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Sohn erschießt seine Mutter

Prozessauftakt gegen 49-jährigen Winzer

Von Heiko Beckert

Es schien ein normaler Nachmittag zu sein. Die 78-jährige Frau ging ahnungslos mit ihrem Rollator über den Hof zu einem Nebengebäude. Es war ihr letzter Gang. Denn von hinten schlich sich ihr Sohn an und schoss der Mutter mit einer Pistole ins Herz. Danach alarmierte der Winzer aus Wörrstadt die Polizei. So fasst es zumindest die Mordanklage zusammen, die gestern zum Prozessauftakt am Landgericht verlesen wurde. Der 49-jährige Winzer soll bei der Tat 4,05 Promille Alkohol im Blut gehabt haben.

Was treibt einen Menschen zu solch einer Tat? Genau das zu erfahren, dürfte eine zentrale Aufgabe sein der 1. Strafkammer an den kommenden Verhandlungstagen sein. Erste Hinweise, welche Umstände zu dem Mord am späten Nachmittag des 20. April in Wörrstadt geführt haben, ergaben sich schon gestern. Folgt man den Ausführungen zum Lebenslauf des Angeklagten, fügt sich das Bild eines langsamen wirtschaftlichen und persönlichen Niedergangs zusammen. 1985 starb der Vater, und der heute 49-Jährige übernahm als jüngster von drei Brüdern den Mischbetrieb, den er zu einem reinen Weingut umbaute.

Doch im Lauf der Jahre verfiel der Angeklagte offenbar immer mehr dem Alkohol. Eine Ehe wurde wohl auch deswegen 2001 geschieden. Dazu kamen wirtschaftliche Probleme: Die Betriebskosten seien gestiegen, der Erlös aber gesunken, berichtete der Angeklagte, der seit dem 21. April in Untersuchungshaft sitzt. Zeitweilig arbeitete er als Lagerist. Doch mit der Unternehmensführung sei er nicht einverstanden gewesen: „Wir haben uns gegenseitig nicht verstanden.“

Zuletzt lebte der Angeklagte mit seiner gehbehinderten Mutter von Hartz IV. Zwischen der alten Frau und ihrem Sohn soll es Auseinandersetzungen gegeben haben. Die 78-Jährige hat sich wohl unter anderem über den ausufernden Alkoholkonsum des Sohns beklagt. Die Wortwahl – „Ochs“, „Kuh“ oder „Penner“ – war offensichtlich nicht gerade die freundlichste. Doch während der Winzer, der auch von einem gescheiterten Selbstmordversuch sprach, bei früheren Vernehmungen den Eindruck erweckte, dass das Zusammenleben mit der Mutter für ihn unerträglich gewesen sei, wiegelte er gestern ab: „Wir sind eigentlich gut miteinander ausgekommen.“

Gegenüber der Polizei hatte der Angeklagte die Tat zugegeben. Zu einem Geständnis vor Gericht kam es noch nicht, weil der Verteidiger Rafael Pinhas darauf bestand, dass der gestern verhinderte psychiatrische Gutachter anwesend sein soll. Immerhin gehe es um die Schuldfähigkeit seines Mandanten. Am Montag, 22. Oktober, wird der Prozess fortgesetzt.

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