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Spannungsreiche Fehlersuche

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Eswe leistet sich einen neuen Messwagen, um Stromausfälle schneller beheben zu können

Von Bernd Schmid

Die Vorstellung treibt den Verantwortlichen eines städtischen Stromversorgers vermutlich den Angstschweiß auf die Stirn. Ein Schalter in einem Umspannwerk explodiert und legt die gesamte Innenstadt lahm: In der Stadtverwaltung schalten sich die Computer ab, in den nachtdunklen Kaufhäusern bleiben die elektrischen Kassen zu, und auch auf den Straßen geht wegen abgeschalteter Ampeln gar nichts mehr. So geschehen Ende der 1990er-Jahre in Wiesbaden. Ein solcher Versorgungs-Super-GAU, der sich in Wiesbaden nur alle paar Jahre einmal ereignet, wäre auch mit dem neuen Kabelmesswagen nicht zu verhindern gewesen, sagte das Vorstandsmitglied der Eswe Netz, Stephan Tenge, bei der Vorstellung des Hightech-Gefährts. Aber viele andere Störungen im Kabelnetz könne man mit dem 245000 Euro teuren Messwagen schneller finden.

Anlässe wird es auch künftig genug geben: Geschätzte zehn Mal pro Jahr werden Kabel laut Eswe durch Baggerarbeiten verletzt, dazu kämen Produktionsmängel und Alterungsprozesse in den Stromleitern, die zu einem Kurzschluss führten. Das Ergebnis ist immer das Gleiche: Nichts geht mehr. Da 87 Prozent des gut 1900 Kilometer langen Eswe-Stromnetzes in Wiesbaden und Taunusstein unterirdisch verlegt sind, gestaltet sich die Fehlersuche aufwändig. „Doch Zeit ist genau das, was wir im Fall eines Stromausfalls ja gerade nicht haben“, erläutert Helmut Schneider, Abteilungsleiter Netztechnik der Eswe Netz.

Das Prozedere der Fehlerortung ist auch mit dem neuen Messwagen gleich geblieben. Nachdem über die Eswe-Netzleitstelle eine fehlerhafte Kabelstrecke erkannt wurde, wird dieser Bereich abgeschaltet und mit den technischen Einrichtungen des Messwagens untersucht.

Störungen gibt es immer

Neu ist, dass die Störungsfachleute nicht mehr umständlich die unterschiedliche Dicke und Leitfähigkeit des Kabels sowie seine Ummantelung in ihren Rechner tippen müssen, sagt Schneider. Um die fehlerhafte Stelle auf den Zentimeter genau lokalisieren zu können, werde immer noch der Mensch gebraucht: „Der Messwagen sendet einen elektrischen Impuls an die Fehlerstelle, wo dann ein Klopfgeräusch entsteht, das mit Bodenmikrofonen gehört werden kann.“ So könnten 95 Prozent aller Fehler exakt in der Mitte der Aufgrabungsstelle gefunden werden.

Doch trotz aller hochtechnischen Verbesserungen steht für den Ingenieur fest: „Eine Stromversorgung ohne Störungen kann und wird es nie geben, denn alle technischen Betriebsmittel wie Kabel, Schaltanlagen und Transformatoren haben ein gewisses Ausfallrisiko.“ Irgendwie tröstlich, macht es doch Maschinen ein bisschen menschlich.

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