Wiesbadens scheidender Oberbürgermeister Helmut Müller (CDU)
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Wiesbadens scheidender Oberbürgermeister Helmut Müller (CDU)

Wiesbaden Machtwechsel

„Das Kapitel ist abgeschlossen“

  • Ute Fiedler
    vonUte Fiedler
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Am 1. Juli übergibt OB Helmut Müller (CDU) sein Amt an Sven Gerich (SPD). Er wäre gern Oberbürgermeister von Wiesbaden geblieben. Deshalb schaut er mit Wehmut auf seine Amtsjahre zurück, doch er freut sich auch auf neue Aufgaben.

Am 1. Juli übergibt OB Helmut Müller (CDU) sein Amt an Sven Gerich (SPD). Er wäre gern Oberbürgermeister von Wiesbaden geblieben. Deshalb schaut er mit Wehmut auf seine Amtsjahre zurück, doch er freut sich auch auf neue Aufgaben.

Viele Jahre lang war Helmut Müller (CDU) Kämmerer und Oberbürgermeister der Landeshauptstadt. Nach der verlorenen Stichwahl am 11. März muss er nun am 1. Juli seinen Platz räumen. In einem Interview mit der FR spricht er über seine künftigen Aufgaben und vergangene Projekte. Zu dem Gutachten über den hohen Krankenstand in der Stadtverwaltung will er jedoch nichts sagen. Er verweist auf Personaldezernent Detlev Bendel (CDU).

Herr Müller, haben Sie in den vergangenen Monaten noch einmal darüber nachgedacht, was im Wahlkampf hätte besser laufen können?

Das Thema ist abgehakt. Es gibt tausend Theorien, aber es ist müßig, sich darüber den Kopf zu zerbrechen.

Was überwiegt denn mehr, die Wehmut, ihren OB-Posten zu räumen, oder die Freude auf Ihr neues Amt?

Ich wäre gerne Oberbürgermeister geblieben. Deshalb schaue ich schon mit etwas Wehmut zurück. Aber dadurch, dass der Wahlabend schon drei Monate zurückliegt, blieb genügend Zeit, um das Ergebnis zu verdauen. Jetzt freue ich mich auf meine neue Aufgabe. Der Gedanke, mich künftig mit Kultur in der Region RheinMain zu befassen, macht mir Freude.

Auf was freuen Sie sich besonders?

Die Kombination von beidem ist reizvoll. Zudem ist der Fonds eine Institution, die noch keine ausformulierte Geschichte hat. Sie ist noch mitgestaltbar.

Also freuen Sie sich, dass Sie mitmischen können?

Genau. Jedes Jahr gibt es ein Thema, in diesem Jahr ist es zum Beispiel Impuls Romantik. Die Idee, unter solchen Oberbegriffen die Region darzustellen, ist reizvoll.

Werden Sie bei Ihrer neuen Aufgabe mehr Zeit für die Familie haben?

Tatsächlich habe ich bislang sieben Tage die Woche fast rund um die Uhr gearbeitet.

Und jetzt?

Das weiß ich noch nicht. Es wird sicherlich kein Nine-to-Five-Job werden, aber die Arbeit wird sicherlich planbarer, sodass mehr Zeit bleibt.

Werden Sie denn in Wiesbaden wohnen bleiben?

Ja, auf jeden Fall. Ich werde nach Bad Homburg ins Landratsamt pendeln.

Was werden Sie am meisten vermissen?

Vermissen werde ich die Menschen, spontanen Begegnungen und dass man mittendrin war. Allein, wenn man durch die Innenstadt geht, wird man oft angesprochen. Das wird sich schon ändern.

Können Sie sich denn vorstellen, irgendwann in die Politik zurückzukehren?

In die Kommunalpolitik sicher nicht. Hier in Wiesbaden ist das Kapitel für mich sicherlich abgeschlossen.

Vielleicht in Bad Homburg?

(lacht) Das sicherlich auch nicht.

Auf was blicken Sie ganz besonders stolz zurück?

Zuerst bin ich stolz darauf, dass nichts schief gelaufen ist.

Was hätte denn schiefgehen können?

Die Situation in der Wirtschaftskrise war mehr als kritisch. Stellen Sie sich vor, das Lehmann-Finanzproblem wäre nicht auf Lehmann beschränkt gewesen.

Was hätten Sie denn gerne in Ihrer Amtszeit noch zu Ende gebracht?

Da gibt es noch so einige Projekte. In Wiesbaden ist ja eine ganze Menge angestoßen worden, damit die Stadt interessant bleibt. Allerdings, finde ich, müssen die Städte in der Region noch stärker an einem Strang ziehen.

Im Kulturbereich können Sie das ja jetzt anschubsen.

Ja, ich bin der festen Überzeugung, dass das bestimmt funktionieren wird. Auf dieser Metaebene kann man vermutlich viel eher auf einen Nenner kommen. In Wirtschaftsfragen ist das eher schwieriger.

Es gab mal einen Streit um den Namen des Kulturfonds. Werden Sie den als erstes ändern?

Nein. Aber diese Streits sind schon fast normal. Bei allen Institutionen, die wir in Rhein-Main gegründet haben, wurde in den ersten Wochen um den Namen gestritten.

Wird man Sie denn auch noch öfter in Wiesbaden zu Gesicht bekommen?

Sicher. Und die Dinge, mit denen ich mich künftig beschäftige, werden auch oft einen Wiesbaden-Bezug haben. Wiesbaden hat bei dem Fonds schon immer eine Rolle gespielt, auch als es ihm selbst noch nicht angehörte.

Sie gelten immer als wahnsinnig diszipliniert und knallhart in Verhandlungen. Wann waren Sie denn mal undiszipliniert?

Meist dann, wenn meine Kinder etwas von mir wollen. Dann muss ich mich meistens geschlagen geben. Und apropos Verhandler: In Wiesbaden gibt es eine Menge guter Ideen, die man versuchen muss zu promoten. Man sollte nicht zu viele Bedenken dagegen formulieren, sondern eher darüber nachdenken, wie ein Projekt realisierbar ist.

Inwiefern?

Nehmen wir das Beispiel Karstadt Areal. Das hätte fünfmal scheitern können. Aber ist es nicht. Oder die Verhandlungen um die Flächen der Amerikaner in Kastel. Als sie damals ihr Hauptquartier nach Wiesbaden um den Flugplatz verlegen wollten, habe ich sie gefragt, ob sie sich nicht vorstellen könnten, die Flächen in Kastel abzugeben. Die Gespräche laufen noch. Das Projekt hätte ich gerne weiter begleitet. Oder den Bau der Rhein-Main-Hallen.

Der hat Sie aber auch viele Nerven gekostet.

Sicher. Aber man darf nicht vergessen, dass das Projekt auch dazu beitragen wird, dass Wiesbaden positiv im Gespräch bleibt, bundesweit. Die Stadt muss weiter als Veranstaltungs- und Unternehmensstandort in den Köpfen der Menschen verankert werden.

Da sitzen Sie ja jetzt an der richtigen Stelle, um für Wiesbaden die Werbetrommel rühren.

Aber natürlich nicht nur für Wiesbaden, sondern für die ganze Region. Das Potenzial der Region leidet darunter, dass zu wenig in eine Richtung gebündelt wird. Wenn das mehr geschieht, dann haben wir eine ganz große Chance.

Das Gespräch führte Ute Fiedler.

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