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Spannung ohne Doping

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Von: Madeleine Reckmann

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Durch Eleganz und Anmut zeichnet sich der Kunstradsport aus. Die Zuschauer sind ganz still.
Durch Eleganz und Anmut zeichnet sich der Kunstradsport aus. Die Zuschauer sind ganz still. © Hessischer Radfahrerverband

Auf eine EM im Hallenradsport mussten die Fans bislang verzichten. Nun gibt es sie - in Wiesbaden.

Wiesbaden ist Austragungsort der nächsten Europameisterschaft. Natürlich nicht im Fußball, auch nicht im Volleyball. Hallenradsport heißt die Sportart. Sie umfasst die zwei Disziplinen Radball und Kunstradfahren, Nischensportarten, die ausschließlich von Amateuren ausgeübt werden. 

Der Radsport hat in Wiesbaden seit 1870 Tradition. Damals machten sich begüterte junge Männer einen Spaß daraus, mit Hochrädern die Kurgäste zu amüsieren, teilt Johann Ratay, Vizepräsident im hessischen Radfahrerverband, mit. Um 1900 herum gründeten sich zahlreiche Radsportvereine in der Region. Wiesbaden entwickelte sich zu einer Hochburg des Radsports.

Jetzt wird der Landeshauptstadt die Ehre zuteil, der Austragungsort der ersten Europameisterschaft im Hallenradsport für Erwachsene überhaupt zu sein. Am ersten Juniwochenende trifft sich dort die Elite im Kunstradfahren und Radball aus 12 Nationen. Drei amtierende Weltmeister werden laut Hilmar Hessler, Vorsitzender der europäischen Hallenradsportkommission, dabei sein. Die Verantwortlichen rechnen mit hohem Zuschauerinteresse und versprechen einen Wettbewerb mit Spannung und Ästhetik. Die Radballfans aus der Schweiz würden mit Kuhglocken anreisen und für so viel Stimmung sorgen, dass die Halle kocht. Kunstradfahren sei dagegen ein ruhiger und anmutiger Sport. 

Dass Wiesbaden als Austragungsort ausgesucht wurde, ist für den Wiesbadener Ratay auch ein persönliches Glück. „Das Ding gehört nach Wiesbaden,“ sagt er. Denn die Nassauer hätten nicht nur viele deutsche und internationale Meister hervorgebracht, der RC Delkenheim habe 1982 auch die Weltmeisterschaft in den Rhein-Main-Hallen ausgerichtet, die für ihn zu den schönsten und größten Meisterschaften zählt. Und das nicht nur, weil die Brüder Andreas und Thomas Steinmeier aus Delkenheim Weltmeister im Radball wurden. Mit der 2014 in Betrieb genommenen Sporthalle am Platz der deutschen Einheit, dem „Schmuckkästchen“ unter den Sporthallen, stehe nun eine „hervorragende Arena“ bereit. Die Halle, in der auch Volleyball-Bundesligaspiele ausgetragen werden, verfügt über ausziehbare Tribünen, auf denen 2500 Fans Platz finden. 

Die Radsportfunktionäre möchten mit dieser EM eine Lücke füllen. „Der Hallenradsport ist die letzte Disziplin ohne Europameisterschaft für die Erwachsenen“, sagt Hessler, der die Idee zur EM 2016 anstieß. Nur für die Junioren gebe es eine EM. Durch das Ereignis erhoffen sich die Verbände mehr Präsens in der Öffentlichkeit und mehr Nachwuchs. Aber der Wettbewerb sollte auch nicht zu viel kosten. Die Verbände sind nicht reich. Deshalb freut es Ratay, dass die Landeshauptstadt die Veranstaltung nicht nur logistisch durch die städtischen Ämter unterstützt, sondern auch 30 000 Euro zuschießt. „Der hessische Radsportverband hätte das nie alleine stemmen können“, sagt Ratay. Insgesamt schlägt die EM mit 80 000 Euro zu Buche, ein Drittel bis Viertel dessen, was eine Weltmeisterschaft kostet. „Wir haben hier Weltklasse für Arme in der Region“, wirbt Ratay für die Qualität im Hallenradsport. Und er verspricht, dass die Sportler absolut nicht gedopt sind. „Wir haben einen Heidenspaß, das ist unser Dope“, sagt er. Die diesjährige EM gilt als Pilotprojekt. Es liege an den Fans, das Ereignis anzunehmen. Dann könne es auch wiederholt werden. 

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