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Wiesbaden

So viel zu sehen und so wenig Zeit

  • VonJürgen Streicher
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Junge Menschen wollen wieder die Welt bereisen und lernen. Mehrere hundert Teilnehmende bei Zukunftsmesse.

Die Welt ruft wieder. Mit lockenden Worten, mit starken Bildern. „Live your dream“ fordert das Unternehmen „Cultural Care Au Pair“ auf, eine junge Frau strahlt auf einer Hochhaus-Terrasse, hinter ihr die Skyline einer amerikanischen Großstadt. Die Welt ruft mit Ländernamen, die für einen besonderen Zauber stehen, mit Verlockungen, nach deren Einlösung noch mehr stehen soll als die Erinnerung an Sonne, Strand, Party und neue Freundschaften. Vielleicht sogar ein bisschen berufliche Zukunft in einer vernetzten Welt. Karriere mit internationalen Beziehungen durch ein Zertifikat für tolle Sprachkenntnisse und die Fähigkeit zur interkulturellen Zusammenarbeit. „So viel zu sehen. So wenig Zeit. Verschwende keine einzige Minute“, sagt Nina auf dem Poster, mit dem für das Au Pair-Programm geworben wird.

Nina aus Darmstadt ist gerade mal 14 Jahre alt, geht in die neunte Klasse der Lichtenbergschule. Nächstes Jahr will sie ein Auslandsjahr einlegen, „um die Sprache besser zu lernen“ vor allem. England oder Frankreich, noch nicht ganz so weit weg von zu Hause. Mit der Mama ist sie zur Jugend-Info-Börse „Hessen total international“ ins Rathaus am Schlossplatz gekommen, die meisten hier sind mit Vater oder Mutter unterwegs, um sich zu informieren. Die Welt ist groß und der Markt der Möglichkeiten, sie von zu Hause aus organisiert zu bereisen, scheint grenzenlos, selbst auf so einer kleinen Messe.

„Gemeinsam die Welt entdecken“ lautet das Motto, dem sich mehr als zwei Dutzend Aussteller verbunden fühlen. Die Veranstalter wollen nach eigenem Anspruch „Qualität im sonst unübersichtlichen Feld von Anbietern internationaler Programme“ anbieten. Hinter „Hessen total international“ steht ein regionales Netzwerk mit Partnern aus dem Hessischen Sozialministerium, kommunalen Jugendämtern, Jugendverbänden und Vereinen sowie weiteren Trägern der Jugendhilfe und der außerschulischen Jugendbildung. „Wir brennen fürs Internationale“, sagt Conny Meyne vom Amt für Soziale Arbeit, Abteilung Jugendarbeit in Wiesbaden. Im Netzwerk „Wiesbaden weltweit“ organisieren die lokalen Partner Jugendbegegnungen, Reisen und Austausche. „Ja, die Kids brennen auch, die wurden zwei Jahre lang vergessen“, sagt Meyne. „Die wollen endlich wieder echt, live und in Farbe leben.“

Der Andrang auf die Messe bestätigt das. Mehr als 400 Online-Anmeldungen für die „Timeslots“ meldet Organisator Thomas Terbeck am späten Vormittag, über den Tag verteilt werden es noch mehr. Die 15. Auflage der Infobörse soll anknüpfen an die Vor-Corona-Zeit mit über 1000 Besucher:innen, initiiert wurde sie 2007 mit dem Ziel, auch Jugendliche zu erreichen, die durch Herkunft von Bildungsbenachteiligung eher betroffen sind.

Die Welt ruft wieder. Vor allem die Traumziele USA, Kanada, Australien, Neuseeland. „Bildungsaufenthalte mit persönlicher Betreuung“ auf der Doppel-Insel am anderen Ende der Welt, da stehen meist Mädchen mit ihren Müttern Schlange, die USA locken alle. Um Bernhard Kürbiss, Geschäftsführer von Treff-Sprachreisen, bildet sich eine Traube von Interessenten. Die Preisliste für das High School Programm 2022/2023 notiert bis zu 30 000 Euro für ein Schuljahr.

Paul Wiener aus dem Main-Taunus-Kreis will sich nach dem Abi erst mal ein Jahr treiben lassen, versucht sich als Fotograf und liebäugelt mit einem Management-Studium. Er ist schon einen Schritt weiter als viele hier, steht am Stand von „EF“ hinter der Plexiglasscheibe, als „Ambassador“ für das Unternehmen und erzählt vom realen Leben als Sprachschüler. Nach der 10. Klasse war er drei Wochen in Oxford, das hat ihm viel gebracht für sein Abi. Neulich war er als Botschafter von „EF“ gegen kleinen Lohn auf einer Messe in München.

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