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Solarstrom für 100 000 Wiesbadener Haushalte möglich

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Von: Madeleine Reckmann

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Da ist noch Platz auf den Dächern Wiesbadens.
Da ist noch Platz auf den Dächern Wiesbadens. © Michael Schick

Aber die Photovoltaik-Anlagen auf Dächern produzieren noch nicht einmal Strom für 8000.

Seit 2019 gehen bei der Wiesbadener Klimaschutzagentur viele Antrage für Photovoltaikanlagen (PV) ein. Projektentwickler Florian Unger nennt das einen „kleinen Solarboom“. Die Nachfrage, sagt er, bilde die Höhe der Förderung ab.

2018 hat die Stadt die Förderung für PV-Anlagen für Privatleute eingeführt. Seit dem Ukrainekrieg erlebt die Agentur, die im städtischen Auftrag die Menschen über Solaranlagen auf ihren Häusern berät, jedoch einen großen Boom. Die Zahl der Förderanträge hat sich von Januar bis April fast vervierfacht, sie sind von 12 auf 45 gestiegen, bilanziert Unger. Momentan kämen die Mitarbeiter:innen der Agentur mit den Beratungen kaum nach. Rund 35 000 Gebäude in Wiesbaden eignen sich für Solaranlagen, so steht es auf der Homepage der Stadt. Mit einer Dachfläche von über 2,2 Millionen Quadratmetern könnte dort genug Strom produziert werden, um 103 000 Zwei-Personen-Haushalte zu versorgen. 180 Millionen Kilo Kohlendioxid (CO2) könnten eingespart werden.

Aber so weit ist man noch lange nicht. In Wiesbaden wurden bislang laut Klimaschutzagentur 1642 PV-Anlagen installiert, die zusammen so viel Strom herstellen, wie 7940 Zwei-Personen-Haushalte verbrauchen. Eine halbe Million Euro städtische Fördermittel werden dafür reserviert. „Es gibt nicht viele Kommunen, die diesen Weg gegangen sind“, sagt Unger, „das Programm verstärkt den PV-Ausbau im privaten Gebäudebestand.“ Dennoch liegt der Anteil des Solarstroms am gesamten Stromverbrauch der Landeshauptstadt nur bei 1,14 Prozent. „Das ist nicht schlecht“, bilanziert Unger.

Die Kooperation im Wiesbadener Rathaus von Grünen, SPD, Linken und Volt strebt an, bis 2035 klimaneutral zu sein. Bauherren werden verpflichtet, Neubauten mit einer Photovoltaikanlage zu versehen. Auf dem Deponiegelände könnte ebenfalls eine PV-Anlage entstehen, regen die Fraktionen im Kooperationsvertrag an. In den nächsten drei Jahren sollen die 25 größten Potenzialflächen für Solarstrom geplant und umgesetzt werden.

Die Dachflächen bieten laut Unger nur begrenztes Potenzial. Denn in Großstädten wohnen 60 bis 70 Prozent der Menschen zur Miete – und die Eigentümer:innen hätten kein Interesse, ihren Mieter:innen günstigen Ökostrom zu besorgen. „Da fehlt der Anreiz, der Vermieter hat nichts davon“, sagt Unger. Aktuell lohnt sich eine PV-Anlage für Privatleute nur bei Eigenverbrauch. Für die Energiewende brauche man aber die großen und die kleinen Anlagen.

Das Förderprogramm Solarenergie für private Investoren soll laut Kooperationsvertrag fortgesetzt werden. Auch eine Bürger:innen-Energie-Genossenschaft könnte es geben, die selbst PV-Anlagen errichtet. Sich über die Solarenergie von fossilen Energieträgern zu befreien, hält Unger aber für illusorisch. Aktuell fehlten Handwerker:innen und Material, das, wenn es denn lieferbar ist, immer teurer wird.

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