+
Nicht nur im Mittelrheintal fahren die Züge an Häusern vorbei.

Protest Wiesbaden

Bahnlärmgegner rufen zur Demo

  • schließen

Anwohner aus Amöneburg, Kastel und Kostheim wollen in Koblenz ein Signal setzen und rufen alle Bahnlärmgegner zur Demo auf.

Eins macht Christian Rüßler vorweg klar: „Gegen die Bahn und Zugverkehr haben wir nichts.“ Wohl aber gegen den Lärm und vor allem gegen die Untätigkeit der Bundesregierung, die nichts dafür tue, die Anwohner entlang der Güterverkehrsstrecken zu entlasten. Deshalb wollen Rüßler und viele Mitstreiter am 3. September in Koblenz demonstrieren. Dort will an diesem Tag auch Wiesbadens Bürgermeister Arno Goßmann (SPD) ein Signal gegen den Bahnlärm setzen.

Rüßler ist Vorsitzender der Bürgerinitiative „Schutz vor Bahnlärm in Amöneburg, Kostheim, Kastel (AKK)“. Die drei Wiesbadener Stadtteile liegen an einer der wichtigsten zentralen Verkehrsachsen in Europa: an der Bahnstrecke, die Genua und Rotterdam und somit das Mittelmeer mit der Nordsee verbindet. Etwa 400 Züge fahren dort laut Rüßler pro Tag entlang, mit viel Getöse. „Wir haben Spitzenwerte von weit über 80 Dezibel an den Häusern gemessen. Der Lärm beeinträchtigt den Alltag vieler AKK-Bewohner stark“, sagt Rüßler. Und es könnte noch schlimmer werden, befürchtet er.

Durch die Eröffnung des Gotthard-Basistunnels im Juni dieses Jahres soll Schätzungen zufolge die Anzahl der Güterzüge pro Tag steigen. Rüßler rechnet mit 80 bis 100 Zügen mehr pro Tag, die noch mehr Lärm und Probleme mit sich brächten. Vor allem für die Gesundheit. Der Vorsitzende der Bürgerinitiative spricht von Schlafstörungen, Hörschäden, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Schäden und einer Verminderung der Leistungsfähigkeit. Nicht unterschätzt werden dürften auch der Wertverlust der Häuser, die Beschädigungen durch Erschütterungen und die Abwanderung der Menschen. Immer wieder zögen betroffene Anwohner weg.

Konkret fordern er und seine Mitstreiter unter anderem ein nächtliches Tempolimit auf den Strecken durch die Orte. Es sei paradox, dass in Städten nachts ein Tempolimit auf den Straßen gefordert werde, „aber auf den Schienen ist hingegen alles egal“. Darüberhinaus müssten die Züge umgerüstet werden und dringend notwendige Lärmschutzmaßnahmen umgesetzt werden. „Einige Wände hat die Bahn ja installiert, das muss man ja auch mal loben. Aber das ist noch lange nicht genug.“

Auch der Neubau der Strecke von Troisdorf nach Bingen, die das Mittelrheintal und auch AKK entlasten könnten, müsse weiter verfolgt werden, fordert Rüßler. Zwar wurde das Projekt im Bundesverkehrswegeplan verankert, jedoch nicht als vordringlicher Bedarf eingestuft, was die Bahnlärm-Gegner sehr bedauern.

Unterstützung erhalten die Aktivisten auch aus dem Wiesbadener Rathaus. Bürgermeister Goßmann weiß um die Probleme der Menschen in AKK. „Bahnlärm ist die größte Geisel der Menschen. Er betrifft die Menschen in den Vororten deutlich mehr als Flug- oder Straßenlärm“, sagt er. In Gesprächen mit der Bahn habe er auf fehlende Lärmschutzwände hingewiesen. „Bis jetzt zeigt sich die Bahn jedoch nicht bereit, die Lücken zu schließen.“

Laut einem Bahnsprecher sind in AKK bislang tatsächlich keine weiteren Maßnahmen geplant. Die Lärmsanierung sei abgeschlossen. Auf drei Kilometern seien Lärmschutzwände errichtet, 240 Wohneinheiten mit neuen Fenstern ausgestattet worden. Fünf Millionen Euro haben die Maßnahmen gekostet, heißt es. Dabei habe man sich an Vorgaben gehalten, die beispielsweise Häuser, die nach 1974 gebaut wurden, nicht berücksichtigen.

Aufgeben wollen die Bahnlärmgegner trotzdem nicht. Laut Rüßler wird sich erst dann etwas ändern, wenn sich der Druck auf die Bahn erhöht – und zwar von oben, wie er sagt. Ihrem Anliegen wollen Goßmann und Rüßler unter anderem am 3. September Gehör verschaffen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare