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Arbeiten auf der Domäne Mechtildshausen: Ein Auszubildender mistet den Kuhstall aus.

Wiesbaden

Jugendwerkstatt bekommt neuen Chef

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Die Konsolidierung der Wiesbadener Jugendwerkstatt ist auf einem guten Weg. Die Beschäftigten erhalten bald Tariflohn.

Der Viehbestand für die Fleischproduktion in der Domäne Mechtildshausen wurde schon reduziert. Die Wiesbadener Jugendwerkstatt, zu der neben dem Hofgut Ausbildungsstätten für 35 Berufe gehören, baut sein Personal langsam auf eine verträgliche Größe ab und eröffnet neue Geschäftsfelder. Mitten in dieser Konsolidierungsphase wechselt die Geschäftsführung. 

Denn Rainer Emmel, Ralph Schüler und Winfried Kühnl sollten die Leitung nur für ein Jahr übernehmen, nachdem der langjährige Geschäftsführer Jörg Bourgett im November 2017 abgesetzt worden war. Für Kühnl, der als einziger extern zur WJW geholt wurde, steht der Nachfolger schon fest: Werner Backes ist Hauptabteilungsleiter Wirtschaft und Beschäftigung im Wirtschafts- und Liegenschaftsamt und wird seine Geschäftsführertätigkeit als pädagogisch-kaufmännischer Leiter voraussichtlich im März 2019 aufnehmen. Bis dahin soll Kühnl im Amt bleiben. 

Ralph Schüler wird wahrscheinlich wegen seiner Verstrickungen von Amt und privatwirtschaftlicher Tätigkeit als Geschäftsführer der Stadtwerke-Holding WVV ohnehin ausscheiden. Emmel, ebenfalls WVV-Geschäftsführer, soll bis zum ersten Quartal 2019 bleiben, teilt Sozialdezernent Christoph Manjura (SPD) mit. Über einen neuen Geschäftsführer für den landwirtschaftlichen Bereich liefen aktuell Gespräche. Im Vorfeld hatte der WJW-Betriebsrat in einem Brandbrief seine Sorge ausgedrückt, die Einrichtung bleibe während die Übergangszeit bis zur Einstellung der neuen Geschäftsführer ohne Leitung. „Die Handlungsfähigkeit der Geschäftsleitung konnte nun gesichert werden“, sagt Manjura, der auch WJW-Aufsichtsratsvorsitzender ist. Mit Backes wechsele ein Netzwerker in die Geschäftsführung, der die Gesellschaft, die Wiesbadener Wirtschaft, die Sozialverwaltung und weitere Kooperationspartner gut kenne.

Emmel sieht die 2017 in wirtschaftliche Schieflage geratene WJW auf einem guten Weg. Bis 2020 soll die städtische Ausbildungsgesellschaft schwarze Zahlen schreiben. Deshalb sei es so wichtig, die Konsolidierung übergangslos fortzusetzen. Ganz einfach wird dies aber wohl nicht. Denn die WJW tritt in den Arbeitgeberverband ein und soll vom ersten April 2019 an Tariflöhne zahlen. Emmel rechnet dadurch mit einem zusätzlichen Finanzbedarf von 1,7 Millionen Euro. Zudem erhalten die Beschäftigten auf Beschluss der Stadtverordnetenversammlung rückwirkend zum 1. März 2018 eine Gehaltserhöhung um 3,19 Prozent aus Mitteln des Sozialdezernats.

„Im Ergebnis wird die WJW die Stadt mehr kosten, aber wir schauen in die Kalkulation rein wie bei jedem anderen Träger aus“, versichert Manjura. Er hält es zudem für notwendig, die hohe Abbrecherquote der Auszubildenden zu senken, ein Thema, das er bereits 2017 anmahnte. Um die Ausbildungswerkstatt auf sichere Beine zu stellen, ist geplant, Sprachförderung und berufliche Orientierung für Geflüchtete anzubieten. Für Langzeitarbeitslose soll es ebenfalls Schulungen geben. 

Die WJW war 2017 nach 30 Jahren ihres Bestehens in Finanznöte geraten, weil die Zahl der Auszubildenden von 650 auf 400 abnahm. Die Stadt musste der Werkstatt 2017 mit fünf Millionen und 2018 mit 2,5 Millionen Euro unter die Arme greifen. „Vor einem Jahr haben wir unterschätzt, was wir dort antreffen“, sagt Manjura über die Zeit der Übernahme, „es hat ein halbes Jahr gedauert, bis wir die Dinge sortiert und die Kommunikation mit dem Sozialdezernat verbessert hatten.“

Kühnl und Emmel arbeiten daran, die Kosten für die Instandhaltungen der zahlreichen Gebäude zusammenzustellen. Auch der Erbbaupachtvertrag mit dem Land Hessen werde neu verhandelt. 

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