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Teilnehmer der Demo bei der Zwischenkundgebung auf dem Schlossplatz.

Wiesbaden

Drag Queens und Punks im Bollerwagen

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Zum Christopher Street Day ziehen mehr als 600 Teilnehmer vom Park am Warmen Damm durch die Landeshauptstadt.

Am Warmen Damm fällt der erste Blick auf die in Stein gemeißelte Inschrift hoch oben an der Fassade des Staatstheaters. „Der Menschheit Würde ist in eure Hand gegeben. Bewahret sie.“ Unter der Mahnung ein großes Transparent, das für die Internationalen Maifestspiele wirbt. „Die Welt zu Gast in Wiesbaden.“ So soll es sein. Eine bunte Welt, eine fröhliche Welt, in der jeder so sein kann, wie er will. Ohne Ressentiments, ohne Ausgrenzung und Diskriminierung fürchten zu müssen. „Es wird warm und bunt in der Stadt“, verspricht der Mann am Mikro vom Veranstalter „Warmes Wiesbaden“. Der Park am Warmen Damm ein passender Ausgangspunkt für eine Demonstration für gesellschaftliche Vielfalt.

Es ist warm und bunt in der Stadt. Immer mehr bunt gekleidete Menschen mit bunten Fahnen und Sonnenschirmen kommen zusammen, um die 600 dürften es beim Abmarsch auf der Wilhelmstraße sein. Polizisten ohne Schutzweste lehnen entspannt an ihren Fahrzeugen, nur ein paar sind abgeordnet, um die Wegstrecke zwischen Theater und Schlossplatz und von dort weiter zum Schlachthof zu sichern. „Wir sind eine weltoffene Stadt, offen für alle Kulturen und alle Menschen“, sagt der Einsatzleiter. Zum Christopher Street Day lassen sich die Kollegen gerne einteilen, ein Einsatz, der Spaß macht. Kleine Tradition inzwischen, zum siebten Mal treffen sich Schwule und Lesben, Bisexuelle und Transgender und mit ihnen viele Sympathisanten zum öffentlichen Bekenntnis ihres Lebensgefühls in der Landeshauptstadt.

Eine farbenfrohe Parade, ein bisschen wie ein Karnevalszug im Sommer. Wilhelmstraße, Kur-Eck, an der Staatskanzlei vorbei zieht der bunte Tross mit Musik und Trillerpfeifen. Am Straßenrand stülpt sich noch einer die lila Perücke über, schlüpft in knallrote hochhackige Schnürstiefel: Schrille Drag Queens begleiten den Zug durch die Stadt, Punks im Bollerwagen, bunte Menschen im Rollstuhl, mit Fahrrad oder zu Fuß. Kaum jemand am Wegesrand wirkt irritiert, das Leben läuft in Straßencafés und in den Geschäften an der Route. „So etwas wie heute zeigt Toleranz“, sagt ein Polizist. Solle doch jeder so sein wie er will. „Wichtig, dass sich alle bei uns wohlfühlen.“

Die „Partei der Humanisten“ marschiert im Umzug vorneweg, SPD und Linke („Oral statt Kapital“) zeigen Flagge. Auch die Nachbarstadt „M. a. i. n. Z.“ („Mutig auf in neue Zeiten“) ist mit der Organisation „25 Jahre Sommerschwüle“ vertreten, die Grünen sind dabei, Menschen aller Altersgruppen. „Einfach für alle“ soll das Leben sein, so das Motto bei der diesjährigen Demonstration zum Christopher Street Day, die an den ersten Aufstand von Homosexuellen und Transsexuellen im Sommer 1969 gegen polizeiliche Diskriminierung erinnert. Schauplatz damals die Christopher Street im New Yorker Stadtteil Greenwich Village. Tagelang ging es danach rund im Dorf mitten in der Metropole.

„Sehr geil, dass es jedes Jahr mehr werden und wir in Wiesbaden zu Hause sind“, sagt der Sprecher vom Verein „Warmes Wiesbaden“ bei der Zwischenstation auf dem Schlossplatz. Jubelnder Applaus breitet sich aus zwischen Rathaus und Landtag, die bunte Gruppe ist unterwegs noch ein bisschen gewachsen. „Liebe für alle“ hat sich eine junge Frau mit Filzstift aufs Bein gemalt und den Wunsch mit einem Herz umrahmt. Vom „Respekt als Wert, den wir leben sollten“, spricht einer der Redner auf den Stufen zum Rathauseingang und mahnt auch, untereinander Ausgrenzung und Diskriminierung zu ächten, denn nicht alles, was queer ist, ist sich grün. Am Schlossplatz und später bei der großen Party am Schlachthof ist die Welt bunt und auch „Regenbogenfamilien“, schwule oder lesbische Paare mit Kindern, gehören dazu. Auch wenn das Parteien auf der Rechtsaußenposition gar nicht gerne sehen.

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