff abgestimmt war. Im März 2010 war umweltschädliches Wärmeträgeröl aus einem korrodierten Wärmetauscher ausgelaufen.

Schaden inzwischen behoben

Doch das System hatte den Stoff nicht erkannt, der so ungehindert ausdringen konnte. Zunächst gelangte das Öl ins Kühlwasser und war dann in den Rhein geflossen. Dort hatte es sich, weil es eine größere Dichte hatte und somit schwerer war als Wasser, auf der Sohle des Flusses abgesetzt und so eine Fläche von etwa 5000 Quadratmetern verunreinigt.

Doch ein größeres Unglück blieb aus. Wegen seiner geringen Wasserlöslichkeit war das Öl nicht ins Wasserwerk in Schierstein gelangt. Somit blieben auch die Städte Wiesbaden und Mainz verschont, die Rohwasser aus dem Rhein beziehen. Zudem hatte sich viel Öl in einer Mulde unterhalb der Rhein-Mündung des Salz-baches in den Rhein abgelagert und konnte laut Thielen von Tauchern über eine Sauglanze aufgenommen werden. Entdeckt worden war der Vorfall schließlich, da kleine nussgroße Ölkügelchen auf der Rheinoberfläche zu sehen waren.

Im Anschluss an die Arbeit der Taucher hatte die Firma das Rheinsediment mit einem schwimmenden Bagger gereinigt. Der Bodensatz wurde aufgenommen, Wasser und Feststoff mit einem laut RP Darmstadt schiffbauchgroßen Schlauch voneinander getrennt und belastetes Sediment entsorgt. Schadstoffhaltiges Wasser wurde anschließend mit Aktivkohle gereinigt.

Die Kosten der Sanierung musste Cytec bereits übernehmen. Die Firma war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Ob nun noch eine Geldstrafe oder gar eine Haftstrafe verhängt wird, ist abzuwarten.

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