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Sommer auf der Insel

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Fast wie am Meer: Sanburgenbau auf der Rettbergsaue.
Fast wie am Meer: Sanburgenbau auf der Rettbergsaue. © FR/M

36 Grad im Schatten - zu Ferienbeginn flüchten sich die Wiesbadener auf die Rettbergsaue. Aber auch Dauercamper erholen sich auf der Insel im Rhein. Von Franziska Richter

Von Franziska Richter

Christopher ist aufgeregt. Der Vierjährige steht an der Anlegestelle der Personenfähre "Tamara" am Schiersteiner Hafen. Er hüpft von einem Bein auf das andere. Sein Vater und er werden in wenigen Minuten zur Rettbergsaue fahren. "Ich will Matschepampe machen, aus ganz trockenem Material", sagt er. Christopher hält einen dicken Stock in der Hand. Sein Vater lacht. An seinem Rucksack hängt ein grüner Eimer mit einer Schaufel.

An der Anlegestelle wird es voller. Überall stehen Kühltaschen und große Taschen mit Decken, Sandspielzeug und Bällen herum. "Das Schiff kommt!" ruft ein Kind. Die Wartenden reihen sich langsam am Kai auf. Die alte Fähre legt an. Ein Pärchen, das an Deck ihres Motorbootes frühstückt, winkt dem Kapitän herzlich zu.

Ein ruhiger Sonntagmorgen

76 Jahre hat die "Tamara" schon auf dem Buckel. Im Jahr 1934 wurde die Fähre erstmals ins Wasser gelassen. "Damals noch zwischen Mainz und Kostheim", erzählt Adrian Aidoiu, der Kapitän. Er selbst steht seit 19 Jahren hinter dem Steuerrad des Schiffes, immer von Mitte April bis Ende September. Dann transportiert er pro Fahrt bis zu 85 Gäste zwischen Schierstein, Biebrich und der Rettbergsaue hin und her: Dauercamper, Tagesgäste, Kurzurlauber, Pärchen, Familien und Jugendgruppen.

Es ist vergleichsweise ruhig an diesem Sonntagvormittag. Christopher, sein Vater und die anderen 25 Mitfahrer können sich die besten Plätze aussuchen. Im Hafenbecken dreht ein Schwanenpärchen mit ihren Jungen Kreise und verjagt eine Ente mit ihren Küken.

Die Überfahrt zur Rettbergsaue dauert nicht lang. Kaum ausgestiegen rennen die Kinder zum Strand und zum Spielplatz. Hier hat der Sturm von Samstag seine Spuren hinterlassen. Überall liegen Blätter und Äste herum, ein Teil der Wiese, auf der gezeltet werden kann, ist mit Baustellenband abgesperrt. Platzwart Selahattin Sarac und sein Kollege harken Haufen für Haufen zusammen. "Das kam ganz unvermittelt. Ich habe sofort eine Durchsage gemacht, denn das war wirklich gefährlich", sagt er.

An einem Baum hängt ein riesiger Ast nur noch am seidenen Faden. Sarac hält inne. "Das ist doch Blödsinn", sagt er und zeigt auf einen Mann, der gerade über das Absperrband steigt. "Man kann es zehnmal sagen und muss auch manchmal lauter werden und dann heißt es, der Platzwart sei unfreundlich", schimpft Sarac. Dabei weise er die Leute nur zu ihrer eigenen Sicherheit zurecht.

Zwei Plätze für einen Verein

Für Reinhold Nielius war der Sturm nichts Neues. Seit 27 Jahren verbringt Nielius seine Sommer im Wohnmobil auf der Rheininsel. Er ist Dauercamper und zweiter Vorsitzender der Campingfreunde Rettbergsaue. Zwei Plätze gehören zum Verein, ein größerer an der Anlegestelle Biebrich, ein kleinerer an der Anlegestelle Schierstein. Dort stehen die Wohnwagen im Kreis. Es gibt ein Schwimmbecken und eine Sandkiste, Bobby Cars stehen herum. Wegen der Fußball-Weltmeisterschaft hat der Verein ein Fernsehzelt aufgebaut. Nielius hält einen Rechen in der Hand. Auch er räumt auf.

Am Strand ist vom Sturm nichts zu sehen. Bunte Badetiere werden aufgepustet. Das Wasser ist angenehm warm. Heike und Günther Mücke haben es sich im Schatten auf einer Bank bequem gemacht und schauen ihren Enkeln beim Fußballspielen zu. "Mein Vater war schon als Kind auf der Rettbergsaue", sagt der 56-jährige Großvater. "Und meine Mutter hat mich im Kinderwagen über den zugefrorenen Rhein auf die Insel geschoben, das war 1954", erzählt er.

Christopher tut, was er tun muss: Er baut eine Sandburg. In seiner Hand hält er noch seinen Stock. Sein Vater schippt mit. Sie haben einen der abgebrochenen Äste als Fahne in den Sand gesteckt. 200 Meter weiter legt die "Tamara" wieder an. Sie bringt einen neuen Schwung Tagesgäste.

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