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Will keine Politik für Zocker machen: Kaweh Mansoori.

Kaweh Mansoori

Der Senkrechtstarter

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Der 30-Jährige führt jetzt die SPD Hessen-Süd – ein Porträt.

Erst im November wurde er zum hessischen Juso-Vorsitzenden gewählt, seit Samstag ist er der neue Spitzenmann der südhessischen SPD. Ungewöhnliche Zeiten beschleunigen Karrieren. Und verjüngen das Personal. Und so kommt es, dass ein 30-Jähriger plötzlich ein Ehrenamt innehat, das er eigentlich erst in zwei Jahren antreten sollte.

Kaweh Mansoori, geboren am 12. August 1988 in Gießen, einst Landesschulsprecher, jetzt ein Rechtsanwalt, der Kommunen und kommunale Unternehmen berät. Kein Kevin Kühnert, der es laut mag und das Rampenlicht sucht. Sondern eher ein ernsthafter Mensch, der gleich zu Eingang seiner Bewerbungsrede über seine Eltern spricht. Iranische Flüchtlinge, die im Jahr 1998 das erste mal demokratisch wählen durften. Die mutig ihrer alten Heimat den Rücken kehrten, um ihren Kindern die Chance auf eine bessere Zukunft zu ermöglichen. „Ohne ein Wort Deutsch.“ Ein harter Weg, wie er klarstellte: „Das hat sich ziemlich lange ziemlich kalt angefühlt.“

Es ist eine sehr persönliche Geschichte, mit der Mansoori sich den Delegierten vorstellte. Mit „Demut“ werde er den Vorsitz übernehmen - angesichts der illustren Reihe seiner Vorgänger. Die Partei sei im Umbruch, er wolle Verantwortung übernehmen. Er sei 30 Jahre alt, was nicht bedeute, dass er den Laden komplett umkrempeln wolle: „Nicht alles Junge und Hippe ist gut.“ Manchmal sei es besser, nur zuzuhören und hinzusehen.

Den Aktivisten von Fridays for Future etwa oder denen von Campact. Ihre Forderungen seien die der Sozialdemokraten: „Das ist unsere Tradition.“ Volkspartei heißt für Mansoori nicht, Politik für Wohnungskartelle zu machen, für Zocker, skrupellose Investoren. „Wir machen Politik nicht für alle, sondern die Mehrheit der Gesellschaft.“ Das seien die Wurzeln der Sozialdemokrate, auf die es sich zu besinnen gelte: „Keine Angst vor Klartext, dass wir eine linke Volkspartei sind.“

Mit einem Vollzeitjob in der freien Wirtschaft wird es nicht einfach werden für den 30-Jährigen, der in Buseck wohnt, einem Nachbarort von Gießen. Er braucht die Unterstützung seiner Genossen, um die SPD Hessen-Süd wieder aufzubauen und in eine neue Ära zu führen. Deshalb ist es richtig, ihm mit der Bundestagabgeordneten Dagmar Schmidt und der Landtagsabgeordneten Heike Hofmann zwei Profipolitikerinnen als Stellvertreterinnen an die Seite zu stellen.

Auch sein Vorgänger Gernot Grumbach wird sich nicht aufs Altenteil zurückziehen können: „Ich werde dich oft anrufen“, kündigte Mansoori an.

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