Grabungstechniker Klaus Soukop und Archäologin Marion Witteyer untersuchen das Erdreich.
+
Grabungstechniker Klaus Soukop und Archäologin Marion Witteyer untersuchen das Erdreich.

Ausgrabung

Auf den Spuren der Tempelritter

Denkmalpfleger legen Teile der Stadtmauer frei / Bauträger rechnet mit Zeitverzögerung und Mehrkosten

Von Armin Seibert

Mindestens sechs Wochen lang werden die Grabungen auf dem Baugrundstück an der Rheinstraße dauern, wo ein Bohrbagger eingebrochen war. Am Mittwoch hatten Mitarbeiter der archäologischen Denkmalpflege dort die Stadtmauer freigelegt. Gestern wurde Feinputz gehalten. „Sie stehen außerhalb von Mainz“, sagt Stefan Luley scherzhaft zu einer Dame, die an der Rheinstraße aus dem Bus gestiegen ist und interessiert am Bauzaun das Grabungsteams beobachtet.

Hinter der Stadtmauer floss einst der Rhein. Ob die Stadtmauer aus dem Mittelalter oder der Römerzeit stammt, wird noch herausgearbeitet. „Vielleicht steht die mittelalterliche auf der römischen Mauer?“ sagt Landesarchäologin Marion Witteyer. Das wird nächste Woche klar sein, wenn ein Kleinbagger die Mauer bis in eine Tiefe von fünf Metern freilegt. Derzeit liegt die Sohle des Schürfgrabens erst bei gut zwei Metern.

Zum Team stieß auch Klaus Marg, zweiter Vorsitzender der Initiative Römisches Mainz, der häufig aushilft, wenn Not am Mann ist. Er bedauert, dass es die Baufirmen so eilig hatten und der Blick auf die historische Stadtmauer fast nicht möglich gewesen wäre. Jetzt hofft Marg, dass beim Graben etwas aus der Zeit des Templerordens auftaucht: Die Templergasse spreche dafür, dass sie da aktiv waren. Er wäre dafür, die Mauer auf der ganzen Grundstücksbreite freizulegen.

Marion Witteyer vergleicht die Schichten mit einer Torte. Die Profile lassen tief blicken. Oben liegt eine Teerschicht, darunter Sand, dann kommt verbranntes Material, Ziegel, Schotter, Schuttschichten. Und direkt an die Stadtmauer gebaut altes Sandsteinmauerwerk. „Vermutlich eine Latrine“, schätzt Witteyer. Man darf gespannt sein, ob dort verwertbare Funde gemacht werden.

Wenn der „Schürfgraben“ das Baugrundstück der Länge nach bis in fünf Meter Tiefe durchzogen hat, werden im rechten Winkel von dort aus noch Seitengräben gezogen, um definitiv weitere Hohlräume auszuschließen. So wird im Grunde der ganze Bauplatz fünf Meter tief umgeschichtet. „Wir wollen schließlich auch kein Risiko eingehen, dass hier noch einmal ein Unfall passiert“, sagt Armin Niedenthal, Geschäftsführer des gemeinnützigen Siedlungswerks Frankfurt (GSW). Das GSW richtet sich nun auf eine erhebliche Zeitverzögerung ein. Je nachdem, welche Funde gemacht werden, könnten das Monate sein, fürchtet Niedenthal. Ein Teil der Mehrkosten durch die Baggerarbeiten könnte womöglich nicht weitergegeben werden, sagt Niedenthal nach ersten Verhandlungen mit Versicherungen. Am Bauplan ändert sich nichts.

Die Gründung erfolgt auf zehn Meter tiefen Fundamenten. Auf Keller wird verzichtet. Für die Archäologen bringt die unverhoffte Grabungsmöglichkeit am „Hotspot“ erheblichen Stress. Denn es gibt viele Baustellen. Eine wird gerade in Finthen beendet – dort wurde vor der beginnenden Wohnbebauung die Jungenfeldmühle untersucht.

Eine weitere Baustelle tut sich am Fort Stahlberg an der Hinterseite der Uniklinik auf. „Wir müssen mit unseren knappen Ressourcen optimal wirtschaften“, sagt Witteyer und kündigt für die Feinarbeit an den Erdschichten, das Fotografieren und Vermessen der Rheinstraßen-Baugrube für nächste Woche bis zu zehn Mitarbeiter an.

Dann wird mit Pinseln und Staubsauger gearbeitet, um die „Tortenschichten“ sauber voneinander zu trennen. Etliche Ehrenamtliche werden dafür in Marsch gesetzt. Die Archäologen hofften dabei gestern, dass das Wetter mitspielt, denn Gewitterregen bringt die Profile erheblich durcheinander.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare