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Der CDU-Stadtverordnete Bernhard Lorenz . (Archivbild)

Streit in Wiesbaden

Lorenz soll Aufsichtsratsmandat ruhen lassen

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Der Geschäftsführer von Wiesbaden Holding soll angeblich Geld an Bernhard Lorenz (CDU) überwiesen haben. Die SPD will, dass Lorenz seine Aufsichtsratsmandate vorerst ruhen lässt. Doch der CDU-Mann lehnt das ab.

Der Wiesbadener SPD-Parteivorsitzende und Landtagskandidat Dennis Volk-Borowski erwartet, dass der CDU-Stadtverordnete Bernhard Lorenz seine Aufsichtsratsmandate vorerst ruhen lässt. Es stünden Vorwürfe gegen Lorenz im Raum, die „das Potenzial haben, das Vertrauen in die Kommunalpolitik massiv zu erschüttern“. Sie sollten zunächst aufgeklärt werden, lückenlos. Diese Vorwürfe betreffen auch Ralph Schüler, CDU-Schatzmeister sowie Geschäftsführer der Wiesbaden Holding WVV und der Wiesbadener Immobilienmanagement GmbH.

Lorenz denkt aber nicht daran, seine Ämter in den Aufsichtsräten von WVV und WIM bis auf Weiteres niederzulegen. „Das ist alles nur Stimmungsmache“, erklärt er auf FR-Anfrage, „Wahlkampfmanöver“. Aus seiner Sicht liegen keine konkreten Vorwürfe vor.

Der Wiesbadener Kurier hatte berichtet, Schüler solle im zeitlichen Zusammenhang mit seiner Nominierung zum Geschäftsführer von WVV und WIM 2014 insgesamt 90 000 Euro von seinem Privatkonto an Lorenz überwiesen haben. Dies habe eine frühere Mitarbeiterin in Schülers privater Hausverwaltungsfirma eidesstattlich der Zeitung versichert. „Ich äußere mich nicht zu meinen beruflichen Tätigkeiten, und als Privatmann kann ich die Annahme des Geldes nicht bestätigen“, sagt Lorenz der FR. Er ist als Rechtsanwalt auch für Schülers Privatfirma tätig.

Alarmiert von den Anschuldigen versandte die CDU an ihre Mitglieder inzwischen eine Erklärung und ein dreiseitiges Schreiben Schülers. Darin versichert dieser, die Zahlungen an Lorenz seien „frei erfunden“. Nachdem er sich von der betreffenden Mitarbeiterin nach vielen Jahren getrennt habe, seien unterschlagene Unterlagen, Kautionssparbücher, veruntreute Mieterkautionen und anderes Fehlverhalten aufgefallen. Er gehe inzwischen zivil- und strafrechtlich gegen die Frau vor.

Strafanzeige wegen des Verdachts der Untreue

Kürzlich sei es gelungen, ein von ihr vereinnahmtes Sparbuch gerichtlich zurückzuholen. Die Staatsanwaltschaft bestätigte, dass eine Strafanzeige wegen des Verdachts der Untreue vorliege. Auf die Frage, warum die Frau so handele, zeigt sich Schüler ratlos. „Vor ein paar Monaten wäre das für mich unvorstellbar gewesen“, sagt er der FR.

Die Frau hat Schüler zufolge ihre Anschuldigungen auch dem WVV-Aufsichtsratsvorsitzenden, Oberbürgermeister Sven Gerich (SPD), mitgeteilt, der das städtische Rechtsamt mit der Prüfung betraut habe. Schüler werde sich den Prüfungen der Konzernrevision, der städtischen Antikorruptionsbeauftragten und der Wirtschaftprüfungsgesellschaft stellen, schreibt er. Die CDU sieht in den „offensichtlich konstruierten Unterstellungen“ der früheren Mitarbeiterin nur ein Ziel: „die Reputation des Fraktionsvorsitzenden und die Glaubwürdigkeit der CDU-Fraktion zu schädigen.“

Der SPD gehen Schülers und Lorenz‘ Versicherungen nicht weit genug. Um wirkliche Transparenz herzustellen, sagt Volk-Borowski, müsse Lorenz erklären, welche Tätigkeiten er für die Privatfirma des WVV-Geschäftsführers erledige und welchen Umfang sie hätten.

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